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Köln: Henriette Reker, die parteilose Grüne

OB-Kandidatin in Köln : Reker, die parteilose Grüne

Die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker ist zwar parteilos, aber nicht so ganz. "Die Ziele der Grünen sind auch meine Ziele", gestand sie bei einem Treffen der Kölner CDU.

Es gibt ihn wohl schon, den Henriette-Reker-Effekt. Ohne ein Wort gesagt zu haben, bekommt die schmächtige Frau mit den wachen Augen stürmischen Applaus. Bei der Kölner CDU in der "Flora" jubeln mehr als 400 Menschen ihrer neuen Hoffnungsträgerin zu. Am Ende wird sie mit 97 Prozent zur Kandidatin für die Oberbürgermeister-Wahl am 13. September gewählt. Tags zuvor hat es dieselben Szenen (und dasselbe Ergebnis) bei den Kölner Grünen gegeben. Die Sozialdezernentin bedankt sich artig, doch der Wirbel um ihre Person scheint ihr nicht zu behagen. "Ich muss erst zu mir finden", haucht sie ins Mikrofon, während CDU-Plakate "Reker für Köln" geschwenkt werden.

Einen richtigen Plan hat die Juristin für die Stadt noch nicht. Im Etat klafft ein Loch von 450 Millionen Euro. Die Frage, wie damit umzugehen sei, "treibt auch mich an", sagt sie, ohne konkret zu werden. Nur so viel: "Köln wird sich künftig nicht mehr alles leisten können." Das müsse man den Bürgern ehrlich sagen. Die Stadtpolitik müsse wieder glaubwürdig werden. Köln bleibe unter seinen Möglichkeiten, sagt sie mit einem Seitenhieb auf den amtierenden OB Jürgen Roters und die SPD, die nahezu ohnmächtig zusehen muss, wie sich eine parteipolitische Mehrheit hinter Reker formiert. Die gebürtige Kölnerin, die von Grünen, CDU und FDP unterstützt wird, fordert den Ausbau von ÖPNV und Radwegen; sie will eine "lebenswerte Atmosphäre" auf begrünten Plätzen, weil künftig mit vielen heißen Sommertagen über 40 Grad zu rechnen sei: "Da muss man sich draußen aufhalten können."

Die Lebensbedingungen der Bürger dürften nicht weiter auseinanderdriften, mahnt die 59-Jährige. Die Flüchtlinge sollten "mit offenem Herzen" aufgenommen werden. Zudem wünscht sie sich, dass Köln nicht nur Partystadt, sondern mehr Kulturstadt wird: "Manchmal leide ich daran, dass Köln in der Außenwahrnehmung zwischen Karneval, CSD, Kölner Lichter und Weihnachtsmarkt gesehen wird." Bis auf diesen Satz hat sie am Tag zuvor bei den Grünen in der ehemaligen Feuerwache alles so oder so ähnlich formuliert und deutlich gemacht, dass sie inhaltlich zu der Partei steht, die sie 2010 von Gelsenkirchen nach Köln berufen hat.

"Sind Sie eine verkappte Grüne?", wird sie deshalb bei der CDU gefragt. Reker, die Wert darauf legt, kein Parteibuch zu besitzen, verneint, sagt dann aber auch: "Die Ziele der Grünen sind auch meine Ziele - und zum ganz großen Teil sind das auch Ihre Ziele." Sie sagte das geradezu beschwörend an die Adresse der Kölner CDU. Applaus im Saal, kaum Kritik. Es sei ein "Armutszeugnis erster Klasse", dass die Union keinen eigenen Bewerber in die OB-Wahl schicke, schimpft einer und wird ausgebuht. Ex-OB Fritz Schramma sagt, dass sie beharrlich sei - "und stark".

(RP)