Köln: Kastrationspflicht für Katzen

Neue Verordnung: Freilaufende Katzen müssen in Köln kastriert werden

Katzenbesitzer müssen ihre Tiere in Köln ab April kastrieren lassen, wenn die Katzen nach draußen dürfen. Die Population soll damit langfristig reduziert werden. Theoretisch drohen Bußgelder bis zu 1000 Euro.

Sheila ist eine Glückskatze: ihr Fell ist dreifarbig, weiß-schwarz-rot. Sie hat aber aber auch ein schönes Zuhause in Köln-Nippes, darf raus und streift jeden Tag durch die Hinterhöfe. Kastriert ist die neunjährige Hauskatze schon lange. "Es gibt schließlich schon genug Katzen", sagt ihre Besitzerin Ursula M.

Es gibt in Köln aber auch Katzen, die niemandem gehören und Besitzer, die nicht so verantwortungsvoll sind wie die 48-jährige Ursula M.. Rund 20.000 Katzen tigern nach einer Schätzung der Stadt wild durch Köln. Sie werden angefahren, verhungern, erkranken, weil sie nicht geimpft sind — aber sie vermehren sich auch. Als erste Millionenstadt hat Köln nun eine Verordnung zum Schutz von Katzen erlassen: Ab dem 4. April besteht eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für sogenannte Freigängerkatzen, also Tiere, die raus dürfen und nicht nur in der Wohnung leben. Die Halter sind nun verpflichtet, ihre Katze ab dem Alter von fünf Monaten von einem Tierarzt kastrieren zu lassen. Außerdem müssen die Tiere mit einem Mikrochip oder einer Ohrtätowierung gekennzeichnet und bei einem Haustierregister wie "Tasso" eingetragen werden. Verordnungen wie jetzt in Köln gibt es unter anderem auch in Düsseldorf und Essen.

"Es ist ein Elend"

Plakat zur neuen Verordnung in Köln. Foto: Hauser

"Wir wollen vor allem die große Population der wild lebenden Katzen dadurch verringern", sagt Konrad Peschen, Leiter des städtischen Umweltamtes. "Es ist ein Elend, in welchem Zustand viele Tiere sind, die draußen gefunden werden." Katzen seien schon ab einem Alter von vier bis sechs Monaten geschlechtsreif. "Sie können bis zu dreimal im Jahr vier bis sechs Junge bekommen."

Tierschützer wie Gabriela Biesek vom Verein "Straßenkatzen Köln" versuchen, sich um die wilden Katzen zu kümmern, die entlaufen sind, ausgesetzt oder im Freien geboren wurden. Sie haben Futterstellen eingerichtet, fangen viele Katzen ein und lassen sie auch impfen und kastrieren — bisher allerdings ohne jede Rechtsgrundlage. "Wir verwalten das Elend", sagt Biesek. Allein ihr Verein findet jedes Jahr etwa 100 neugeborene Katzen. "Sie finden kein Futter, werden überfahren — eine Stadt wie Köln ist nicht für Straßenkatzen ausgelegt." Die neue Verordnung erlaubt den Tierschützern, Katzen, die nicht gekennzeichnet sind, in Obhut zu nehmen und kastrieren zu lassen, ohne erst aufwändig nach einem möglichen Besitzer zu suchen. "Bisher waren nur etwa drei von zehn Katzen, die wir finden, gechipt oder tätowiert", sagt Biesek.

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Mikrochips kosten rund 40 Euro

Katzen dürfen in Köln nur noch an die Sonne, wenn sie kastriert sind. Foto: Hauser

Die Kosten für eine Kastration betragen nach Angaben von Amtsleiter Peschen für Kater etwa 90 Euro, für Katzen rund 150 Euro. Ein Mikrochip, der dem Tier beim Tierarzt eingesetzt wird, kostet ab 40 Euro.

Doch was passiert, wenn jemand sich weigert, seine Katze kastrieren zu lassen? "Theoretisch ist ein Bußgeld bis zu 1000 Euro möglich", sagt Peschen. "Aber wir wollen jetzt nicht in den Gärten nach unkastrierten Katzen suchen." Hinweisen werde die Stadt aber nachgehen. Man wolle die Katzenhalter vor allem aufklären und sensibilisieren — auch mit Plakaten in der Stadt — und nicht gleich mit drastischen Strafen reagieren.

Der Kölner Tierarzt Ralf Unna ist Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW. Er sagt: "Wir begrüßen die neue Verordnung sehr. Katzen gehören kastriert." Unkastrierte Kater sind aggressiver, ruheloser, sie laufen auf der Suche nach Katzendamen oft weit weg und finden nicht mehr zurück, wie Unna sagt. "Unkastrierte Katzen infizieren sich außerdem viel schneller mit ansteckenden Krankheiten, weil sie intensiveren Kontakt mit anderen Tieren haben und vor allem Kater viel kampfbereiter sind."

Der Abschuss von wilden Katzen ist in Nordrhein-Westfalen seit 2015 verboten. Vorher töteten Jäger rund 7600 Katzen pro Jahr. "Das Erschießen von Katzen war ein völlig ungeeignetes Mittel, um die Population zu kontrollieren — mit ethischen Aspekten außerdem nicht vereinbar", sagt Unna. Der grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel hatte sich schon damals dafür ausgesprochen, streunende Katzen zu kastrieren — und nicht zu erschießen.

(hsr)