Köln: Frau stellte Bernd Stelter wegen Doppelnamen-Witz zur Rede

„Stelter-Gate“ im Kölner Gürzenich : „Eine öffentliche Widerrede mag der Karneval nicht“

Komiker Bernd Stelter bekommt wegen eines Scherzes über Frauen mit Doppelnamen Besuch von einer empörten Zuschauerin auf der Bühne - wir haben mit beiden über den Karnevals-Eklat gesprochen.

Vier Tage nach ihrem – kurzen – Auftritt auf der Bühne des Kölner Veranstaltungssaals Gürzenich ist Gabriele Möller-Hasenbeck wieder in ihrem Büro in Weimar. Die Steuerberaterin hat am Freitag für einen kleinen Eklat gesorgt, weil sie während der Aufzeichnung einer Karnevalssitzung zu Komiker Bernd Stelter auf die Bühne geklettert ist und ihn wegen eines Witzes über Doppelnamen zur Rede gestellt hat.

„Das war eine spontane Aktion“, sagt sie am Telefon. „Ich hab zu meinem Mann gesagt: Mir reicht’s und bin aufgestanden, der meinte noch: Bleib doch da, aber ich hab gesagt: Ich geh jetzt vor.“ Sie habe die Bühne aber keineswegs „gestürmt“ wie es nun in vielen Medien geheißen habe, sondern sei ganz normal durch den Saal nach vorn gegangen, „da stand ja Security an jeder Tür, die hätten mich ja aufhalten können, wenn sie mich als bedrohlich empfunden hätten“, sagt sie. Aufgehalten hat die Frau im rot-weißen Ringelshirt niemand. Und so stand sie beinah Nase an Nase mit Bernd Stelter auf der Bühne und schimpfte: „Männernamen sind immer toll - und Frauennamen sind immer scheiße. Und Doppelnamen sind doppelscheiße.“

Stelters Scherz hatte sich auf CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bezogen. Dass ihr Auftritt auf Twitter einen eigenen Hashtag „steltergate“ bekam und ihr Ehemann in den sozialen Medien beschimpft wurde, hält Möller-Hasenbeck für „überzogen“. Sie denkt darüber nach, einen Anwalt einzuschalten, weil im Netz zudem etliche schlechte Bewertungen über sie in ihrer Funktion als Steuerberaterin aufgetaucht seien.

„Ich selbst kriege aber auch positive Reaktionen, manche sagen, dass es sehr mutig war oder dass die Kölner ihren verstaubten Karneval allein feiern sollen.“ Die 57-Jährige und ihr Mann wurden nach dem Auftritt des Saals verwiesen. „Mein Fazit ist: Den Narren ist alles erlaubt, aber eine öffentliche Widerrede mag der Karneval nicht.“ Persönlich habe sie aber gar nichts gegen Bernd Stelter. „Aber wir haben so viele Themen in Deutschland, es kann nicht sein, dass man wie Annegret Kramp-Karrenbauer Witze wegen seines Namens über sich ergehen lassen muss.“ Sie selbst habe ihren Namen „von meinem Vater und von meinem Mann – dadurch bin ich doch kein anderer Mensch. Niemand kann was für seinen Namen“, sagt sie.

„Gehen Sie doch draußen ein Kölsch trinken!“

Bernd Stelter sagt: „Ganz ehrlich, ich habe in meinem Programm viele politische Teile – der Doppelnamen-Gag gehört nicht dazu und ich beleidige damit auch niemanden.“ Der erste Witz über Doppelnamen sei schon alt und stamme von Loriot („Herr Müller-Lüdenscheidt“) und in seiner Rede habe er sich vor allem erst einmal über sich selbst lustig gemacht: „Da geht es ja ständig darum, dass ich zu alt bin und zu dick“, sagt Stelter.

Auch beim Namensgag ging es um seine eigene Heirat. „Der Namen meiner Frau ist Rumpen, möglicher Doppelname also Rumpen-Stelter, da meinte der Standesbeamte: Nee, sie wollen keinen Doppelnamen.“ Doch bei der Pointe des Gags („Hätte ein Standesbeamter nicht auch Annegret Kramp-Karrenbauer warnen können?“) hörte Stelter erste Pfiffe aus dem Publikum – von Gabriele Möller-Hasenbeck. „Ich bin einfach der Meinung: Man sollte nicht während eines Vortrags auf eine Bühne gehen“, sagt Stelter.

Der 57-Jährige hatte Möller-Hasenbeck noch zugerufen, sie solle draußen ein Kölsch trinken gehen, als sie ihn immer weiter auspfiff. Doch sie kam nach vorn. „Die stand direkt vor mir, da war kein normaler Abstand mehr. Ich bin zwar ein großer, dicker Mann, aber da kann einem schon mulmig werden.“ Seinen Gag werde er in der Rede lassen, „ich finde ihn ja super“. Der erbosten Zuschauerin wünscht er, dass sie wegen der Sache nun keine ernsthaften persönlichen Probleme bekommt. „Das ganze Thema wurde in den vergangenen Tagen ziemlich überfrachtet“, sagt Stelter. „Die Frau hätte mich aber auch nach der Aufzeichnung einfach am Tresen ansprechen können.“

Der WDR zeigt die aufgezeichnete Karnevalssitzung am Rosenmontag. „Noch ist nicht entschieden, ob wir die Szene rausschneiden“, sagt eine Sprecherin. Gabriele Möller-Hasenbeck würde im kommenden Jahr sogar wieder zum Karneval nach Köln kommen, sagt sie. „Aber ich glaube, ich darf nicht.“