Kiosk in Köln: Südstadt rettet "Brigittes Büdchen"

Kiosk stand vor dem Aus: Kölner Südstadt rettet "Brigittes Büdchen"

Die Kölnerin Brigitte Schmitz stand mit ihrem Kiosk vor dem Aus. Ein Wirt startete einen Aufruf auf Facebook - und alle kamen, um das Büdchen zu retten.

Das Büdchen am Ende der Merowinger Straße ist in die Jahre gekommen. Die Fassade des Kiosks in der Kölner Südstadt ist schmutzig, die Schaufenster alt. Pächterin Brigitte Schmitz konnte irgendwann die Miete nicht mehr bezahlen, weil die 73-Jährige krank wurde und einige Zeit ausfiel. Rund 4000 Euro Mietschulden häuften sich an, sie bekam die fristlose Kündigung. Nach 26 Jahren.

Daniel Rabe, ein Wirt aus der Südstadt, wollte Brigitte Schmitz helfen und postete am Wochenende einen Aufruf auf Facebook: "Rettet Brigittes Büdchen!" Der 37-Jährige schrieb: "Come on Facebook, schauen wir doch mal, was du kannst!" Er bat um Geld für die ausstehende Miete, aber auch um neue Kühlschränke, Bier, Wein und eine Holzbank "für den direkten Verzehr vor dem Büdchen". Frische Farbe für die Wände, neue Lampen, ein kleines Holzbuffet - Rabes Idee: "Wir machen einfach das allercoolste Büdchen der Welt aus dem Laden." Denn der Kiosk war nicht mehr konkurrenzfähig. "Am Ende hatte Brigitte nur noch drei Tüten Weingummis im Sortiment", sagt Rabe. Nun soll ein völlig neues Tante-Emma-Büdchen aus dem alten Laden werden.

Es dauerte nach dem Aufruf noch nicht mal einen Tag, da schrieb Rabe auf Facebook: "Update: Unfassbar, aber wir haben jetzt alles für Brigitte und noch viel mehr." Eine Kölner Brauerei hatte einige Kisten Kölsch und neue Kühlschränke gestiftet, der Weinhändler aus der Straße brachte Wein, Nachbarn kamen zum Wände streichen, brachten neue Lampen mit, einer verlegte einen neuen Boden, eine Schreinerin will diese Woche noch ein neues Buffet zimmern. Und Rabe sprach am Montag zusammen mit Brigitte Schmitz mit den Vermietern, "die eigentlich echt nett sind", wie er sagt, und schließlich die Kündigung zurücknahmen. Die Schulden konnte Brigitte Schmitz begleichen - Nachbarn und ein Pfarrer hatten großzügig gespendet.

Am Mittwoch sind Daniel Rabe und Jochen Gasser im Büdchen. Es herrscht Chaos, aber es ist auch schon zu sehen, wie nett alles wird. Sie räumen Zigaretten ein und füllen die Kühlschränke. "Dass wir so schnell alles zusammen bekommen, hätte ich nicht gedacht", sagt Rabe. Gasser kennt den Kiosk schon lange, er wohnt in der Nähe. Dass er mithilft, war für ihn keine Frage - für viele andere auch nicht.

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Und Brigitte Schmitz? "Die ist sehr gerührt und kann kaum glauben, was gerade passiert, aber die ganzen Presseanfragen sind ihr zu viel", sagt Rabe. Vor der Tür steht ein Kamerateam. Die Helfer selbst scheinen nicht zu verstehen, warum ihre Aktion besonders ist. Sie haben kein Helfersyndrom, sondern wollten einfach nur einer älteren Frau aus der Nachbarschaft zur Seite stehen.

Auf Facebook bedankt sich jemand bei den Helfern. Er habe lange in der Straße gewohnt und bei Brigitte Schmitz immer sein Bierchen, seine Zeitung und süße Tüten für seine Frau gekauft: "Es hätte mir das Herz gebrochen, wenn wir sie beim nächsten Heimatbesuch nicht mehr hätten besuchen können."

Am Donnerstagabend soll die Neueröffnung gefeiert werden - keine Woche nach dem Facebook-Aufruf. Und natürlich mit Brigitte Schmitz.

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(hsr)