Köln: Erste Frauen arbeiten als Domschweizer in Kölner Dom

Erste Domschweizerinnen in Köln : „Die Jungs haben uns gut aufgenommen“

Das sind die ersten Domschweizerinnen

In Köln hat Dompropst Gerd Bachner die ersten vier Domschweizerinnen vorgestellt. Das hat es in der Geschichte der Jahrhunderte alten Kathedrale noch nicht gegeben. Der Job wurde immer nur von Männern ausgeübt.

Am Westportal des Kölner Doms wimmelt es am Dienstagvormittag von Menschen, Touristen hantieren mit Selfie-Sticks, Besuchergruppen drängen in die Kathedrale. Doch vor dem Hauptportal geben vier Frauen ein ungewöhnliches Bild ab: Im roten Talar der Domschweizer stehen sie nebeneinander und lassen sich filmen und fotografieren. Einmal alle nach links schauen, dann alle nach rechts, und bitte auch einmal nach vorne – es geht zu wie auf dem Roten Teppich. Als sie danach vor Dompropst Gerd Bachner schrittchenweise durch die Menge in den Dom tippeln, sagt Bachner: „Manchmal sind es kleine Schritte, die Großes bewirken.“

Schon im Mittelalter gab es Sicherheitskräfte im Kölner Dom: Die ersten Domschweizer mit den roten Talaren gab es im 19. Jahrhundert – doch noch nie hat eine Frau in diesem Job gearbeitet. Es ist also tatsächlich ein historischer Tag für Köln. Die Domschweizer sind das Aufsichtspersonal in der Kathedrale. Sie schließen den Dom auf und abends wieder zu, ermahnen Besucher zur Ruhe, sie läuten die Glocken und sind „die Visitenkarten des Doms“, wie Bachner sagt. „Dass in diesem Amt nun auch Frauen im Einsatz sind, bereichert und erfrischt unseren Dom.“

Die Frauen heißen Andrea Petzenhauser, Susanne Rückes, Claudia Drolshagen und Hedi Michels. Sie sind katholisch – was nicht Voraussetzung für eine Bewerbung war – und zwischen 35 und 58 Jahre alt. Alle werden in Teilzeit in ihrer neuen Stelle arbeiten. Die gelernte Krankenpflegerin Drolshagen sagt: „Die Jungs haben uns gut aufgenommen. Die Domschweizer haben mir den Dom gezeigt wie ihr Zuhause.“ Sie sei schon als Kind gerne im Dom gewesen, über die Jahre sei er für sie immer Fixpunkt und Ruhe-Oase geblieben. Ihre Kollegin Rückes hat sich beworben, weil sie „weg will vom Schreibtisch“, wie sie sagt. „Ich will mehr mit Menschen zu tun haben.“ Bislang hat sie als Sekretärin bei der Caritas gearbeitet. Die roten, mit Samt besetzten Talare wurden für die Frauen nicht extra angefertigt. „Die sind aus dem Bestand“, sagt Bachner. „Wir haben sie aber generalüberholt.“ Für die Damen wurde aber ein Raum eingerichtet, in dem sie sich umziehen können.

Andrea Petzenhauser ist Wirtschaftsjuristin und Übersetzerin, sie ist erst vor Kurzem aus Bayern nach Köln gezogen. „Als eine der ersten Frauen Teil dieser alten Tradition zu sein, ist eine Ehre“, sagt die 35-Jährige. Sie liebt es, vom Südturm aus über die Stadt zu blicken. „Da sieht manches Problem gleich viel kleiner aus.“ Hedi Michels ist gelernte Krankenschwester. „Ich bin ein Jahrgang, da durften Mädchen noch nicht Messdiener werden“, sagt die 58-Jährige. Ihr Urgroßvater war Kirchenschweizer in Oberhausen. „Und jetzt steh ich hier im Talar“ sagt sie. Als erfahrene Pilgerin hat sie alles, was sie für die Arbeit in dem kühlen Gebäude braucht: Wäsche aus Merinowolle. Unter den Talar passen gleich mehrere Schichten.

Dass die Vorstellung der Domschweizerinnen in die Zeit der Bewegung „Maria 2.0“ fällt, die sich gegen eine männerdominierte Kirche richtet, sei Zufall, wie Bachner sagt. Die Stellen seien schon im Februar ausgeschrieben worden. „Wir müssen diese Stimmen von Maria 2.0 aber hören und ernst nehmen“, sagt er. Er hoffe, dass die Bilder der ersten Domschweizerinnen auch nach Rom gehen.

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