In Köln Baby extrem durchgeschüttelt – Vater steht vor Gericht

Köln · Ein Elternpaar soll sein 14 Wochen altes Kind über Minuten geschüttelt und dadurch tödlich verletzt haben. Weil die Mutter untergetaucht ist, verhandelt das Gericht nun lediglich gegen den Vater.

Ein Schild weist auf das Landgericht Köln hin (Archiv, Symbol).

Ein Schild weist auf das Landgericht Köln hin (Archiv, Symbol).

Foto: dpa/Federico Gambarini

Ein 35 Jahre alter Mann aus Gummersbach soll sein erst 14 Wochen altes Kind über Minuten geschüttelt und dadurch den Tod des Säuglings herbeigeführt haben. Vor dem Kölner Landgericht ist der Mann seit Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Über seinen Verteidiger ließ der 35-Jährige mitteilen, dass er zum Vorwurf schweigen werde.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hat die Mutter am Tattag im Mai 2022 das Kind mit Säuglingsmilch gefüttert. Weil das Baby nicht geschluckt habe und ihm die Milch aus Mund und Nase herausgelaufen sei, habe die Mutter einen Notfall angenommen. Sie habe den Säugling an den Oberarmen gepackt und „ihn etwa zehn Minuten geschüttelt“, sagte der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung. Da das Kind keine Reaktion gezeigt habe, habe anschließend auch der angeklagte Vater das Baby über Minuten geschüttelt. Dadurch habe das Kind ein Schütteltrauma und einen Gehirnschädelbruch erlitten. An den Folgen sei es wenige Tage später auf der Kinderstation der Uni-Klinik in Köln verstorben. Zudem seien im Krankenhaus auch ältere Verletzungen, wie mehrere bereits verheilte Rippenbrüche, an dem Säugling festgestellt worden, hieß es in der Anklageschrift weiter.

Eigentlich sollte der Prozess bereits in der vergangenen Woche beginnen. Weil aber das beschuldigte Elternpaar nicht zum Prozess erschienen war, vertagte sich das Gericht und erließ Haftbefehle. Während der 35-Jährige vergangene Woche Mittwoch von der Polizei in seiner Wohnung festgenommen werden konnte, bleibt die 30 Jahre alte Frau weiter untergetaucht. Das Gericht trennte ihr Verfahren ab. Nach Ergreifung der 30-Jährigen durch die Polizei solle in einem gesonderten Verfahren gegen sie verhandelt werden, sagte die Vorsitzende Richterin.

Der Fall war zunächst vor dem Amtsgericht in Gummersbach angeklagt. Das Amtsgericht hatte die Anklage dem Landgericht zur Prüfung vorgelegt. Dieses zog den Fall daraufhin an sich und erteilte im Eröffnungsbeschluss einen rechtlichen Hinweis, wonach das Paar bei einem Schuldspruch auch mit einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge rechnen müsse. Während fahrlässige Tötung mit Geldstrafe oder Haft bis fünf Jahren verurteilt werden kann, umfasst der Strafrahmen einer Körperverletzung mit Todesfolge bis zu zehn Jahre Haft.

(boot/dpa)
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