Köln: KVB-Chefs äußern sich zum Bahnunfall am Eifelwall

Stadtbahn-Unfall in Köln: KVB-Fahrer soll bisher nicht negativ aufgefallen sein

Am Tag nach dem Zusammenstoß zweier Bahnen in Köln steht fest, dass einer der Fahrer betrunken war. Seit 27 Jahren arbeitet der Mann für die KVB - bislang ohne Zwischenfälle, sagt der Chef der Kölner Verkehrsbetriebe.

"Es ist etwas passiert, was eigentlich nicht passieren darf", sagt Jürgen Fenske, Vorstand der Kölner Vekehrsbetriebe (KVB), am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Köln. Was nicht passieren darf, ist, dass ein Stadtbahnfahrer betrunken eine tonnenschwere Bahn steuert, in die mehr als 300 Menschen passen.

Den Verdacht, dass ein 55 Jahre alter KVB-Fahrer am Donnerstagabend unter Alkoholeinfluss stand, als er einen schweren Unfall verursachte, bestätigte die Polizei schon am Freitagmittag. Die Ergebnisse eines Bluttests stehen noch aus. Die Rede ist von "starker Alkoholisierung".

Jürgen Fenske, Der Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), spricht bei einer Pressekonferenz über den Straßenbahnunfall vom Vorabend. Foto: dpa, hka fdt

Es war allenfalls noch eine Viertelstunde, die der 55-jährige am Donnerstagabend im Dienst gewesen wäre, dann hätte er Feierabend gehabt. Doch um kurz nach 20 Uhr krachte er auf der Linie 18 mit seiner Bahn an der Haltestelle Eifelwall in eine Bahn, die dort hielt. Seine Bahn entgleiste, etwa 40 Menschen wurden durch die Wucht des Aufpralls verletzt.

"Wir können uns nicht erinnern, dass wir so etwas je hatten", sagt Fenske. Die Nachricht sei "schockierend" gewesen. Seinen Angaben zufolge ist der Fahrer seit 27 Jahren bei den KVB und hat seinen Dienst "regelmäßig und ohne Auffälligkeiten" versehen. "Wir stehen vor einem Rätsel." Die Hintergründe sollen nun aufgeklärt werden.

Es gebe für alle Fahrer natürlich eine "Null-Promille-Regelung". Der Fahrer hatte am Donnerstag einen so genannten "Mitteldienst", der von etwa 13 bis etwa 20 Uhr dauern sollte. Drei Stunden vor dem Unfall habe er am Neumarkt Pause gemacht, die Bahnen würden immer "auf der Strecke übernommen", doch bei der Begegnung mit seinem Kollegen soll es keine Auffälligkeiten gegeben haben.

Wo und wann der 55-Jährige getrunken hat, ist unklar. "In der Bahn haben wir jedenfalls keinen Alkohol gefunden", sagt Thomas Miebach, Bereichsleiter Stadtbahn. Der Fahrer sei nach dem Unfall nach Hause gebracht worden und sei nun krank geschrieben. "Er ist am Freitag ins Krankenhaus gekommen." Man habe daher noch nicht mit ihm sprechen können.

Keine regelmäßigen Alkoholkontrollen

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Die Bus- und Bahnfahrer müssten sich alle zweieinhalb Jahre vom Betriebsarzt untersuchen lassen. Das sei noch häufiger, als es im Gesetz steht. Dort ist eine Untersuchung alle drei Jahre vorgeschrieben. "Gibt es dann einen Verdacht, dass ein Fahrer ein Alkohol- oder Drogenproblem hat, entziehen wir ihm sofort die Fahrerlaubnis." In den vergangenen Jahren sei aber nur einmal ein Busfahrer diesbezüglich auffällig gewesen.

Die Fahrer werden nicht regelmäßig auf Alkohol getestet, wie Miebach sagt: "Das Thema hat sich bisher noch nicht gestellt." Fenske ergänzt: "Wir haben nun einen Anlass, darüber nachzudenken." Zuerst müsse der Unfall aber aufgeklärt werden. Ermittler der Polizei müssen unter anderem klären, mit welcher Geschwindigkeit die Bahn aufgefahren ist. Eine "Zwangsbremsung" wird nur automatisch eingeleitet, wenn der Fahrer den so genannten Sicherheitsfahrtenschalter nicht gedrückt hält - etwa weil er bewusstlos ist.

Ansprechpartner für Fahrer auf der Strecke

In den sozialen Netzwerken hatten Fahrgäste offenbar davon berichtet, dass die Türen in einer Bahn am Donnerstag nach dem Unfall nicht gleich aufgegangen seien, einige deshalb in Panik geraten seien. "Wir haben keine Kenntnisse davon, dass die Not-Entriegelung nicht funktioniert hat", sagt Miebach. Wie viele Menschen in den beiden Bahnen waren, konnte er nur schätzen: "Um diese Zeit war sie vermutlich gut besetzt, wahrscheinlich um die 200 Fahrgäste pro Bahn."

Fenske betonte, dass die Herausforderungen für Bahnfahrer groß seien. "Man muss sehen: Die sitzen immer allein auf ihrem Bock, sind oft tagelang nicht in der Zentrale, weil sie ihren Dienst direkt an den Haltestellen beginnen." Deshalb gebe es im Unternehmen seit Jahren "Stadtbahnbetreuer", die regelmäßig mit den Fahrern über ihren Alltag und aufkommende Probleme sprechen würden. Außerdem gebe es spezielle Kontrolleure, die anonym in Bussen und Bahnen mitfahren, um das Verhalten der Fahrer zu beobachten.

Die Polizei ermittelt nun gegen den Fahrer wegen wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Die tatsächliche Zahl der Verletzten schwankte am Freitag. Der KVB-Chef sprach von 43, die Polizei von "vielen Leichtverletzten". Ein Mann, der schwer verletzt worden war, konnte das Krankenhaus wieder verlassen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Viele Verletzte nach Unfall mit KVB-Bahnen

(hsr)