Köln: Prozess wegen sexuellen Missbrauchs - "Sie hat das freiwillig gemacht"

Prozess wegen sexuellen Missbrauchs : "Sie hat das freiwillig gemacht"

Ein 33 Jahre alter Mann muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Kölner Landgericht verantworten. Er hatte Sex mit der 13-jährigen Freundin seiner Nichte.

Sebastian P. hat Sofia (alle Namen geändert) im Frühjahr 2015 im Zimmer seiner Nichte kennengelernt. Dass Sofia genauso alt wie die Nichte sein könnte, nämlich 13 Jahre, kam ihm nicht in den Sinn, sagt er. Der 33-Jährige ist des sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt, seit Mittwoch steht er in Köln vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, acht Mal Geschlechtsverkehr mit Sofia gehabt zu haben, geschützt und ungeschützt, in seiner Wohnung in einer Hochhaussiedlung in Bergheim, aber auch in einem öffentlichen Schwimmbad und einer Sauna.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er sich zu den Vorwürfen äußern will, sprudelt Sebastian P. gleich los. Sofia habe den Kontakt zu ihm gesucht. Sie sei immer wieder vorbeigekommen, während ihre Freundin — die Nichte des Angeklagten — im Urlaub war. Sie sei anfangs mit dem Hund rausgegangen, habe dann sinngemäß zu Sebastian P. gesagt, dass sie mit ihm schlafen wolle. "Ich hab Nein gesagt, sie weg geschickt", sagt er. Über Facebook habe die Schülerin ihm aber weiter geschrieben, ihm Pornovideos geschickt, ihm gesagt, was sie alles mit ihm anstellen wolle. "Das hat mich neugierig gemacht." Sie hätten dann Sex gehabt, "ganz normal", sagt er. Das Geburtsdatum des Mädchens habe er auf ihrer Facebook-Seite nicht gesehen. "Ich habe sie auch nicht gefragt, wie alt sie ist." Körperlich habe Sofia nicht wie ein Kind gewirkt.

Der Angeklagte wirkt derart unbekümmert, dass der Vorsitzende ihn einmal darauf aufmerksam macht: "Sie sind hier in einer für Sie ganz wichtigen Situation." Der Angeklagte gibt zu, dass andere ihn gefragt hätten: "Weißt du eigentlich, wie alt die ist?" Für ihn habe sich diese Frage aber nicht gestellt.

Aus seiner Sicht war Sofia die treibende Kraft. "Im Schwimmbad hat sie sich einmal an mich rangemacht, ich wollte das erst nicht." Die Handschellen, von denen in der Anklage die Rede ist, habe er nicht benutzt — obwohl Sofia das gewollt habe. Wie sich herausstellt, gehörten die Handschellen einer Prostituierten, die immer dann in seiner Wohnung Freier empfing, wenn er arbeiten war. "Sie hat dafür die Hälfte meiner Miete übernommen", sagt Sebastian P.

Der Angeklagte ist sich offenbar keiner Schuld bewusst. "Sie hat das freiwillig gemacht", sagt er über Sofia. Jede Menge Nacktfotos habe sie ihm geschickt und sexualisierte Nachrichten. "Das haben Sie ja alles", sagt er zum Vorsitzenden.

Das Mädchen tritt als Nebenklägerin im Prozess auf, lässt sich von einer Anwältin vertreten. Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Ein Urteil wird für den 3. Mai erwartet.

(hsr)