Köln: Zwei Tote - Warnung vor Medikament aus Apotheke in Longerich

Warnung vor tödlichem Medikament : Mutter und Baby sterben nach Einnahme von Glukosemix aus Kölner Apotheke

In Köln sind eine Mutter und ihr Kind nach der Einnahme eines Glukosegemischs gestorben. Der gefährliche Stoff stammt aus einer Apotheke in Longerich. Polizei und Stadt warnen die Bevölkerung vor der Einnahme des Präparats.

Die Stadt Köln und die Kölner Polizei warnen die Bevölkerung vor der Einnahme eines Glukosegemischs. Dieses sei lebensbedrohlich, wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung am Montagabend erklärten.

Nach Angaben von Stadt und Polizei sind in der vergangenen Woche eine 28 Jahre alte Frau und ihr per Notkaiserschnitt geborenes Kind an den Folgen der Einnahme gestorben. Dieser und ein weiterer Fall seien der Polizei am 19. September von einem Arzt gemeldet worden.

Bei der anderen Patientin, die sich auf Rezept ihres Arztes das gleiche Präparat aushändigen ließ, traten demnach ebenfalls Komplikationen auf. Sie fühlte sich unwohl und brach die Einnahme ab, bevor sie die gesamte Menge des Stoffes zu sich genommen hatte.

Ein Wachmann steht nachts vor der Heilig-Geist Apotheke in Köln-Longerich. Foto: dpa/Oliver Berg

Die Kölner Behörden warnen nun davor, glukosehaltige Präparate, die in der Heilig Geist Apotheke in Köln-Longerich hergestellt und ausgehändigt worden sind, einzunehmen. Wer noch entsprechende Präparate besitzt, soll diese bei der nächsten Polizeiwache abgeben.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind ausschließlich Arzneimittel betroffen, die in dieser Apotheke hergestellt worden sind. Bei einer Durchsuchungen seien Beweismittel sichergestellt worden. „Die Frauen haben das Präparat in der Apotheke gekauft und dann im einer gynäkologischen Facharztpraxis nebenan im Heilig Geist Krankenhaus eingenommen“, sagt Christoph Leiden, Leiter der Unternehmenskommunikation der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria in der Klinik, auf deren Gelände sich die Apotheke befindet. Der Gynäkologe der Facharztpraxis hatte Strafanzeige gestellt, nachdem die 28-Jährige gestorben war. „Sie war in der Klinik zunächst noch reanimiert worden, dort hat dann auch der Kaiserschnitt stattgefunden“, sagt Leiden. Nach dem erforderlichen Notkaiserschnitt sei die Mutter zunächst noch in die Universitätsklinik verlegt, das Kind in die Kinderklinik in der Amsterdamer Straße. „Wir müssen jetzt schauen, was die Ermittlungen der Polizei ergeben.“ Zur Apotheke gehört ein Labor, in dem Präparate auch selbst hergestellt und gemischt – was üblich ist. Das Heilig-Geist-Krankenhaus ist nach eigenen Angaben nicht betroffen. Man beziehe keine Medikamente aus der Apotheke, sagte Leiden. Die Apotheke sei eigenständig und gehöre nicht zum Krankenhaus.

In der Heilig Geist Apotheke ist derweil am Dienstagmorgen ganz normaler Betrieb. Der Chef sei allerdings nicht da, sagt eine Angestellte, alle Fragen zur Warnung, die die Kölner Polizei und die Stadt Köln am Montagabend herausgegeben haben, beantworte die Kriminalpolizei. Viele der Kunden, die am Morgen in die Apotheke gehen, wissen noch nichts von dem Todesfall. „Wenn das so ist, finde ich das höchst verunsichernd“, sagt eine ältere Kundin.

Zu welchem Zweck die Ärzte den Frauen die Glukosemischung verschrieben haben, ist bislang unklar. Möglicherweise sollten die Frauen einen Test auf Schwangerschaftsdiabetes durchführen. Dafür werden zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche 75 Gramm Glukose in 300 Milliliter Wasser aufgelöst und innerhalb von fünf bis zehn Minuten getrunken. Die Einnahme findet in einer Arztpraxis statt, da sich die Frauen in den nächsten zwei Stunden nicht viel bewegen dürfen und wiederholt zum Bluttest müssen. Dieser zeigt, ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorhanden ist oder nicht. „Diese Mischung ist aber eigentlich weder für die Mutter noch für das Kind gefährlich“, sagt Sylvia Trolldner, Diabetes-Beraterin aus Viersen. „Zumindest, wenn keine weiteren Erkrankungen vorliegen.“ Die Glukose wird im Normalfall auch dann unproblematisch abgebaut, wenn eine Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. „Indem das Insulin der Mutter durch die Nabelschnur an das Kind weitergegeben wird“, sagt Trolldner.

Inzwischen hat eine Mordkommission die Ermittlungen zu den zwei Todesfällen übernommen. Die Stadt Köln hat dem Apotheker außerdem verboten, Medikamente aus eigener Produktion zu verkaufen, bis der Sachverhalt geklärt ist. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen. „Wir ermitteln weiter auf Hochtouren“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Ob sich bei der eingesetzten Kölner Mordkommission weitere Patienten gemeldet haben, konnte er zunächst nicht sagen. Die Polizei plane für Dienstagmittag eine Pressekonferenz, um über den aktuellen Stand zu berichten.

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