Neues Konzept: Kölner Ebertplatz wird zur Großstadt-Oase

Neues Konzept : Kölner Ebertplatz wird zur Großstadt-Oase

Die Sonne ist schon fast untergegangen, aber niemand denkt daran, nach Hause zu gehen. Es herrscht Festival-Stimmung auf dem Ebertplatz in Köln. Zur Wiederbelebung des Platzes tragen ein neues Nutzungskonzept und ein Brunnen bei.

Nur: Es gibt auf dem Kölner Ebertplatz keine Band. Nur einen Brunnen. Und dass drumherum trotz einbrechender Dunkelheit noch Menschen sitzen, kann als kleines Wunder gelten.

Im Herbst 2017 galt der Ebertplatz, eine Art Beton-Schlund im Norden der Stadt, als nicht mehr zu retten. Wer ihn überqueren musste, tat das mit einem ziemlich mulmigen Gefühl. Drogendealer hatten sich breit gemacht, der Brunnen in der Mitte war stillgelegt, mehrere Rolltreppen waren abgeschaltet. Der Platz war leergefegt, ein Angstort. Im Oktober 2017 wurde ein 22-Jähriger erstochen, es soll sich um einen Streit im Drogen-Milieu gehandelt haben. Der Prozess läuft noch.

In deutschen Städten gibt es einige solcher Plätze, die erst vernachlässigt und dann irgendwann aufgegeben werden. Am Ebertplatz lässt sich aber ausnahmsweise etwas beobachten, das man in solchen Fällen oft gar nicht mehr für möglich hält: eine Rückeroberung. Der Platz ist schlecht einsehbar und hat dunkle Ecken. Ein Komplettumbau ist aber erst ab 2020 möglich. Im März wurde daher ein sogenanntes Zwischennutzungskonzept beschlossen. Es wurde Geld locker gemacht und mit Anwohnern und Initiativen an einem Kulturprogramm gearbeitet.

Außerdem wurde der Brunnen repariert und wieder angeschaltet. Der Metallbildhauer Wolfgang Göddertz hatte die „Wasserkinetische Plastik“ einst entworfen. Das Besondere ist, dass der Brunnen begehbar und eigentlich ein Wasserspielplatz ist, auf dem es kreuz und quer spritzt. Die Legende besagt, das Göddertz die Idee beim Teelöffelspülen kam. „Der Brunnen ist jetzt das Hauptargument für Leute, sich rund um den Platz zu engagieren“, sagt sein Sohn Grischa. „Eltern mit ihren Kindern kommen, um im Wasser zu spielen.“ Selbst die stillgelegten Rolltreppen sollen nun umgebaut und zu Kunstwerken werden – unter anderem zu einer Aussichtsplattform und einer Rutsche.

Die Dealer sind nach Angaben der Polizei zwar noch nicht vertrieben. Aber sie bestimmen nicht mehr das Gesicht des Ebertplatzes. Nun laufen die Überlegungen, wie es im Winter weitergehen kann, wenn der Brunnen nicht mehr läuft.

(top/dpa)