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Köln: 22-Jähriger wegen Vergewaltigung vor Gericht

Schwere Vergewaltigung an Weiberfastnacht in Köln : 30 Faustschläge ins Gesicht

Wegen besonders schwerer Vergewaltigung steht ein 22 Jahre alter Mann in Köln vor Gericht. Er hat eine 21-Jährige an Weiberfastnacht im Studentenviertel vergewaltigt. Der Mann gestand am ersten Prozesstag.

Nina H. (alle Namen geändert) war auf dem Weg nach Hause. Die 21-Jährige war angetrunken, sie hatte gefeiert, Weiberfastnacht in Köln. Es war 2.18 Uhr, sie telefonierte mit ihrem Freund, machte ab, dass sie zu ihm kommt. Es waren nur wenige hundert Meter bis zu ihm, doch auf der Zülpicher Straße sprach John D. die junge Frau an, während sie ihren Freund noch am Telefon hatte. Ob er sie ein Stück begleiten dürfe, fragte D. Nina H. bejahte, machte gleichzeitig mit ihrem Freund ab, dass er ihr entgegen kommt. Sie fühlte sich sicher.

Kaum hatte sie das Gespräch beendet, schnappte sich D. ihr Handy, warf es weg und zog sie an beiden Händen in eine düstere Grünanlage. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der 22-Jährige sie dann „auf besonders erniedrigende Art“ vergewaltigte, immer wieder schlug er ihr dabei mit der geballten Faust ins Gesicht. Die Rechtsmedizin geht von mindestens 30 Faustschlägen aus. „Auf jede Bewegung von ihr reagierte er mit weiteren Schlägen“, sagt die Staatsanwältin. Nina H. schaffte es trotz ihrer schweren Verletzungen, nach einer Zeit auf die Straße zu flüchten – wohl auch, weil der Täter sie gehen ließ.

Er lebte im Wohnheim

John D. hört sich die Anklage am Montag im Kölner Landgericht aufmerksam an. Ihm wird besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Über seinen Verteidiger Rüdiger Buhr gesteht er alles. Selbst sprechen möchte er nicht. „Mein Herz klopft gerade so schlimm“, sagt er. D. war am 9. Februar, dem Tattag, gerade erste eine Woche in Freiheit. Er hatte eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Körperverletzung und Drogendelikten abgesessen. An Weiberfastnacht sei er selbst feiern gewesen mit Freunden, wie sein Verteidiger sagt. D. lernte ein Mädchen kennen, man knutschte, wollte zusammen nach Hause. Doch der Pförtner des Wohnheims, in dem D. nach seiner Haftentlassung lebte, verweigerte ihm den Einlass. Besuch ist in dem Haus, in dem Männer leben, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurden oder unter Bewährung stehen, nicht erlaubt. Die beiden zogen weiter durch die Kneipen. Als das Mädchen sich einem anderen zuwandte, wurde D. wütend, stellte es zur Rede, beschimpfte es. Er soll der Frau in einer Kneipe am Barbarossaplatz auch eine Ohrfeige gegeben haben, das bestreitet er. Die Polizei kam, erteilte D. einen Platzverweis. Er zog offensichtlich frustriert und wütend weiter – und begegnete wenig später Nina H. im Studentenviertel.

John D. stammt aus Tansania, lebt in Deutschland, seit er zwei Jahre alt ist. Seine Mutter ist tot, zum Vater hat er seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr. Eine Ausbildung hat er nie gemacht, die Förderschule ohne Abschluss verlassen. „Kiffen und chillen“ sei das, was D. viele Jahre gemacht habe, sagt sein Verteidiger. Zwei Jahre lang habe er geboxt im Verein. Die Anwältin des Opfers hakt nach: „Wurden Sie im Verein darüber aufgeklärt, was passieren kann, wenn Sie jemanden ins Gesicht schlagen – ohne Handschuhe und ohne, dass ihr Gegenüber einen Schutz trägt?“ D. antwortet nicht darauf.

D. habe von Nina H. abgelassen, als er „das ganze Blut in ihrem Gesicht gesehen hat“, sagt sein Anwalt. Seine Erektion sei da weg gewesen. Er habe dann gemerkt, „was er da angestellt hat“. „Es tut ihm unendlich leid, er findet sein Verhalten selbst widerlich und ekelhaft.“

Das Opfer soll am Freitag als Zeugin gehört werden. Der Täter hatte Nina H. den Kiefer gebrochen und die Nase, ihre Augen waren sofort nach der Tat derart zugeschwollen, dass sie kaum etwas sehen konnte, als sie nach Hilfe suchte. Sie wird in einer Traumaklinik behandelt. Um dem Täter nicht begegnen zu müssen, wird ihre Aussage in einem anderen Saal per Kamera aufgezeichnet und in den Verhandlungssaal übertragen. Sein Verteidiger hatte D. Fotos der Schwerverletzten gezeigt. „Damit er sieht, was er angerichtet hat“, sagt er.

Ein Urteil wird für den 24. August erwartet.