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Köln: Mitarbeiter von Wohlfahrtsorganisation stehen vor Gericht

Prozess in Köln : Mitarbeiter fotografierte Erotik-Kalender von Chefin ab

Drei Mitarbeiter einer Kölner Wohlfahrtsorganisation sollen erotische Bilder ihrer Chefin weiterverbreitet haben, die die Frau in Form eines Kalenders ihrem Freund geschenkt hatte. Nun mussten sie sich vor Gericht verantworten.

Sie waren gute Arbeitskollegen, heute reden sie kein Wort mehr miteinander. Die Stimmung unter den Angeklagten in Saal 217 des Kölner Amtsgerichts ist eisig. Angeklagt sind die 23, 25 und 28 Jahre alten Männer, weil sie im Sommer 2018 Nacktfotos ihrer ehemaligen Chefin in Umlauf gebracht haben sollen. Sie arbeiteten damals als Rettungshelfer und Sanitäter bei einer Kölner Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation.

Ihre Teamleiterin war mit einem ihrer Kollegen fest liiert, jedenfalls hatte sie ihm einen Kalender mit erotischen Fotos von sich geschenkt – den der Mann in seinem Spind verschlossen hatte. Bei einem „kollegialen Zusammentreffen“, wie einer der Angeklagten sagt, habe man an einem Sommerabend am Kiosk fünf bis sechs Flaschen Bier getrunken und das Gespräch sei „auf den Kalender gekommen“, von dessen Existenz offenbar alle irgendwie gehört hatten. „Wir könnten ja mal nachgucken“, soll einer von ihnen gesagt haben.

Mit einem Dietrich brach einer das Spind-Schloss auf, die Männer schauten sich die Fotos an und Tim K. (Name geändert) soll jedes der zwölf Kalenderblätter mit seinem Handy abfotografiert haben. An mindestens zwei weitere Kollegen soll er die Bilder dann weitergeleitet haben. Beides bestreitet der 28-Jährige, der wie ein weiterer Kollege nach der Aktion seinen Job verloren hat und heute bei einem Abschleppdienst arbeitet. „Ich hatte damals Nachtschicht“, sagt er. Er sei nur zufällig zu den anderen gestoßen. „Es gab die ganze Zeit schon das Gerücht, dass der Kalender in dem Spind sein soll.“ Doch ein Zeuge, ebenfalls ein Rettungssanitäter, belastet ihn schwer. „Tim hat mir die Fotos geschickt, zwölf Bilder“, sagt er. Und er hat sogar noch den Chat, für den sich der Staatsanwalt und die Amtsrichterin sehr interessieren. Schließlich legt K. ein Geständnis ab.

Ihre ehemalige Chefin nimmt kurz vor Ende des Prozesses weinend, zitternd und mit geröteten Wangen im Saal Platz – aussagen muss sie nicht mehr, für die Amtsrichterin ist der Fall klar. Aber die Angeklagten wollen ihr gerne noch etwas sagen. Nacheinander stehen sie auf, schauen die blonde, zierliche Frau an und entschuldigen sich. „Es tut mir aufrichtig leid“, sagt auch Tim K. Doch seine Ex-Chefin will davon nichts hören. „Das nehme ich Ihnen nicht ab“, sagt sie. Bis zuletzt habe er ihr versichert, mit der Sache nichts zu tun zu haben.

Die Richterin verurteilt Tim K., der keine Vorstrafen hat, wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs zu einer Geldstrafe von 2400 Euro. „Ihr Geständnis kam sehr spät“, sagt sie. „Sie haben sich den Kalender nicht nur angeguckt, sondern zwölf Bilder gemacht und weiterverschickt. Sie waren es, der es auf die Spitze getrieben hat.“ Sie traue ihm genug Intelligenz zu, zu wissen, dass es für eine Frau „höchst unangenehm“ sei, wenn ihre Nacktbilder in der Firma kursierten. „Das muss Ihnen klar gewesen sein.“ Für die Frau war es nicht nur peinlich, die Sache hatte auch für sie schwere Folgen: Nach dem Wirbel um die Nacktbilder legte ihr Vorgesetzter ihr nahe, sich einen anderen Job zu suchen.

Die beiden anderen Angeklagten hatten sich reumütig gezeigt, gegen Zahlung von je 750 Euro wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.