Köln: Tödliche Attacke gegen Stadt-Mitarbeiter hätte vielleicht verhindert werden können

Mutmaßlicher Täter war bekannt : Tödliche Attacke gegen Stadt-Mitarbeiter hätte vielleicht verhindert werden können

Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft nun, ob es in den eigenen Reihen zu Versäumnissen kam. Möglicherweise hätte der mutmaßliche Täter längst in eine Psychiatrie eingewiesen werden müssen.

Es sei ein Dienstaufsichtsverfahren eingeleitet worden, teilte das NRW-Justizministerium in einem am Montag veröffentlichten Bericht an den Rechtsausschuss des Landtags mit. Hintergrund ist die Frage, ob der psychisch kranke mutmaßliche Täter nicht längst in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen gehört hätte.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, hatte er nicht nur bereits im März öffentliche Bedienstete angegriffen, als die seine Wohnungstür hatten öffnen lassen. Nur gut zwei Wochen später soll der Mann außerdem in einer Psychiatrie Pfleger angegriffen und mit einem Messer nach einer Pflegerin gestochen haben. Daraufhin hatte das psychiatrische Krankenhaus bereits Ende März die Unterbringung des Mannes angeregt.

Ein Staatsanwalt habe einen Sachverständigen Ende Juni mit der dafür notwendigen Begutachtung des Mannes beauftragen wollen, aber anscheinend keine Antwort von dem Psychiater erhalten. Auf Basis des Berichts eines Betreuers sei der Mann sogar bereits Mitte April wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er werde prüfen, ob es zu Dienstpflichtverletzungen gekommen sei, kündigte der Chef der Kölner Staatsanwaltschaft an.

Der Mann war Mitte Dezember bei einem Hausbesuch erstochen worden, als er für die Vollstreckungsstelle Geld eintreiben wollte. Als er mit einer Kollegin an einem Mehrfamilienhaus klingelte, öffnete ihm ein Bewohner - und stach nach Polizeiangaben sofort zu. Nach der Attacke wurde der Mann in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Freunde, Familie und viele Karnevalisten haben am Montag bei einer Trauerfeier Abschied von einem im Dienst erstochenen Mitarbeiter der Stadt Köln genommen. Es wurde unter anderem „Ich bin ene kölsche Jung“ gespielt.

Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) nahm am Montag an der Zeremonie im Stadtteil Nippes teil. „Den Schmerz, den ein Messer hinterlässt, kann ich gut nachvollziehen“, sagte Reker, die 2015 nur knapp dem Tod entkommen war, als ihr ein Rechtsradikaler in den Hals stach.

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(dtm/dpa)