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"Pegida"-Demonstration: Köln macht heute Abend das Licht aus

"Pegida"-Demonstration : Köln macht heute Abend das Licht aus

Wenn sich die "Pegida"-Anhänger am heutigen Montagabend in Köln versammeln, dann wird der Dom dunkel bleiben. Doch nicht nur am Wahrzeichen der Stadt, auch an anderen Gebäuden soll für ein paar Stunden das Licht abgeschaltet werden.

Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) ruft die Menschen zur Teilnahme an der Gegen-Demo.

Es soll ein Zeichen des Protests gegen Fremdenfeindlichkeit sein, wenn am Montagabend am Kölner Dom die Außenbeleuchtung abgeschaltet wird. Dafür hat Kölns Dompropst Norbert Feldhoff viele beleidigende Mails bekommen. Doch Feldhoff steht zu seiner Entscheidung und sagt im Interview mit dem WDR: "Unsere Aktion will keinen verurteilen, aber will zum Nachdenken anregen." Er erwartet, dass auch andere Bürger ihre Lichter an diesem Abend ausschalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Wahrzeichen einer Stadt den "Pegida"-Anhängern das Licht ausknipst. Auch die Semperoper in Dresden wollte der Anti-Islam-Bewegung keine Kulisse bieten und lag bei den Demonstrationen in der sächsischen Landeshauptstadt regelmäßig im Dunkeln. In Köln aber werden nun gleich mehrere Gebäude diesem Beispiel folgen.

So schaltet die Antoniterkirche, die sich in der Einkaufsstraße Schildergasse befindet, am Montagabend zwischen 18.30 Uhr und 21 Uhr ihre Außenbeleuchtung als Zeichen gegen die unter dem Namen "Kögida" laufende "Pegida"-Demonstration ab. "So setzt die Antoniterkirche mitten in der Stadt ein klares Zeichen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung", heißt es auf der Webseite der Kirche. Das Gotteshaus soll zudem in den Abendstunden geöffnet sein, für die Bürger bestehe die Möglichkeit "ein Licht für den Frieden" zu entzünden.

Ebenfalls dabei ist das Schokoladenmuseum direkt am Rhein, "wenn am Montag in Köln Stimmung gegen Mitbürger gemacht wird", wie es auf der Facebook-Seite des Museums heißt. Und dafür gibt es von den Usern viel Lob. "Ausgezeichnet", "saugut", "Respekt und Anerkennung" lauten nur einige der Kommentare unter dem Eintrag.

Angeschlossen hat sich der Aktion zudem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln. Von 18.30 Uhr bis 20 Uhr wolle man das Treppenhaus des Haupthauses verdunkeln. "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Ausgrenzung und Fremdenhass", teilte IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt mit. Schließlich beschäftigten die Unternehmen der IHK Mitarbeiter aus allen Länder, in der Region gebe es viele ausländische Unternehmen und man wolle die Ansiedelung von internationalen Unternehmen hier fördern. "Da passt eine Stimmungsmache der Ausgrenzung und Feindlichkeit nicht hierher", so Reichardt.

Am Nachmittag schließlich verkündeten auch die Handwerkskammer zu Köln und das Maritim-Hotel in einer gemeinsamen Presseerklärung, dass sie während der Demonstration ihre Außenbeleuchtung an ihren Gebäuden abschalten wollen. Auch der Schriftzug "Handwerkskammer zu Köln" am Hochhaus an der Rheinuferstraße solle nicht beleuchtet werden.

"Handwerk steht für Toleranz, Weltoffenheit und die Integration von Zuwanderern", teilte Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Köln, mit. Man wolle zudem prüfen, ob kurzfristig ein Ausbildungsprojekt mit Flüchtlingen gestartet werden könne.

Doch nicht nur in Köln soll es dunkel bleiben, wenn die "Pegida"-Anhänger auf die Straße gehen. Die Aktion "Licht aus für Rassisten" wirbt (und warb bereits vor der Köln-Demonstration) auf ihrer Facebook-Seite dafür, bei allen Demonstrationen der Bewegung das Licht auszuschalten. Wer nicht zur Gegendemonstration kommen könne, so heißt es dort, solle einfach so ein Zeichen gegen die Bewegung setzen. Fast 6000 Internet-User haben die Seite bereits geliked, es gibt Aktionsbilder, und es werden entsprechende Veranstaltungen angekündigt — für den heutigen Montag etwa für Oberberg, Dresden und eben Köln.

Neben der "Licht aus"-Aktion wird es in Köln zudem Gegendemonstrationen geben. Die größte soll um 17.30 Uhr unterhalb des LVR-Turms gegenüber des Deutzer Bahnhofes starten. "Köln stellt sich quer" heißt die Initiative, der sich 43 Verbände, Organisationen, Parteien und Vereine angeschlossen haben. Zu den Gegenveranstaltungen werden über 1000 Teilnehmer erwartet.

Vor der geplanten Demo hat auch Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) zur Teilnahme an Gegenkundgebungen aufgerufen. "Die Kölner sollten ein "deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung" setzen, sagte Roters nach Mitteilung der Domstadt. Auch die Kölner CDU kündigte an, gegen die Pegida-Demo mit auf die Straße zu gehen und betonte: "Fremdenfeindliche Proteste dulden wir nicht in unserer Stadt." Roters und der Kölner CDU-Chef Bernd Petelkau wollten an der Kundgebung der Initiative "Wir stellen uns quer" ab 17.30 Uhr in der Nähe des Bahnhofs Köln-Deutz teilnehmen.

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen und Antworten zu "Pegida"

(das)