Köln: Letzte Chance für Autohaus Dirkes

Verlieren Kunden ihre Anzahlungen? : Letzte Chance für Kölner Autohaus Dirkes

150 Kunden des insolventen Kölner Autohauses Dirkes könnten ihr Geld verlieren, das sie anbezahlt haben - ein Insolvenzverwalter sucht aber weiter nach Investoren. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Mindestens 150 Verbraucher verlieren wohl viel Geld im Zuge der Pleite des Kölner Autohauses Dirkes. Sie haben Anzahlungen geleistet oder ihren alten Wagen in Zahlung gegeben. Mit dem Insolvenzantrag würden aus Anzahlungen Insolvenzforderungen, sagte der Insolvenzverwalter Jens Schmidt am Mittwoch. Sie werden erst nach Jahren und auch nur anteilig befriedigt. „Das sind Schicksalsschläge für die Betroffenen“, sagte Schmidt.

Sind Anzahlungen üblich im Autohandel?

Für den Sprecher des Insolvenzverwalters sind Anzahlungen branchenüblich. Die Verbraucherzentrale NRW könne nicht abschätzen, wie häufig das vorkomme, sagte Michelle Jahn, Rechtsanwältin der Verbraucherschützer. Sie kämen auch beim Möbelkauf vor. „Wir raten davon ab, auf Angebote einzugehen, die eine Anzahlung vorsehen“, sagte Jahn. Auch ohne Anzahlungen seien Autoverkäufer nicht schutzlos, wenn ein Käufer es sich anders überlegt. „Der Kunde ist nach dem Kaufvertrag verpflichtet den Kaufpreis zu zahlen, die Übereignung des Fahrzeugs kann bis zur Zahlung des Kaufpreises hinausgezögert werden“, sagte Jahn. Verbraucher sollten sich nicht auf Anzahlungsvereinbarungen einlassen oder diese nur gegen eine Bankbürgschaft leisten.

Sind Anzahlungen im Falle einer Insolvenz verloren?

Wenn der Insolvenzverwalter die Erfüllung des Vertrages ablehnt, müssten Verbraucher die Anzahlung zur Insolvenztabelle anmelden, sagt Jahn: „Dann sieht man am Ende des Insolvenzverfahrens – wenn überhaupt – leider nur eine geringe Quote wieder.“ Schmidt betonte, er habe ein Auszahlungsverbot und könne Anzahlungen gar nicht zurückzahlen. Er würde sich sogar strafbar machen. Er müsse alle Gläubiger gleich behandeln. Schmidt spricht von „Schicksalsschlägen“ für Verbraucher, die bei ihnen anders einschlagen würden als bei Profigläubigern, die wie etwa Banken wüssten, dass es Ausfälle durch Insolvenzen geben könne.

Wie groß ist der Schaden durch die Insolvenz?

Das kann Schmidt nach eigenen Angaben noch nicht genau abschätzen. Im Autohandel gebe es ein Geflecht von Autoherstellern, Banken, die die Autos in der Regel für die Händler finanzieren, Händlern, Zwischenhändlern und Kunden. Da müsse genau geschaut werden, wo welcher Schaden entsteht. Hat ein Kunde etwa ein Auto gutgläubig erworben, bezahlt und das Fahrzeug erhalten, nicht aber den Brief, der bei der finanzierenden Bank liegt, entstehe der Schaden womöglich bei der Bank. Hier gelte es im Einzelfall zu prüfen. Schmidt geht vorläufig von einem Schaden im niedrigen einstelligen Millionenbereich aus.

Wie kam es zur Schieflage bei Dirkes?

Noch 2017 habe die Gruppe, die die Familie Dirkes 1998 verkauft hatte, einen Umsatz von 135 Millionen erzielt, 2018 nur von 105 Millionen, so Schmidt. Vor allem Neuwagenverkäufe seien eingebrochen. Zur schwierigen Branchenlage kamen strategische Fehlern. Es gab eine Ballung von Niederlassungen, darunter drei in Köln. Dirkes habe auch bundesweit mit Gebrauchtwagen und Ersatzteilen gehandelt, sei gewachsen, habe dafür aber nicht die richtigen Strukturen gehabt. „Die Gruppe ist schon länger ein Krisenfall“, so Schmidt. Obwohl der Haupteigner und Geschäftsführer Frank Perez erhebliche Eigenmittel aufgewendet habe.

Warum scheiterte ein Rettungsversuch?

Die Dirkes-Gruppe habe umsteuern wollen und mit externen Spezialisten ein Sanierungskonzept erstellt. Dazu hätte sie von Herstellern - die Gruppe verkauft die Marken Fiat, Chrysler, Nissan, Citroën, Suzuki und Mitsubishi - und Banken Liquiditätshilfe gebraucht. Weil sich einer aus dem Kreis verweigert habe, habe das Konzept nicht umgesetzt werden können. Das sei Ende Mai klar geworden. Am 7. Juni sei Insolvenz beantragt worden. Juristisch bewerten will Schmidt das nicht. Er hat ein Gutachten erstellt, das auch an die Staatsanwaltschaft geht. Die ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Insolvenzverschleppung. Möglicherweise haben Kunden einen Schadenersatzanspruch gegen den Geschäftsführer. Sie müssten aber nachweisen, dass sie bewusst geschädigt worden sind. Wie viele Kunden zwischen Ende Mai und Anfang Juni ein Auto gekauft haben, konnte Schmidt nicht sagen.

Was plant der Insolvenzverwalter?

Schmidt sucht Investoren. Einer sei bislang an der ganzen Gruppe interessiert, sagt er. Von einem Komplettverkauf verspricht er sich den höchsten Erlös, der dann den Gläubigern zugute kommt. Scheitert das, soll der Verkauf von einzelnen Standorten geprüft werden. Schmidt wünscht sich, dass er in Ruhe arbeiten kann. Das heißt: weiter Autos verkaufen und Serviceleistungen erbringen. Wenn er arbeiten könne, sei der Schaden geringer. Viel Vertrauen sei schon verloren gegangen. 40 Verkäufer hätten das Unternehmen verlassen. Der Neuwagenverkauf sei „existenzvernichtend gering“.

Der Text ist zuerst im Bonner General-Anzeiger erschienen.

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