Köln: Polizei startet Helm-Kampagne für Radfahrer

Kölner Polizist erzählt : „Ohne Fahrradhelm wäre ich tot“

Die Kölner Polizei appelliert mit der Kampagne „Ja zum Helm“ an die Vernunft der Radfahrer. Beamte aus den eigenen Reihen erzählen von ihren Unfällen als Radfahrer, die sie ohne Helm vermutlich nicht überlebt hätten.

Markus Buckan schlug im Herbst 2013 bei einem Unfall mit dem Kopf auf der Dachkante eines Autos auf und verlor beim Sturz auf den Asphalt sein Bewusstsein. Das Auto hatte den Radfahrer in einem Kreisverkehr erfasst. Buckan war damals Leiter der Fahrradstaffel der Kölner Polizei, er brachte es jedes Jahr auf 5000 Fahrradkilometer. Der Unfall riss ihn für viele Monate aus dem Leben. Seine Kopfverletzungen waren so schwer, dass Ärzte ihn für zwei Wochen ins künstliche Koma versetzen.

„Als ich wieder wach war, hatte ich keine Kontrolle mehr über meine Emotionen“, sagt er. „In den ersten Tagen habe ich wegen jeder Kleinigkeit angefangen zu heulen.“ Seine Geistesreife war vergleichbar mit der eines Sechsjährigen. Buckan sagte ungefiltert, was er dachte und fühlte, „Diplomatie war mir völlig fremd“. Das Schlimmste war für ihn aber, dass er seine beiden Kinder nicht mehr erkannte.

Heute geht es Buckan wieder gut, seine Erinnerungen kamen zurück, der 46-Jährige hat sich vollständig von dem Unfall erholt und ist stellvertretender Leiter des Verkehrsdienstes. Und er erzählt seine Geschichte bei der Polizeiaktion „Ja zum Helm“, weil er Radfahrer zum Nachdenken anregen will. Denn ohne Helm hätte er den Unfall vor sechs Jahren nicht überlebt, das hatten die Ärzte ihm und seiner Familie deutlich gemacht.

Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob (zweiter von links) mit Markus Buckan (von links), Thomas Hoffmann und Carsten Haberland. Foto: RPO/Claudia Hauser

Auf dem Chlodwigplatz in der Kölner Südstadt berichten am Montag drei weitere Polizisten von Unfällen, in die sie als Radfahrer verwickelt waren. Sie alle wollen deutlich machen: Es reicht nicht aus, ein guter und erfahrener Radfahrer zu sein, um gesund ans Ziel zu kommen.

Zehn Radfahrer sind im vergangenen Jahr in Köln und Leverkusen bei Unfällen gestorben, 319 wurden so schwer verletzt, dass sie lebenslang unter den Folgen leiden werden. Die meisten haben sich bei den Unfällen schwere Kopfverletzungen zugezogen. Bundesweit verunglückten 445 Radfahrer tödlich – es ist die höchste Zahl seit 2009. 113 Menschen sind durchschnittlich betroffen, wenn ein Mensch bei einem Unfall ums Leben kommt. Dazu gehören Freunde, Verwandte, Kollegen — aber auch die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, die die Toten bergen.

„Jeder kann Opfer werden oder als naher Angehöriger mit den schlimmen Folgen schwerer Verletzungen konfrontiert werden“, sagt Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob, der die Aktion nicht als mahnenden Zeigefinger verstanden wissen will, sondern als Appell an alle Radler, sich mit einem Helm zu schützen. Jacob sagt: „Ein Helm kann keinen Unfall verhindern, aber er hat großen Einfluss auf die Unfallfolgen.“

Jacob hat ramponierte Fahrradhelme dabei, die zwar bei schweren Unfällen kaputt gingen, ihren Trägern aber vermutlich das Leben gerettet haben. Der Polizeibeamte Carsten Haberland hat schon zwei Helme verschlissen. Als privater Mountainbiker ist er bei beiden Unfällen über den Lenker geflogen. Seine Verletzungen machten damals deutlich, wie schwer die Stürze waren - aber sein Kopf war okay. Der 49-Jährige sagt: „Ich kann nur allen Eltern raten, das Helmtragen vorzuleben.“

Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht, aber Polizeipräsident Jacob wünscht sich, dass Fahrradhelme so selbstverständlich werden wie Sicherheitsgurte im Auto oder Ski-Helme. „Früher wurde man beim Skifahren belächelt, wenn man mit Helm fuhr – heute werden die belächelt, die auf der Piste nur ein Stirnband tragen“, sagt er. Dieses Umdenken sei auch beim Radfahren dringend notwendig, sagt Jacob.

Die Kölner Polizei ruft Radfahrer dazu auf, von ihren Unfällen - mit oder ohne Helm - zu berichten. Die Geschichten sollen Teil der Kampagne zur Unfallprävention werden. Alle Einsendungen an: jazumhelm.koeln@polizei.nrw.de