Köln: Betrüger soll als Jurist praktiziert haben

Keine Zulassung, kein Doktortitel: Falscher Anwalt soll jahrelang praktiziert haben

Er soll als promovierter Anwalt über Jahre Mandanten vor Gericht vertreten haben - dabei hatte er weder Zulassung noch Doktortitel. Jetzt steht ein 35 Jahre alter Mann wegen vielfachen Betrugs vor dem Kölner Landgericht.

Gleich zwei Verteidiger stehen dem Angeklagten in Saal 27 des Kölner Landgerichts zur Seite. Sebastian K., 35 Jahre alt, gepflegter Bart, grau meliertes Haar, grüner Rollkragenpullover, nimmt zwischen ihnen Platz. Auf erste Fragen des Vorsitzenden Richters zu seinem Alter und seiner letzten Meldeadresse antwortet er mit einem lauten „Korrekt“. „Nein, das ist nicht korrekt“, sagt er, als es um das Datum seiner Festnahme geht. Nach einer ersten Festnahme im Sommer 2017 musste er zunächst nicht in Haft. Im März dieses Jahres holten Polizisten ihn ab, weil er sich nicht an die Auflagen gehalten hatte. Er hätte sich regelmäßig bei der Polizei melden müssen. Wegen Fluchtgefahr ist K. seitdem im Gefängnis.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den mutmaßlichen Hochstapler füllen 17 Seiten Anklageschrift. Die Anklage lautet auf Betrug, Urkundenfälschung, Untreue sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Es geht um 58 Fälle. K. soll vier Jahre lang als promovierter Rechtsanwalt Mandanten und Versicherungen betrogen haben. Der Erzieher hat aber weder Jura studiert noch einen Doktortitel. Aber er schaffte es offenbar, sich eine treue Mandantschaft aufzubauen.

Erfundene Fälle, gefälschte Unterschriften

Für seine Mandanten führte er etliche Verfahren vor dem Zivilgericht und schickte ihnen Rechnungen. Außerdem soll er bei mehr als 30 Rechtsschutzversicherungen erfundene Fälle abgerechnet und Unterschriften gefälscht haben. Der Angeklagte soll ein Vermögen von rund 81.000 Euro ergaunert haben. Er nutzte den Briefkopf einer Kölner Kanzlei und zwei verschiedene Namen – seinen eigenen und einen erfundenen. So soll das Ganze dann auch aufgeflogen sein. Eine Richterin wurde stutzig, weil sie innerhalb einer Woche denselben Rechtsanwalt mit zwei verschiedenen Namen als Kläger vor sich sitzen hatte. Sie verlangte seinen Ausweis und sah den vermeintlichen Anwalt nie wieder – in einem Anruf aus dessen Sekretariat erklärte man ihr, der Chef habe einen Autounfall gehabt und sei erst einmal außer Gefecht gesetzt.

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In einem der Fälle soll eine Versicherung das Geld an die real existierende Kanzlei überwiesen haben – woraufhin sich K. dort gemeldet und gesagt haben soll, es handele sich um ein Missverständnis. Die Kanzlei ließ ihm das Geld daraufhin zukommen.

Auch außerhalb von Gerichten kam die kriminelle Energie des falschen Juristen nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft immer wieder durch. So soll er sich von einem Bekannten 15.000 Euro für den Kauf eines Pferdes geliehen und nie zurück bezahlt haben.

Am ersten Prozesstag schwieg der Angeklagte. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verständigten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Nachmittag darauf, dass K. bei einem umfassenden Geständnis mit einer Haftstrafe von etwa fünf Jahren rechnen kann.

Spätestens Ende Januar wird ein Urteil erwartet.

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