Köln: Prozess um Bestechung im Sicherheitsgewerbe

Prozess um Bestechung in Köln : Schmiergeld für lukrative Aufträge im Sicherheitsgewerbe

Zwei Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma in Hürth bei Köln sollen durch Bestechung eines städtischen Mitarbeiters an Aufträge gekommen sein. Unter anderem ging es um die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften.

Große Wiedersehensfreude in Saal 210 des Kölner Landgerichts am Montagmorgen: Nachdem der Angeklagte Michael K. von zwei Justizbeamten in den Saal geführt wurde, hellt sich das Gesicht des 52-Jährigen auf und er grüßt strahlend in Richtung Zuschauerbereich, wo seine Unterstützer sitzen – unter anderem seine Mutter. „Mach keinen Scheiß, Mama“, sagt er später in einer Verhandlungspause zu ihr, „mir geht es gut soweit.“

Seinen mitangeklagten Ex-Geschäftspartner André C. begrüßt er mit Küsschen links und Küsschen rechts. Der 41-Jährige und er waren Chefs eines großen Sicherheitsunternehmens in Hürth. Die Firma bewachte unter anderem den Kölner Rosenmontagszug, den Zoo, etliche Kölner Clubs und mehrere Flüchtlingsheime.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung müssen sie sich nun vor Gericht verantworten. Auch angeklagt ist der Geschäftsführer einer weiteren Sicherheitsfirma, der 43 Jahre alte Murat G.

Michael K. und André C. sind zudem wegen Bestechung angeklagt. Sie sollen den ehemaligen Leiter der Abteilung „Soziales und Wohnen“ der Stadt Frechen mit Geld bestochen und dafür lukrative Aufträge für den Objektschutz und die Catering-Versorgung mehrere Flüchtlingsunterkünfte in Frechen erhalten haben. Gegen den städtischen Mitarbeiter läuft ein gesondertes Ermittlungsverfahren.

Alle drei Angeklagten sollen zwischen 2011 und 2018 in mehreren hundert Fällen Sozialversicherungsbeiträge ihrer Mitarbeiter nicht abgeführt und zu wenig Lohn- und Umsatzsteuer gezahlt haben. Laut Anklage beläuft sich der Schaden auf mehrere Millionen Euro.

Der erste Prozesstag startete zäh. Die Verteidiger Tobias Westkamp und Frank Hatlé stellten noch vor Verlesung der Anklage Anträge auf Aussetzung des Verfahrens, weil sie nicht genug Zeit für das Studium der Akten hatten, wie sie sagen. Auf dem Postweg sollen CDs mit Ermittlungsdaten verloren gegangen sein. Nach mehrstündiger Beratung teilte die Vorsitzende Richterin der 16. Großen Strafkammer am Nachmittag mit, dass der Prozess unterbrochen und am 20. März fortgesetzt wird. Die Anklageschrift wird auch dann erst verlesen.

Mit mehr als 30 Verhandlungstagen läuft der Prozess voraussichtlich bis Ende Juli.

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