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Köln: Acht Jahre nach Tod von 15-Jährigem wird Prozess neu aufgerollt

Revisionsverfahren in Köln : 67-Jähriger steht erneut wegen Tod eines 15-Jährigen vor Gericht

Acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines 15-Jährigen in einem Streit unter Kölner Schaustellern wird der Fall nun vor dem Landgericht neu aufgerollt. Angeklagt ist ein heute 67 Jahre alter Mann.

Seit acht Jahren sieht Klaus P. den toten Jungen nachts in seinen Flashbacks, wie er sagt. Der Junge hieß Marlon und war 15 Jahre alt, als er starb. Niedergestochen von Klaus P. auf einem Wohnwagenplatz an der Takustraße in Neuehrenfeld. Marlon war der Sohn eines Schaustellers, Klaus P. lebte im Wohnwagen nebenan.

Klaus P. war selbst viele Jahre im Schaustellergewerbe, hat zwei Söhne. Streit hatte es immer wieder gegeben zwischen P. und Marlons Familie. Am Abend des 11. April 2012 ging es angeblich um Marlons Hund. Klaus P. soll den trächtigen Yorkshire-Terrier getreten haben. Marlons Vater wollte Klaus P. zur Rede stellen und ging zu ihm, gefolgt von Marlon, in einigem Abstand dahinter Frau und Tochter. Sie alle waren im ersten Prozess wichtige Zeugen. P. geriet mit Marlons Vater lautstark aneinander und soll dem Jugendlichen schließlich mit einem Klappmesser einen zwölf Zentimeter tiefen Stich ins Herz versetzt haben. Der Jugendliche wurde in der Nacht notoperiert, starb aber am nächsten Tag.

Acht Jahre später steht Klaus P., inzwischen 67 Jahre alt, erneut wegen Totschlags vor dem Kölner Landgericht. 2013 war er für die Tat zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Aber Klaus P. ging in Revision und der Bundesgerichtshof (BGH) kassierte das Urteil wegen eines Formfehlers. Die Strafkammer, die den Revisionsprozess führen sollte, war nach Angaben des Gerichts derart stark belastet, dass erst jetzt eine Hilfsstrafkammer den Prozess führen kann. Drei Zeugen sind inzwischen verstorben. Ihre Aussagen werden aus dem ersten Prozess verlesen.

Klaus P. ist ein kranker Mann. Er ist aus Angst vor Marlons Familie aus Köln weggezogen und lebt allein irgendwo im Saarland, wie er einem Psychiater gesagt hat. Seit der Tat, die er im ersten Prozess gestanden hat, findet er keinen Schlaf mehr. Er hat eine Depression, Herzprobleme, Diabetes und eine Lungenerkrankung. Im Prozess, für den sieben Verhandlungstage angesetzt wurden, kann er immer nur zwei Stunden am Stück sitzen, dann braucht er eine Pause. Am ersten Prozesstag geht es vor allem um die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten. Klaus P. will zunächst schweigen.

Fast zwei Jahre Gefängnis hat er bereits verbüßt, danach wurde er von der Haft verschont, während die Revision lief. Da der BGH nicht das Strafmaß beanstandet hat, wird der jetzige Prozess für ihn nicht mit mehr als fünf Jahren enden. Wegen der langen Verfahrensverzögerung kann er diesmal sogar mit einer milderen Strafe rechnen. Das Urteil soll am 22. April verkündet werden.