Köln: Polizei spricht vor Erdogan-Besuch mit Anwohnern

Kölner Polizei informiert über Erdogan-Besuch : „Kaffeekränzchen am Samstag wird schwierig“

Der türkische Staatspräsident kommt nach Köln, Polizeibeamte sprechen seit Tagen im Stadtteil Ehrenfeld mit Anwohnern und Geschäftsleuten, die am Samstag mit großen Einschränkungen rechnen müssen. Das Problem ist: Noch gibt es kaum Infos. Die Ditib muss bis Freitag ein Sicherheitskonzept vorlegen.

Köln-Ehrenfeld, drei Tage vor dem Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan: Polizeihauptkommissar Peter Eischeid ist auf der Venloer Straße unterwegs, um mit Anwohnern und Geschäftsleuten zu sprechen – mit neun Kollegen. Für Erdogan gilt als Staatspräsident die höchste Gefährdungsstufe, entsprechend groß werden die Sicherheitsvorkehrungen sein. Die Venloer Straße wird im Bereich der Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib bis zum Hans-Böckler-Platz gesperrt, es wird Parkverbotszonen geben, auch „Zweiräder aller Art werden in diesen Bereichen entfernt“, wie die Polizei auf Infozetteln mitteilt. Auf den Großbaustellen wird nicht gearbeitet, Schulen im Bezirk müssen Veranstaltungen umplanen und „einkaufen und Besuch zum Kaffeekränzchen empfangen wird schwierig am Samstag“, wie Eischeid sagt – darüber will die Polizei die Ehrenfelder rechtzeitig informieren.

Andreas Pitas (r.), Backstubenleiter bei „Zeit für Brot“ nahe der Moschee, im Gespräch mit dem Bezirksbeamten Peter Eischeid. Foto: RP Online/Claudia Hauser

Das Problem ist nur: „Wir haben im Moment selbst nur spärliche Infos“, sagt Eischeid. Klar ist, dass es am Samstag rund um die Moschee an der Venloer Straße Sicherheitsbereiche geben wird, die niemand einfach so betreten darf. Wer in einem abgesperrten Bereich wohnt, muss sich ausweisen, um zurück ins Haus zu kommen. Er wird dann von der Polizei nach Hause begleitet. „Wir werden allen Anwohnern den Zugang ermöglichen, es kann aber Wartezeiten an den Eingängen zu den abgesperrten Bereichen geben“, sagt Eischeid. Für die Polizei bedeutet der Besuch Erdogans Großkampftag. „Ich sag mal so: Wer nicht gerade die Beine amputiert bekommt, ist am Samstag im Einsatz“, sagt der Bezirksbeamte.

Viele Ehrenfelder Geschäfte machen am Samstag gar nicht erst auf, so wie ein Discounter direkt gegenüber der Moschee. „Manche Ladenbesitzer haben Angst, dass ihnen die Scheiben von Erdogan-Gegnern eingeworfen werden“, sagt Eischeid. „Aber die meisten reagieren gelassen.“ Es ist auch nicht so, dass alle etwas gegen den türkischen Staatschef hätten. „Naja, er ist der Präsident, ist doch was Schönes, dass er Köln besucht“, sagt etwa ein türkischer Imbiss-Besitzer.

Die Ditib hat einen Facebook-Aufruf gestartet an "alle deutschen und türkischen Freunde und Freundinnen", zur Eröffnung der Zentralmoschee zu kommen. Dieser Aufruf könnte erhebliche Auswirkungen auf die Anzahl der erwarteten Zuschauer haben, fürchtet die Polizei. Am Mittwochnachmittag haben Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob und Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt im Polizeipräsidium deshalb mit dem türkischen Generalkonsul und Vertretern der Ditib gesprochen. Rüschenschmidt machte im Gespräch deutlich, dass die Polizei den Zugang zur Moschee für maximal 5000 zuvor kontrollierte Menschen ermöglichen wird: "Wir können aus Sicherheitsgründen nicht zulassen, dass eine größere Menschenmenge in den abgesperrten Bereich kommt“, sagte er. Die Polizei befürchtet, dass durch den Facebook-Aufruf sehr viel mehr als 5000 Erdogan-Anhänger anreisen werden. Wie die Behörde mitteilte, wurden am Nachmittag an der Moschee gemeinsam Möglichkeiten diskutiert, wie die Sicherheit des Staatsgastes gewährleistet werden kann - bei einer nicht kalkulierbaren Menge an Zuschauern.

Der Mitarbeiter eines Hostels an der Venloer Straße fragt sich, was er seinen fast 50 Gästen sagen soll, die am Samstag aus Asien und den USA anreisen werden. „Wenn ich ‚Pro Erdogan‘ höre, laufe ich weg“, sagt der 38-Jährige, der aus der Türkei stammt. „Wir sind ausgebucht und wissen noch nicht einmal, ob die U-Bahn fährt.“

Die Polizei vertröstet auf den Donnerstag, wo am Nachmittag in einer Pressekonferenz mehr Details bekannt gegeben werden sollen. „Die Ehrenfelder müssen alle Einschränkungen hinnehmen – es geht nicht anders“, sagt ein Behördensprecher. Ein älterer Herr, der in der Piusstraße wohnt, zuckt im Gespräch mit Eischeid mit den Schultern und sagt: „Es hilft ja nix, ich bleib einfach zu Haus am Samstag.“ Der Pächter der Tankstelle direkt neben der Moschee möchte gar nichts sagen. Die Tankstelle bleibt geschlossen, während Erdogan die Moschee eröffnen wird. Die Gesamtverantwortung für die Veranstaltungen in der Moschee sowie im Umfeld hat die Ditib, die bis Freitag ein Sicherheitskonzept vorlegen muss.

Die Polizei rechnet mit insgesamt etwa 20.000 Menschen, die sich in verschiedenen Demos organisieren werden – für und gegen Erdogan. Die Polizei hat unter 0221/229-7777 ein Bürgertelefon geschaltet, an das sich Anwohner wenden können. Konkrete Infos wird es aber erst am Donnerstagnachmittag geben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist die Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld

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