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Köln: Vogelhändler stehen vor Gericht

Prozess in Köln : Vogelhändler sollen geschützte Wildvögel verkauft haben

Zwei Kölner Vogelhändler - Vater und Sohn - sollen artengeschützte und illegal gefangene Singvögel verkauft haben. Es geht um mehr als 450 Fälle. In Köln stehen sie nun vor Gericht.

Sie blicken grimmig genervt, die Arme haben sie in beinah trotziger Pose vor den Oberkörpern verschränkt - die beiden Männer, die am Mittwoch im Kölner Amtsgericht auf der Anklagebank sitzen, zeigen sehr deutlich, was sie von dem Prozess halten. Jakob und Dirk K. (Namen geändert) sind Vater und Sohn, 83 und 55 Jahre alt, und angeklagt, weil sie gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen und Urkundenfälschung begangen haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Kölnern vor, als Vogelhändler teils artengeschützte Singvögel ohne rechtmäßigen Herkunftsnachweis im Internet und auf Börsen zum Verkauf angeboten haben. Die Vögel sollen „illegal der Natur entnommen“ und nicht legal gezüchtet worden sein. Es geht um „eine Vielzahl von Vögelchen“, wie die Staatsanwältin sagt. 461 sind es - darunter Buchfinken, Dorngrasmücken, Gimpel und Goldammern. Gehalten wurden sie in Volieren in einer Halle in Köln und einem weiteren Gebäude. Die Ringe um ihre Beine sollen teilweise manipuliert worden sein, einige Vögel trugen gar keine Beringung mit der Kennzeichnung ihrer Herkunft.

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Auf Kleintierbörsen sollen die Angeklagten die illegal gefangenen Wildvögel dann als Zuchtvögel verkauft und insgesamt 73.978 Euro verdient haben.

„Sie fühlen sich verfolgt?“

Jakob K. sagt gleich zu Beginn des Prozesses: „Ich bin noch nie Vogelhändler gewesen.“ Er habe Zeit seines Lebens als Kraftfahrer gearbeitet, sei nun aber „schon ein paar Tage in Rente“, wie der 83-Jährige sagt. Seinem Sohn, der im Verfahren als Beruf „Vogelhändler“ angibt, habe er allenfalls „mal ausgeholfen beim Füttern“.

Sohn Dirk K. behauptet: „Eine Ringmanipulation habe ich weder gemacht noch erkannt.“ Die Vögel seien Zucht- und keine Wildvögel gewesen und in einem Buch hätte er die Herkunftsnachweise aufgeschrieben – nämlich den Namen und die Anschrift der jeweiligen Vorbesitzer.

„Sie fühlen sich also verfolgt?“, fragt der Amtsrichter. Kriminalisiert fühlt sich der Vogelhändler in jedem Fall. Er beschwert sich lautstark über den Tag vor zwei Jahren, an dem seine Vögel beschlagnahmt wurden: „Die Leute von der Stadt kamen mit Security-Verstärkung, die Nachbarn müssen denken, ich sei ein Schwerverbrecher.“

Herkunft der Vögel war rätselhaft

Als Zeugin sagt eine Biologin der Stadt Köln aus. „Die Manipulation der Ringe war eindeutig“, sagt die 39-Jährige. Die Ringe seien verbeult gewesen, nicht kreisrund wie üblich. Der Vogelhändler hätte das also erkennen können. „Es gab weder Herkunftsunterlagen noch eine richtige Buchführung, deshalb haben wir alle Vögel mitgenommen.“

Eine Angestellte der Unteren Naturschutzbehörde sagt auf Nachfrage des Richters, sie kenne sowohl Vater als auch Sohn schon lange als Vogelhändler. Es seien damals Anfragen „von allen möglichen Behörden“ eingegangen zur Herkunft der Vögel der in Köln bekannten Vogelzüchter – unter anderem eine Käuferin hatte sich gemeldet, die bei einer Schwanzmeise „typisches Wildvogelverhalten“ bemerkt habe. Der Vogel sei dann auch gestorben.

Vater und Sohn beharren auf ihrer Unschuld. In der kommenden Woche könnte ein Urteil fallen.