Kölner-Stadtarchiv-Prozess: Gericht spricht 3 von 4 Angeklagten frei

Prozess um Einsturz von Kölner Stadtarchiv: Gericht spricht drei von vier Angeklagten frei

Chronik des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs 2009

Im Strafprozess um den verheerenden Einsturz des Kölner Stadtarchivs sind am Freitag drei von vier Angeklagten freigesprochen worden. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erhofft sich Schadenersatz für die Stadt.

Lediglich ein Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe wurde vom Kölner Landgericht zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Wegen des verheerenden Unglücks bei U-Bahnbauarbeiten vor knapp zehn Jahren hatten sich die Angeklagten seit Januar wegen fahrlässiger Tötung teils auch wegen Baugefährdung verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft war der Überzeugung, dass Fehler beim U-Bahn-Bau zu dem Einsturz geführt haben. Bei der Katastrophe im März 2009 waren zwei Anwohner ums Leben gekommen.Unter den Trümmern des eingestürzten Archivgebäudes wurden unzählige kostbare Dokumente begraben und teilweise zerstört. Die Stadt Köln schätzt den Sachschaden auf 1,2 Milliarden Euro.

Ursprünglich saßen in dem Prozess fünf Personen auf der Anklagebank. Doch ein Polier, der in dem Verfahren als Hauptbeschuldigter galt, ist erkrankt und nicht mehr verhandlungsfähig. Zudem läuft seit Anfang August vor dem Landgericht ein zweiter Strafprozess gegen einen ehemaligen Oberbauleiter, der ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung angeklagt ist.

  • Prozess um Kölner Stadtarchiv : Staatsanwalt sieht Fehler bei Bauarbeiten als Einsturzursache

Bis der Prozess Anfang 2018 beginnen konnte, verging viel Zeit, sodass das Verfahren jetzt unter großem Zeitdruck steht. Denn im März 2019 verjähren die Taten, weil dann die Zehn-Jahres-Frist überschritten ist. Das gilt auch für den Prozess gegen den ehemaligen Oberbauleiter.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erhofft sich nach dem Ende des Strafprozesses Schadenersatz für die Stadt. „Es ist zumindest ein zartes Signal für den Ausgang des Zivilprozesses“, sagte sie am Freitag. Werner Langen, der Rechtsberater der Stadt in der Sache, sagte, es sei aus Sicht der Stadt positiv, dass das Gericht eine klare Einsturzursache benannt habe: „Pfusch am Bau“ beim Anlegen einer neuen U-Bahn-Linie. Das Gericht sehe die Verantwortung dafür bei den Baufirmen.

Reker sagte, der Einsturz sei in Köln unvergessen, jeder wisse noch, wo er am 3. März 2009 gewesen sei. „Er hat Köln im Mark erschüttert.“ Das Unglück habe eine „tiefe Narbe hinterlassen und Vertrauen zerstört“.

(skr/mba/AFP/dpa)
Mehr von RP ONLINE