Köln: Oberbürgermeisterin Henriette Reker erhält Morddrohung

Kölns Oberbürgermeisterin : Morddrohung gegen Henriette Reker eingegangen

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat eine Morddrohung erhalten. Die Polizei in Köln bestätigte am Mittwochabend entsprechende Informationen.

Die Drohung sei nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Ob es einen Zusammenhang mit dem Verbrechen gebe, könne er nicht sagen. Zuständig sei zentral das Landeskriminalamt Berlin, da neben Reker auch andere Politiker Drohungen erhalten hätten.

Nach Informationen von „Bild“ und WDR gibt es innerhalb Deutschlands mehrere Drohungen gegen Politiker, sie sollen sich unter anderem gegen den Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein, richten. Vom Landeskriminalamt war am Abend keine Stellungnahme zu erhalten.

Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“, dem der Drohbrief vorliegt, fordert der Erpresser bis Ende August 100 Millionen Euro in Bitcoins. Weiter schreibt der Erpresser, dass er Reker und andere Politiker „hinrichten“ lassen will. Mit dem Mord an Lübcke sei die „Phase der bevorstehenden Säuberungen“ eingeleitet. „Es werden ihm noch viele weitere folgen. Unter anderem Sie beide.“

Sowohl Reker als auch Hollstein waren in den vergangenen Jahren zum Ziel von Attentätern geworden. Reker entging 2015 vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin nur knapp dem Tod, als ihr ein Rechtsradikaler mit einem Messer in den Hals stach. Auch Hollstein wurde im November 2017 von einem Mann mit einem Messer attackiert, er erlitt eine Verletzung am Hals.

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Unter dringendem Tatverdacht sitzt ein 45-Jähriger in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Der Kölner Dom- und Stadtdechant Robert Kleine forderte an Fronleichnam angesichts der Drohung gegen Reker: „Es muss einen Aufstand der Anständigen geben, um ein Zeichen zu setzen gegen den Hass“, sagte er in einem Interview des Kölner Radiosenders „Domradio“. Dass Bürgermeister um ihr Leben fürchten müssten und bedroht würden, „das erinnert an Zeiten, die ich längst überwunden glaubte“, sagte Kleine weiter.

(mja/dpa/hsr)
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