Köln: Prozess wegen Vergewaltigung - Überfallopfer "total am Ende"

Prozess in Köln: Überfallopfer noch immer "total am Ende"

Auch sieben Monate nach einem Überfall ist das Leben einer Frau nicht wieder so, wie es vorher war. Im Prozess gegen einen 24-Jährigen, der drei Frauen überfallen und eine Frau vergewaltigt haben soll, haben am Montag zwei weitere Opfer ausgesagt.

Es scheint so, als sei Johan H. (Name geändert) im Mai dieses Jahres Nacht für Nacht durch den Kölner Stadtteil Lindenthal gestreift - auf der Suche nach potenziellen Opfern. Innerhalb von neun Tagen soll der 24-jährige BWL-Student aus Mali vier Frauen überfallen haben. Eine von ihnen soll er hinter dem Philosophikum an der Uni vergewaltigt haben.

Beim Prozess vor dem Landgericht sagten am Montag zwei der Frauen aus, die Johan H. mit einem Fleischermesser bedroht und überfallen haben soll. Eine 46-Jährige war am 9. Mai gegen 5.30 Uhr mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit und stoppte an einer Bank an der Dürener Straße. Als sie im Vorraum am Geldautomaten stand, hörte sie die Tür aufgehen, achtete aber nicht darauf, wer herein kam.

"Auf einmal stand jemand dicht hinter mir und sagte so etwas wie 'Gib!‘", erzählt die Zeugin, der der Termin beim Gericht deutlich zusetzt. Sie wirkt nervös, kann nur mit Mühe ihre Tränen zurückhalten. "Er hatte einen starren Blick, zeigte mir ein langes Messer." Sie sei unter Schock zur Tür gestolpert. "Ich dachte, jetzt ist es vorbei, der sticht dich ab." An die 250 Euro, die sie gerade abgehoben hatte, dachte sie nicht mehr. Der Täter schnappte sich die Scheine und lief davon. Ein Passant eilte der Frau zu Hilfe.

"Ich dachte, nach ein oder zwei Tagen ist alles wieder okay, aber ich kann bis heute nicht richtig schlafen", sagt sie. Sie ist in einer Therapie, weil sie drei Wochen nach dem Überfall "total am Ende" war. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters sagt sie zögerlich, dass sie sich nicht mehr aus der Wohnung traue, wenn es dunkel sei. "Ich möchte, dass er verurteilt wird und dass er das nicht nochmal machen kann."

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Johan H. wirkt zeitweise genervt. Er scheint zwar zuzuhören, vermeidet den Blickkontakt zur Zeugin aber.

Am 14. Mai soll er eine Studentin überfallen haben, die gegen 5 Uhr früh auf dem Heimweg war. Die 20-Jährige hatte in einem Club an der Aachener Straße gefeiert und war angetrunken, als sie am Aachener Weiher entlang nach Lindenthal ging. Wie aus dem Nichts habe ein Mann vor ihr gestanden und gesagt: "Gib mir alles, was du hast!" So erinnert sie sich im Landgericht. Der Täter habe ein Messer auf sie gerichtet. "Ich habe meinen Schlüsselbund in Richtung des Messers geworfen", sagt sie. Dann habe sie dem Mann ihr Portemonnaie und ihr Telefon gegeben und sei los gerannt. "Er lief auch weg, blieb dann aber nochmal stehen, als ich auch kurz stehenblieb." Sie rannte den ganzen Weg nach Hause.

In der nächsten Nacht soll es zu der Vergewaltigung auf dem Uni-Campus gekommen sein. Nach einem weiteren Überfall wurde Johan H. in der Nacht des 18. Mai von der Polizei gefasst und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der Prozess geht am Dienstag mit den Plädoyers in die Endphase. Das Urteil soll in der kommenden Woche verkündet werden.

(hsr)
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