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Köln: Mitarbeiter im Erzbistum gehen auf Konfrontationskurs​

„Nicht vorstellbaren Tiefpunkt erreicht“ : Mitarbeiter im Erzbistum Köln gehen auf Konfrontationskurs mit Woelki

Mehrere Dutzend Mitarbeitende des Erzbistums Köln unterstützen einen Protestaufruf gegen die Bistumsleitung um Kardinal Rainer Maria Woelki. Sie fordern nach den jüngsten Vorwürfen einen Neuanfang mit personellen und systemischen Veränderungen.

Mit-Initiatorin und Gemeindereferentin Marianne Arndt zählte am späten Montagnachmittag 62 Unterzeichnende, wie sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Darunter seien Priester, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, Religionslehrkräfte sowie Vertreter katholischer Verbände. „Ich rechne mit weiter steigenden Zahlen“, so Arndt.

In der Stellungnahme fordern sie einen Neuanfang im Erzbistum Köln mit „personellen und systemischen Veränderungen“. Die neuesten Enthüllungen über eine PR-Strategie der Bistumsleitung in Sachen Missbrauchsaufarbeitung seien empörend. Kardinal Rainer Maria Woelki habe sein letztes Vertrauen verbraucht. „Die Krise hat nun einen nicht vorstellbaren Tiefpunkt erreicht“, so die zunächst 21 Unterzeichnenden. Die Zahl der Unterstützer hat sich innerhalb eines Tages beinahe verdreifacht.

Im Erzbistum arbeiten eigenen Angaben zufolge rund 60.000 Menschen hauptamtlich für die katholische Kirche. Etwa 800 davon sind in der Bistumsverwaltung tätig.

Die neuerliche Kritik entzündet sich vor allem an Details aus einer PR-Strategie, über die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet hatte. Demnach rieten PR-Fachleute Woelki und anderen Bistumsvertretern dazu, in einer Sitzung mit dem Betroffenenbeirat „Emotionen“ zu zeigen und „Joker“ in der Hinterhand zu haben, etwa das Angebot, sich für zügigere Anerkennungszahlungen einzusetzen. So sollte ein bestimmtes Abstimmungsverhalten des Gremiums erzielt werden. Für die PR-Beratung gab das Erzbistum mehrere Hunderttausend Euro aus.

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Viele Betroffene, Laien, Seelsorgerinnen und Seelsorger sehen in dem Vorgehen eine Instrumentalisierung von Missbrauchsopfern. Der Kölner Generalvikar Guido Assmann widersprach dem Vorwurf. Die Perspektive der Betroffenen sei „immer und ausschließlich“ handlungsleitend für die Bistumsspitze gewesen.

Am Montagmorgen sperrte die Reformbewegung Maria 2.0 den Verwaltungssitz der Diözese symbolisch ab. Die Gruppe versah das Hauptportal des Generalvikariats mit rot-weißem Absperrband und einem Banner mit der Aufschrift „Generalvikariat Köln - Geschlossen - Moralischer Bankrott“. „Das System ist so nicht mehr haltbar“, sagte Arndt, die auch Mitglied bei Maria 2.0 ist: „Und die Verwaltung schweigt oder bezieht sehr schwach Position.“

Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister warf die Frage auf, warum das Erzbistum die PR-Strategie nicht veröffentliche, wenn doch die Perspektive der Betroffenen handlungsleitend sei. Eine zweite Auszeit für Woelki schlug indes der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, als Vertreter der Laien vor.

Zuletzt hatten auch hohe Kirchenvertreter in den Regionen - die Stadtdechanten in Köln, Bonn, Düsseldorf, Wuppertal und Remscheid - ihren Unmut zu den Vorgängen geäußert. Der Remscheider Stadtdechant Thomas Kaster verlangte ein klares Wort des Papstes zu Kardinal Rainer Maria Woelki. Die derzeitige Situation sei „quälend“.

Vor allem wegen der Missbrauchsaufarbeitung ist im Erzbistum Köln eine Vertrauenskrise entstanden, in die sich vergangenes Jahr auch der Papst einschaltete. Er schickte Woelki in eine fünfmonatige Auszeit und forderte ihn auf, ein Rücktrittsgesuch vorzulegen. Franziskus' Entscheidung über den Rücktritt steht seit mehreren Monaten aus.

(bsch/kna)