Köln: Seilbahn fährt wieder über Rhein nach eineinhalb Jahren Pause

Nach Evakuierung 2017 : Kölner Seilbahn fährt wieder über den Rhein

Vor mehr als anderthalb Jahren blieb die Kölner Seilbahn plötzlich stehen. 75 Fahrgäste mussten aus großer Höhe gerettet werden. Seitdem wurde das Sicherheitskonzept überarbeitet. Jetzt schweben die Gondeln wieder regelmäßig über den Rhein.

Die Zwangspause ist vorbei: Die Kölner Seilbahn fährt wieder. Seit Donnerstag können Fahrgäste wieder in den Gondeln über den Rhein pendeln und den Panoramablick auf die Domstadt genießen. Die beliebte Touristenattraktion war stillgelegt worden, nachdem sie im Juli 2017 plötzlich stehengeblieben waren. Damals saßen 75 Menschen teils stundenlang hoch oben in den Kabinen fest. In einer spektakulären Rettungsaktion wurden sie von Höhenrettern der Feuerwehr befreit und auf ein Schiff abgeseilt.

Nun hat die Kölner Bezirksregierung der Seilbahn wieder eine Betriebsgenehmigung erteilt. In den vergangenen Monaten wurden zusätzliche technische Sicherungen eingebaut, das Bergekonzept wurde überarbeitet. „Heute ist ein schöner Tag, denn die Seilbahn gehört zu Köln“, sagte der Technik-Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), Jörn Schwarze, zum Neustart.

Als am Donnerstag die Gondeln von der Bodenstation am Zoo hoch gezogen werden, ruckeln sie ein klein wenig. Aber dann schweben sie während der sechsminütigen Fahrt ruhig und zügig in Richtung Rheinpark am anderen Ufer. Es ist nahezu windstill an diesem Tag.

Ursache für die Havarie vor mehr als anderthalb Jahren war einem Gutachten zufolge böiger Wind, der ein sogenanntes Hilfsseil derart in Schwingung versetzte, dass es sich an einer Gondel verfing. Künftig soll die Seilbahn bei Wind schneller gestoppt werden: Durfte sie früher bis zu einer Windstärke von 16 Metern je Sekunde fahren, wurde der Grenzwert nun auf zwölf Meter pro Sekunde gesenkt. Deshalb wird die Bahn nach KVB-Angaben in Zukunft wohl häufiger als bisher den Betrieb für einige Stunden oder auch Tage einstellen müssen.

In den Gondeln hängt zudem jeweils nun ein Notfall-Handy in einer roten Tasche: „Hilfe - rückwärtige Taste drei Sekunden drücken“ steht darauf. Dann werde sofort eine Verbindung zur Bodenstation hergestellt, erläuterte der technische Geschäftsführer der Seilbahn, Thomas Miebach. „Die Handys sind aber nur eine Übergangslösung, bis demnächst Notfallknöpfe mit Sprechanlagen installiert werden.“ Neu sei auch, dass nun die gesamte Strecke videoüberwacht werde.

Für die technischen Umrüstungen hat die KVB nach eigenen Angaben rund 600.000 Euro ausgegeben. Einschließlich der entgangenen Einnahmen habe die Havarie etwa 1,2 Millionen Euro gekostet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorfalls nach wie vor gegen zwei KVB-Mitarbeiter.

2014 hatte es schon einmal einen Notfall gegeben: Damals saß eine Familie vier Stunden in einer Gondel fest und musste von Höhenrettern geborgen werden.

Die Kölner Seilbahn ging zur Bundesgartenschau 1957 in Betrieb. Einer der ersten Fahrgäste war der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die Bahn kann laut KVB bis zu 1600 Fahrgäste pro Stunde befördern.

(mba/dpa)
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