Köln: Masern breiten sich 2018 aus

Gesundheitsamt rät zu Impfungen : Immer mehr Kölner erkranken an Masern

In Köln gibt es immer mehr Masernfälle, 67 sind bereits bekannt. Die Krankheit ist hoch ansteckend. Die Stadt rät, im Impfpass zu kontrollieren, ob man geschützt ist.

„Man kann von einer besorgniserregenden Situation sprechen“, sagt Professor Gerhard Wiesmüller, der die Abteilung Infektions- und Umwelthygiene im Kölner Gesundheitsamt leitet. Einen Grund für den plötzlichen Ausbruch der Krankheit kann er nicht nennen. „Es gibt keine Gruppe, die besonders betroffen ist.“ Unter den Erkrankten sind zwei Säuglinge und mehrere ältere Kinder. Wiesmüller warnt, Masern nicht zu unterschätzen. „Im schlimmsten Fall kann es zu einer Entzündung des Gehirns kommen“, sagt der Mediziner.

Zwei Impfungen sind notwendig

Das Landeszentrum Gesundheit nennt aktuell für Nordrhein-Westfalen 126 Masernfälle. Köln führt die Liste an, in Duisburg sind 34 Fälle bekannt, in Düsseldorf ein Fall, in Hagen gibt es vier Erkrankte, im Rhein-Erft-Kreis sind es sechs. „Es gibt zur Zeit deutschlandweit ein gehäuftes Auftreten von Masern, aber auch in einigen anderen europäischen Ländern“, sagt Wiesmüller. Besonders viele Fälle gebe es in Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Frankreich und Tschechien.

„Wir versuchen die Menschen im Moment zu sensibilisieren, sich zu kümmern und in ihrem Impfpass zu kontrollieren, ob sie gegen Masern geimpft sind“, sagt Wiesmüller. Der richtige Schutz besteht aus zwei Impfungen. Wer seinen Impfpass nicht findet, kann mittels einer Blutuntersuchung herausfinden, ob es einen Impfschutz gibt.

„Wir stellen fest, dass die Bevölkerung relativ lax mit Impfungen umgeht“, sagt Wiesmüller. „Das heißt aber nicht, dass die Betroffenen Impfgegner sind.“ Einige seien geimpft, hätten aber etwa die zweite Impfung nicht gemacht. Üblich ist es, dass Kinder zwischen elf und 14 Monaten gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden. „Für Köln können wir sagen, dass 90 Prozent der Kinder korrekt geimpft sind.“ Eine Quote von 95 Prozent sei aber nötig, damit die Krankheit gar nicht erst ausbrechen könne.

Die meisten Erkrankten leben in Köln-Ehrenfeld

„Die Ansteckungsgefahr ist hoch, ein Masernkranker im Raum reicht, um andere per Tröpfcheninfektion anzustecken.“ Erste Symptome sind Schnupfen, Husten und Fieber. Nach einigen Tagen breitet sich dann der typische Ausschlag auf dem ganzen Körper aus. Die meisten Kölner Masernpatienten leben in den Stadtteilen Ehrenfeld und Neuehrenfeld. Die meisten Erkrankten sind zwischen 20 und 25 Jahre alt und wurden in einer Zeit geboren, als viele Eltern ihre Kinder nicht impfen ließen.

Das Gesundheitsamt rät Erwachsenen, die nicht geimpft sind, jetzt zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen zu machen.

Im vergangenen Jahr gab es in Köln 16 Fälle, 2016 keinen einzigen Fall. Nach Angaben einer Stadtsprecherin gab es die letzte große Masernwelle im Jahr 2001, damals waren 491 Kölner an Masern erkrankt.