Köln feiert friedlich am Rosenmontag

Rosenmontagszug : Polizeischutz für Kölns Rote Funken – Kamelleregen statt Sturmböen

Rosenmontagszug in Köln startet ohne Pferde

Sturmtief „Bennet“ kann den Kölnern die Lust am Karneval feiern nicht verderben. Tausende jubelten beim Rosenmontagszug. Und die Roten Funken hatten wegen ihres Ehrengastes besonderen Schutz.

Als Herbert Reul am Vormittag in maßgeschneiderter rot-weißer Uniform zum Wagen der Roten Funken kommt, ist er schon vier Stunden unterwegs. „Um 6.15 Uhr ging es los“, sagt Nordrhein-Westfalens Innenminister. „Wir haben den Präsidenten geweckt und im Gürzenich gefrühstückt.“ Gleich geht es hoch auf den Wagen des ältesten Kölner Traditionskorps, sieben Tonnen Wurfmaterial liegt in Kisten bereit – Reul fährt als Ehrengast mit im Rosenmontagszug.

„Ein Traum geht in Erfüllung“, sagt er. „Das einzige, was fehlt, sind die Pferdchen.“ Mehr als 300 Pferde bleiben nach der Sturmwarnung wegen Sicherheitsbedenken im Stall. Der CDU-Mann blinzelt in die Sonne, Köln liegt richtig mit der Entscheidung, den Start des Zugs nicht auf den Nachmittag zu verschieben. Sturmtief „Bennet“ verwirbelt die Perücken und Kostüme erst am Mittag, da sind einige Wagen des siebeneinhalb Kilometer langen Zugs schon im Ziel.

Innenminster Herbert Reul (CDU) auf dem Wagen der Roten Funken. Foto: dpa/Henning Kaiser

Die Kölner Polizei hat den Wagen der Roten Funken besonders im Blick. Im Vorfeld hatten linke Aktivisten, unter anderem aus dem Hambacher Forst, wegen Reuls Teilnahme angekündigt, den Rosenmontagszug zu blockieren. Noch am Montagmorgen habe es eine erneute Drohung gegeben, wie Funken-Sprecher Günter Ebert sagt. Spezialkräfte der Polizei begleiten den Wagen für alle sichtbar, einige aber auch weniger erkennbar - verkleidet als Clowns mit Strohhüten und Ringelmützen. Bis zum Nachmittag bleibt alles friedlich. „Wir haben nur einzelne Plakate und Protestschilder am Zugrand gesehen“, sagt ein Polizeisprecher. „Aber gegen Meinungsäußerung hat ja niemand etwas.“

Die Kölner Jecken sind einfallsreich, wenn es darum geht, es sich am Zugweg möglichst behaglich einzurichten. Manche haben Trittleitern dabei, die sie an Hausfassaden lehnen, andere die komplette Tagesverpflegung in Tupperdosen. Vera und Volker haben ein Fünf-Liter-Fass mit Klebeband an einem Straßenschild befestigt. „Ich geh immer zum Zug, auch wenn ich klatschnass werde“, sagt Vera. Der Himmel ist immer noch blau.

Vera und Volker mit Kölsch-Fass am Zugweg. Foto: RP Online/Claudia Hauser

Die Zuschauer an den Fenstern eines Hotels am Waidmarkt haben aber Mühe, die Pralinenschachteln und Lebkuchenherzen zu fangen, die ihnen von den Karnevalswagen zugeworfen werden. Die Windböen fegen die Süßigkeiten oft weg, bevor sie in die Hotelzimmer fliegen. Unten freuen sich die Kinder, die an der Fassade entlang flitzen, um sich die Kamelle zu schnappen. Ein kleines Mädchen mit weißem Zopf sieht aus wie Karl Lagerfeld. Darauf angesprochen sagt es empört: „Ich bin Prinzessin Elsa!“

Und dann fängt es doch noch an zu regnen. Es ist 13 Uhr, als auf der Domplatte Karnevalskappen umher fliegen und ihre Besitzer ihnen nachjagen. Sechs Frauen in Erdbeerkostümen sind in die U-Bahn-Station geflüchtet und zupfen ihre roten Perücken zurecht. Ein paar Jugendliche grölen dort unten beim „Beer Pong“ und werfen Ping-Pong-Bälle in Becher. In der Bahn verschafft sich ein Junge im Braunbär-Kostüm einen Überblick über seine Kamelle-Ausbeute. Er schaut zufrieden aus, auf seinem Schoß hat er zwei Stoffbeutel voller Süßigkeiten.

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