Köln: 37-jähriger Koch aus China-Restaurant wegen Totschlags angeklagt

Totschlags-Prozess in Köln : Der mysteriöse Fall des zerstückelten China-Kochs

Ein 37-Jähriger soll seinen Kollegen getötet und die Leiche zerstückelt haben. Beide arbeiteten in einem Kölner Chinarestaurant, Kinder entdeckten die Leichenteile. Der Mann steht nun vor Gericht - er bestreitet die Tat.

Spielende Kinder machten im Juni 2016 einen grausigen Fund am Kölner Rheinufer: Verschnürt in einem blauen Plastiksack war der Torso eines Mannes. Damit begann für die Polizei die Ermittlung in einem Fall, der lange rätselhaft blieb. Erst zehn Monate später wurden die restlichen Leichenteile gefunden – wieder von Kindern, die bei einem Schulausflug durch ein Wäldchen in Köln-Vogelsang streiften. Schnell war klar: Die Knochen und der Schädel, den sie entdeckt hatten, gehören zum Torso vom Rheinufer. Die Suche nach dem Täter führte die Beamten schließlich nach Rosenheim, wo sie Ende Januar dieses Jahres einen Mann festnahmen, der mit dem Opfer zusammengearbeitet hatte – beide waren Köche in einem Chinarestaurant in Köln.

Der 37 Jahre alte Jitao W. muss sich seit Mittwoch wegen Totschlags vor dem Kölner Landgericht verantworten. Er wirkt aufgewühlt und unruhig, als er auf der Anklagebank Platz nimmt. Es wird ein Indizienprozess, da der Angeklagte seit seiner Festnahme schweigt – nachdem er den Polizeibeamten gesagt hatte: „Ich möchte nur sagen, dass ich ihn nicht getötet habe.“

Die 5. Große Strafkammer hat Dutzende Zeugen geladen, die Ermittlungsakten umfassen mehr als 2000 Seiten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Angeklagte seinen 28-jährigen Kollegen im Juli 2016 „auf unbekannte Weise“ tötete, die Leiche mit „verschiedenen Messer- und Sägewerkzeugen“ zerstückelte und dann im Rhein und in dem Waldstück entsorgte.

Der Angeklagte und das spätere Opfer gerieten als Spezialitätenköche in einem Kölner Chinarestaurant immer wieder in Streit, wie es in der Anklage heißt. Immer wieder sollen sich die beiden auch geprügelt haben, Anfang Juli 2016 vor dem inzwischen geschlossenen Restaurant am Thürmchenswall mitten auf der Straße. Beide lebten auch in dem Gebäude, in zwei Zimmern. Das Opfer hatte ein Flugticket nach China für den 12. Juli gebucht – den Flug trat er aber nicht mehr an. Die Ermittler gehen davon aus, dass er da bereits tot war. Seiner Mutter in China soll das Opfer noch gesagt haben: „Wenn mir mal etwas passiert, dann hat er damit zu tun“, als er ihr von den Streitigkeiten mit dem Kollegen erzählte.

Die Untersuchungen von Rechtsmedizinern haben in dem Fall eine besondere Bedeutung, da die Ermittler lange nicht wussten, wer der Tote ist. Spezialisten der Münchener Rechtsmedizin fanden heraus, dass der Unbekannte sich viele Jahre asiatisch ernährt haben musste – also vermutlich nicht in Europa aufgewachsen ist. Sie konnten exakt sagen, dass er erst in den letzten beiden Jahren vor seinem Tod in Europa gelebt und seine Ernährung komplett umgestellt hatte. Über eine Vermissten-Datenbank stießen sie auf den 28-Jährigen, dessen Eltern sich inzwischen um ihn sorgten und sein Verschwinden gemeldet hatten.

17 Prozesstage sind angesetzt. Rechtsanwalt Raphael Botor verteidigt den Angeklagten. Er sagt: „Ich werde meinem Mandanten so lange zur Seite stehen, bis er den Saal als freier Mann verlässt.“

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