Köln: Erzieherinnen sollen Kita-Kinder eingesperrt haben

Mutmaßlich Kinder in Turnhalle eingesperrt : Bistum prüft Vorwürfe gegen Kölner Erzieherinnen

Sieben Erzieherinnen einer Kölner Kita werden beschuldigt, Kinder eingesperrt zu haben. Sie alle wurden vom Dienst suspendiert. Eine Mutter erhebt schwere Vorwürfe.

Träger der Kita ist das Erzbistum Köln, das nach eigenen Angaben am Dienstag von den Vorwürfen erfuhr und die Angestellten unverzüglich vom Dienst freistellte. „Betroffen sind alle sieben Erzieherinnen, die in der Kita arbeiten“, sagte ein Sprecher des Bistums unserer Redaktion.

Die Erzieherinnen sollen Kinder in einer Turnhalle eingesperrt haben. Details nannte der Bistums-Sprecher nicht. Laut Erzbistum beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage den Eingang der Strafanzeige vom Montag, nannte aber keine weiteren Details. Auch das Kölner Jugendamt hat Kenntnis von den Vorwürfen, wie eine Sprecherin bestätigte.

Claudia Correnti ist eine der Mütter, die die Sache zur Anzeige gebracht haben. Ihr fünfjähriger Sohn und seine sechs Jahre alte Schwester waren in der Kita. „Mein Sohn hat sich irgendwann sehr verändert“, sagt sie. „Er wurde aggressiv, hat sich mit seinem Freund geprügelt wie nie, er fing an zu stottern und hat ins Bett gemacht.“ Als seine Schwester vor einigen Wochen die Tür zu seinem Zimmer habe zuziehen wollen, sei er regelrecht in Panik geraten, habe seine Schwester angegriffen und sie gekratzt. „Ich habe erst nach und nach rausgefunden, was Sache ist“, sagt die Mutter. Der Sprachtherapeut ihres Sohnes habe ihr gesagt, dass „irgendetwas in der Kita vorgefallen sein muss“, dann habe sie andere Mütter angerufen. „Es kam raus, dass auch andere Kinder sich stark verändert haben“, sagt Correnti.

Ihr Sohn gehöre zu den Kindern, die regelmäßig allein in ein Zimmer gesperrt worden sein sollen, andere Kinder sollen in einen fensterlosen Raum in der Aula gesperrt worden sein. „Einem Jungen wurden von einer Erzieherin die Finger eingequetscht, als er sich wehrte gegen das Wegsperren.“ Bei ihrem Sohn habe sie sich immer wieder gewundert, dass er auf sein T-Shirt beiße. „Das war, weil den Kindern verboten wurde zu lachen“, sagt sie. Über Wochen hätten die Eltern diese Informationen mühsam über die Kinder erfahren. „Ihnen wurde gesagt, dass sie böse seien, dass sie nicht über das Einsperren reden dürften, weil sie sonst jeden Tag in das Zimmer müssten“, sagt sie. „Ich wollte das alles nicht glauben.“

Noch ist nichts bewiesen. Der Betrieb in der Kita soll zunächst in Notgruppen weiterlaufen. Ende Juni soll neues Personal kommen. „Wir haben konsequent gehandelt, nun sollen die Vorwürfe gründlich geprüft werden“, sagte der Sprecher des Bistums. „Auch für die Erzieherinnen gilt der rechtliche Grundsatz, dass sie bis zu endgültigen Klärung der Vorwürfe durch die Behörden als unschuldig gelten und nicht vorschnell verurteilt werden dürfen.“

(hsr/skr/sef)
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