Köln: Rechten-Demo wegen Umweltsau-Lied vor WDR am Samstag

Ärger nach „Umweltsau“-Lied : Rechte demonstrieren am Samstag vor WDR in Köln

Das „Umweltsau“-Lied des WDR schlägt weiterhin hohe Wellen. Rechte Gruppen wollen am Wochenende erneut demonstrieren. Es wird breiter Gegenprotest erwartet.

Rechte Gruppen planen am Samstag einen Aufmarsch vor der WDR-Zentrale in Köln. Um 11 Uhr will eine Rechtsaußen-Versammlung zunächst an einem Stand auf dem Wallraffplatz ihre Kritik an den GEZ-Gebühren kundtun. Dazu werden nach Polizeiangaben rund 20 Teilnehmer erwartet. Am frühen Nachmittag verlagern sich die Kundgebungen dann auf den Appellhofplatz vor das Vierscheibenhaus des WDR. Dort rechnen die Veranstalter mit rund 50 rechtsgerichteten Teilnehmern. Die Kundgebung startet um 14 Uhr.

Nach Angaben des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ gibt es einen Aufruf im Umfeld der rechtsextremen Gruppierung „Bruderschaft Deutschland“, der Identitären Bewegung nahestehenden Gruppen sowie in Kreisen der AfD. Ein Flyer der Veranstaltung kursierte in den sozialen Medien.

Bereits am vergangenen Sonntag hatten Rechte in Köln gegen den WDR demonstriert. Am Nachmittag hatten sich Dutzende Menschen vor der Opernpassage eingefunden. Ein Teilnehmer hatte laut Polizei die Versammlung unter dem Namen „Unsere Oma ist keine Umweltsau“ angemeldet und fünf bis zehn Teilnehmer angekündigt. Nach Angaben der Polizei sei ein Teil der Gruppe höchstwahrscheinlich der rechten Szene zuzuordnen. Einige der Teilnehmer trugen Jacken der „Bruderschaft Deutschland“.

Bei der Demo kamen auch Gegendemonstranten nach Köln. Diese lieferten sich laut Polizei Wortgefechte und verbale Auseinandersetzungen mit den Demonstranten am Appellhofplatz. Zu Tätlichkeiten sei es nicht gekommen, die Beamten konnten die Lager trennen.

Hintergrund der Demo ist das vom WDR-Kinderchor gesungene „Umweltsau“-Lied, das am Samstag veröffentlicht worden war. Mit der satirischen Umdichtung des Kinderlieds „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hatte der WDR für Wirbel gesorgt. In dem Lied geht es um eine fiktive Oma als „Umweltsau“, die SUV fährt, Kreuzfahrten macht und sich täglich billiges Discounterfleisch brät.

Nach zahlreichen Beschwerden und scharfer Kritik löschte der WDR die auf Facebook gestellte Aufnahme, WDR-Intendant Tom Buhrow entschuldigte sich. Daraufhin wurde ihm vorgehalten, er spiele rechten Aktivisten in die Hand, die die Empörungswelle im Internet großenteils künstlich erzeugt hätten. Buhrow verteidigte sein Vorgehen.

Nach der Ankündigung des rechten Protests regt sich erneut Widerstand. Das Bündnis „Köln gegen Rechts“ ruft zu Gegenprotesten auf. Mehrere hundert Menschen wollen gegen den rechten Aufmarsch in der Kölner Innenstadt protestieren. Ab 11.30 Uhr findet eine Gegenkundgebung von „Köln gegen Rechts“ auf der Domplatte statt, zu der rund 200 Menschen erwartet werden. Um 13.30 werden bis zu 300 Gegendemonstranten vor dem WDR erwartet. „Extinction Rebellion“ plant von Freitag bis Sonntag Aktionen, unter anderem mit „Fridays for Future“.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) unterstützt den Aufruf des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ zu einer Kundgebung gegen den Aufmarsch rechter Gruppen. Der DJV trete entschieden für Kunst-, Satire- und Meinungsfreiheit und für einen unabhängigen Rundfunk „als wichtige Säule unserer Gesellschaft“ ein, erklärte der NRW-Landesverband am Freitag in Düsseldorf auf Twitter.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Der DJV-NRW unterstützt den Aufruf von <a href="https://twitter.com/kgegenrechts?ref_src=twsrc%5Etfw">@kgegenrechts</a> zur Kundgebung am Samstag und wünscht sich, dass viele Kolleg*innen dabei sind, um ein Zeichen für Meinungsfreiheit und einen starken, unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu setzen &gt;&gt;&gt; <a href="https://t.co/Q0fIL58DAl">https://t.co/Q0fIL58DAl</a> <a href="https://t.co/lLsbdK6YAL">pic.twitter.com/lLsbdK6YAL</a></p>&mdash; DJV NRW (@DJV_NRW) <a href="https://twitter.com/DJV_NRW/status/1213059931617845249?ref_src=twsrc%5Etfw">January 3, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Rechte Kreise nutzen nach Ansicht des DJV die Kritik an dem „Umweltsau“-Video, um eine Kampagne gegen unabhängige Medien zu fahren. Sie nähmen die Meinungsfreiheit aufs Korn und trommelten gegen die Beitragsfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, erklärte der Verband. Nicht zuletzt bauten sie eine Drohkulisse für Journalisten auf, die über die „rechte Agenda“ berichten. Der DJV stehe solidarisch zu den bedrohten Kollegen, hieß es weiter.

(mba/epd/kna)