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Kölner Zoo im Lockdown: So geht es den Tieren ohne Besucher

Besuch im Kölner Zoo : Was macht ein Erdmännchen im Lockdown?

Zoo-Tiere sind an Menschen gewöhnt. Bemerkt die Erdmännchen-Familie, dass jetzt keiner mehr Fotos schießt? Und vermissen die Seelöwen den Applaus? Ein Besuch bei den Tieren des Kölner Zoos im Teil-Lockdown.

Der Chef der Erdmännchen-Truppe im Kölner Zoo heißt Babette. Das Alpha-Weibchen und die zwölf anderen Erdmännchen sind es gewohnt, dass sie als Publikumslieblinge ständig Besuch haben. Da der Zoo Anfang November wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen geschlossen wurde, gibt es aber keinen Besuch. Bemerken die Tiere das oder ist es ihnen vollkommen egal?

„Wir beobachten auf jeden Fall eine Verhaltensveränderung“, sagt Christoph Schütt vom Kölner Zoo bei einem Rundgang durch den menschenleeren Tierpark. Normalerweise übernimmt im Erdmännchen-Gehege ein Tier die Rolle des Wächters. „Immer ein Tier der Gruppe ist im Schichtdienst eingesetzt, um die anderen vor Angreifern aus der Luft oder vom Erdboden aus warnen zu können“, sagt Schütt. „Momentan halten aber oft gleich mehrere Tiere Ausschau, was der ungewohnten Situation geschuldet sein kann.“

Mehr als 10.000 Tiere aus rund 850 Arten leben im Kölner Zoo. Für die Tierpfleger und Gärtner ändert sich im „Lockdown“ nicht viel. Andreas Hölscher etwa beschäftigt die kalifornischen Seelöwen wie sonst auch jeden Tag, damit die klugen Tiere sich nicht langweilen. Auch im Seelöwen-Revier ist die Führungsposition mit einer Dame besetzt: „Astrid ist die intelligenteste in der Gruppe“, sagt Hölscher. Astrid kann auf Kommando einen Hai imitieren, indem sie beim Schwimmen eine Flosse in Zacken-Form aus dem Wasser ragen lässt. Sie kann auch eine Robbe nachäffen oder einen doppelten Salto machen. „Das Training macht ihr Spaß“, sagt Hölscher. Er legt Wert darauf, dass die Seelöwen keine „Zirkusnummern“ zeigen müssen. „Seelöwen sind extrem verspielt und einen Salto würden sie auch in Freiheit machen, wenn sie zum Beispiel von Walen gejagt werden.“ Hölscher glaubt, dass seinen Seelöwen egal ist, ob Besucher im Zoo sind oder nicht. „Bei den Affen ist das anders, die halten Ausschau nach den Stammbesuchern“, sagt er.

Genauso beliebt bei Zoobesuchern wie die Seelöwen sind die Giraffen. Vor ihrem Gehege drängen sich eigentlich die Menschen. „Man hat fast das Gefühl, diese Aufmerksamkeit fehlt ihnen nun“, sagt Schütt. Jedenfalls recken die Giraffen ihre Hälse jedes Mal, wenn ein Pfleger mit dem Rad am Gehege vorbeifährt oder ein Gärtner des Weges kommt. „Sie schauen allen Leuten nach, das machen sie sonst nicht.“

Die Elefanten bekommen jeden Morgen Fußpflege. Die Pfleger verstecken außerdem Äpfel und Möhren im Sand, den die Elefanten dann suchen und ausbuddeln müssen. Die Bären-Tierpfleger animieren die Tiere zum Klettern, indem sie Apfelmus oder Nuss-Nougat-Creme in Felsspalten schmieren, die die Bären dann finden müssen und auffressen dürfen. Und auch die Tiger müssen sich ihr Futter erarbeiten, weil es in Säcken versteckt wird, die die Raubkatzen finden und öffnen müssen.

Die Besucher gehören für Zootiere eigentlich zum Alltag. Sie kennen es nicht anders, weil sie alle in Zoos geboren wurden. Mehr als eine Million Besucher hat der Kölner Zoo jedes Jahr. „Wir hoffen, dass wir im Dezember wieder öffnen können“, sagt Schütt. Im Seelöwen-Gehege ist jedenfalls Halli Galli: Die Seelöwen rutschen auf den Bäuchen durch ihre Anlage, etwas mehr als zwei Wochen auf jeden Fall noch ohne Zuschauer.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So geht’s den Tieren im Kölner Zoo im Lockdown