Köln: Herbert Grönemeyer als Zeuge im Paparazzi-Prozess

Herbert Grönemeyer im Kölner Landgericht : „Ich hatte Angst vor einem Anschlag“

Herbert Grönemeyer hatte bei einer Begegnung mit zwei Fotografen am Flughafen Köln/Bonn Angst um seine Familie und vor einem Anschlag. Er sagte nun in Köln als Zeuge gegen die beiden Männer aus.

Die Fotografen stehen im Foyer des Kölner Landgerichts Spalier, draußen macht Herbert Grönemeyer ein Selfie mit einem Fan. Dann geht er an der Seite seines Anwalts gelassen ins Gebäude, er lächelt und grüßt, die Kameras klicken. Der Sänger ist es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen, doch seine Familie „ist tabu“ für Fotografen, wie er wenig später in Saal 112 sagt.

Der 62-Jährige ist als Zeuge geladen im Prozess gegen zwei Fotografen, die ihn, seine heutige Ehefrau und seinen Sohn am 21. Dezember 2014 am Flughafen Köln/Bonn fotografiert haben. Grönemeyer war damals auf die Paparazzi zugegangen, um zu verhindern, dass sie Bilder von seiner Familie machen. Ein Video zeigt, wie der Sänger wütend sagt: „Fuck off, ich bin privat hier, du Affe.“ Er greift in die Kamera, das Bild wird schwarz, es kracht, dann filmt der Fotograf weiter, man sieht Grönemeyer auf den zweiten Promi-Fotografen zugehen, er holt mit seiner Laptop-Tasche aus, schlägt zu, der Fotograf duckt sich und ruft: „Warum hauen Sie mich hier?“ Grönemeyer geht weiter, sagt noch: „Geh nach Hause!“

Die beiden Fotografen sind nun wegen falscher Verdächtigung und uneidlicher Falschaussage angeklagt. Sie hatten Grönemeyer nach der Begegnung am Flughafen wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt. Er habe ihnen Prellungen, Schürfwunden und blaue Flecken zugefügt, hatten sie behauptet. Das Verfahren gegen den Sänger wurde eingestellt. Grönemeyer gewann mehrere Zivilverfahren gegen die Paparazzi und Zeitungsverlage, die die Bilder und das Video veröffentlicht hatten.

Die angeklagten Fotografen mit Verteidigerin (Archivfoto). Foto: dpa/Oliver Berg

„Ich hatte Angst vor einem Anschlag“

Am Mittwoch beschreiben sowohl Grönemeyer als auch seine Frau und sein Sohn die Szene vom Flughafen noch einmal vor Gericht. Sie waren damals von Berlin nach Köln geflogen, um die Großmutter zu besuchen. „Dich kenn ich doch irgendwoher“, habe einer der Fotografen zu ihm gesagt, sagt Grönemeyer. Der Mann sei nicht als Fotograf zu erkennen gewesen. „Er kam mir und meinem Sohn auf die Toilette hinterher“, sagt Grönemeyer. Auf dem Weg zur Autovermietung in Terminal 1 habe er seine Frau und seinen Sohn gebeten, schneller zu gehen, „da ist jemand ein bisschen merkwürdig“, habe er zu ihnen gesagt. Der Mann sei dann an ihnen vorbei gerannt, habe eine große Tasche geöffnet. „Ich war extremst nervös, ich dachte, der holt ein Messer raus“, sagt Grönemeyer. „Ich hatte Angst vor einem Anschlag.“ Seine Frau sagt: „Die Tasche war so groß, da hätte auch ein Gewehr drin sein können.“ Der Mann habe dann eine große Kamera mit Teleobjektiv aus der Tasche geholt und drauf los fotografiert. Vorn habe inzwischen ein zweiter Fotograf gestanden, „es war wie eine Jagdszene, wie Kesseltreiben“, sagt Grönemeyer.

Die Frau des Sängers sagt: „Ich bin keine öffentliche Person und ich möchte es auch nicht werden. Ich war aufgewühlt, hab das vorher noch nie so erlebt. Wir wussten die Person nicht einzuordnen.“ Die 39-Jährige duckt sich im Video weg, damit die Fotografen ihr Gesicht nicht sehen können. Ihr Mann würde immer und gern Fotos von sich machen lassen, die Fotografen würden ihn aber normalerweise fragen. „Er legt aber sehr viel Wert darauf, dass die Familie geschützt ist“, sagt sie. Der Vorfall habe sie alle noch Monate lang beschäftigt. Seitdem würden sie alle darauf achten, in der Öffentlichkeit nicht mehr nebeneinander zu gehen, „die Privatsphäre ist total gestört“, antwortet sie auf die Frage des Vorsitzenden Richters, welche Folgen das Ganze gehabt habe.

Der 31 Jahre alte Sohn Grönemeyers hat damals seine Laptop-Tasche vor eine der Kameras gehalten, „wir waren quasi eingeschlossen in diesem Gang“, sagt er. „Es war eine erschreckende Situation, wir standen hinterher alle ganz schön unter Adrenalin.“ Er sei so aufgewachsen, instinktiv Kameras zu meiden, aber „so habe ich das noch nie erlebt, so aggressiv“, sagt er. Es habe so geplant gewirkt, weil die Paparazzi „beide Seiten zugemacht haben“.

Ein Urteil wird für den 27. Februar erwartet. Die Fotografen könnten bei einer Verurteilung ins Gefängnis kommen. Sie bleiben bei ihren Aussagen. Grönemeyer sagt: „Meine Tasche hat ihn leider nicht getroffen, was schade war.“ Seiner Frau hatte er nach der Begegnung gesagt: „Ich wollte ihm keine reinhauen, obwohl er es verdient gehabt hätte.“

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