Köln: Familie wegen Bandediebstahls vor Gericht

Prozess in Köln: Freigänger soll mit Familie Senioren abgezockt haben

Vater, Mutter und Sohn sollen hilfsbereite Senioren in Köln, Hürth und Pulheim bestohlen haben. Nun steht die Familie in Köln vor Gericht. Der Vater war im offenen Vollzug, als er wieder straffällig geworden sein soll.

Wenn Ronny K. (Name geändert) die JVA Euskirchen am Vormittag verließ, stand draußen der VW Polo, in dem seine Frau und sein damals 17 Jahre alter Sohn auf den 45-Jährigen warteten – davon ist die Kölner Staatsanwaltschaft überzeugt. K. konnte die letzte Zeit einer mehr als vierjährigen Haftstrafe im offenen Vollzug verbüßen, er musste nur die Nächte in seiner Zelle verbringen. Und die Tage in Freiheit nutzte er offenbar dazu, ältere Menschen zu bestehlen.

Zu dritt soll die Familie Senioren in Köln, Hürth und Pulheim aufgesucht und mit einem Trick in deren Häuser gelangt sein. Laut Anklage fuhren sie regelrecht Streife in den Wohngegenden, um herauszufinden, wo potenzielle Opfer wohnen - hingen etwa altmodische Gardinen im Fenster, wurde geklingelt.

Wegen schweren Bandendiebstahls muss sich die Familie nun vor dem Kölner Landgericht verantworten. Es geht um fünf Fälle, alle liegen schon drei Jahre zurück. Es lief laut Anklage immer gleich ab: Während die 42-jährige Mutter im Polo wartete und „Schmiere stand“, klingelte der Sohn an der Wohnungstür und fragte, ob er in den Garten dürfe, sein Ball sei beim Spielen über den Zaun geflogen. Die Senioren – drei von ihnen waren schon 90 Jahre oder älter – ließen den Jungen rein und halfen ihm bei der angeblichen Suche. Währenddessen soll Vater Ronny ins Haus gegangen und alles nach Wertgegenständen und Bargeld durchsucht haben. In einem Fall blieb es beim Versuch: Eine 90-Jährige holte ihre Haushaltshilfe dazu und ließ niemanden rein.

„Für ihn ist es ein Dilemma“

Viel Beute kam bei den stundenlangen Aktionen offenbar nicht rum: Die Anklage listet Geld, Uhren und Schmuck im Gesamtwert von rund 500 Euro auf. Während das angeklagte Paar am ersten Prozesstag schweigsam ist und austarieren will, welche Strafe es bei Geständnissen zu erwarten hat, will der inzwischen 20 Jahre alte Sohn reinen Tisch machen. Er ist eines von sieben Kindern des Paares. „Er will gestehen, auch wenn es für ihn ein Dilemma ist, gegen die eigenen Eltern auszusagen“, sagt sein Verteidiger Gottfried Reims. Er sei zum Tatzeitpunkt „intellektuell nicht besonders stark gewesen“. Der junge Mann wolle nun aber Verantwortung übernehmen. Ziel sei zudem, den alten Leuten eine Aussage zu ersparen, sagt Reims.

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Dazu kommen wird es wahrscheinlich ohnehin nicht: Eines der Opfer ist inzwischen verstorben, zwei sind dement und die anderen beiden können aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Prozess kommen. Sollten sie als Zeugen gebraucht werden, müsste die Kammer klären, ob sie in ihren Betreuungseinrichtungen vernommen werden können.

Ronny K. hat elf Vorstrafen, die viereinhalbjährige Haftstrafe hatte er bei einer Verurteilung in einer ganz ähnlichen Sache bekommen: Damals hatte er sich mit Komplizen als Wasserwerker ausgegeben, um sich das Vertrauen von älteren Menschen zu erschleichen und sie zu bestehlen.

Mitte September soll im aktuellen Prozess ein Urteil fallen.