Karneval: Kein "Charlie-Hebdo"-Wagen in Köln

Karneval : Kölner kippen "Charlie-Hebdo"-Wagen

Auf dem Kölner Rosenmontagszug sollte es einen Wagen geben, der sich satirisch mit "Charlie Hebdo" auseinandersetzt. Am Mittwoch wurde er zurückgezogen, obwohl besonderer Polizeischutz zugesagt war.

Nach den Terroranschlägen in Frankreich geht die Angst um, dass öffentlich gezeigte Karikaturen erneut Anschläge von Islamisten nach sich ziehen könnten. Deshalb gelten auch für die anstehenden Karnevalszüge erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. "Alle sind hochsensibilisiert. Aber wir dürfen uns nicht Angst und Bange machen lassen. Denn das ist es, was die Terroristen wollen", sagte ein Sprecher von Innenminister Ralf Jäger (SPD). "Die Sicherheitsbehörden vor Ort entscheiden, was zu tun ist."

Die Sorge vor Attentaten hat allerdings jetzt dazu geführt, dass ein für den Kölner Rosenmontagszug am 16. Februar geplanter "Charlie-Hebdo"-Wagen, der sich satirisch mit Meinungsfreiheit und den Anschlägen in Paris auseinandersetzt, kurzerhand zurückgezogen wurde.

"Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht", hieß es in der Mitteilung des Festkomitees vom Mittwochabend. "Aus diesem Grund haben wir heute entschieden, den Bau des geplanten Charlie-Hebdo-Wagens zu stoppen und den Wagen nicht im Kölner Rosenmontagszug mitfahren zu lassen."

Dabei hätte der Wagen angesichts der abstrakten Anschlagsgefahr unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden und getarnten Spezialkräften gestanden. Zwischen Zugleiter Christoph Kuckelkorn und der Polizei hatte es im Vorfeld entsprechende Gespräche gegeben.

"Wir haben beraten, aber keine Vorgaben gemacht", sagte ein Polizeisprecher. Wolfgang Baldes, Sprecher der "Kölnischen Karnevalsgesellschaft", hatte noch Stunden vor der überraschenden Kehrtwende erklärt: "Für uns ist Narrenfreiheit gleich Meinungsfreiheit. Das Motiv ist weder politisch noch religiös. Wir stellen uns auf keine Seite und wollen auch niemanden verletzen."

Doch zahlreiche Zugteilnehmer sahen das Unterfangen offenbar mit großer Sorge und erhöhten den Druck auf das Festkomitee. Aus Angst vor Anschlägen soll es Weigerungen gegeben haben, sich in der Nähe des Gefährts aufzuhalten.

Dem Bundeskriminalamt (BKA) liegen derzeit keine konkreten Attentatsdrohungen gegen Karnevalszüge vor. "Es gibt aber nach wie vor eine abstrakte Anschlagsgefahr in Deutschland", sagte eine BKA-Sprecherin. Arnold Plickert, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), erklärte: "Es ist nicht die Frage, ob ein Anschlag bei uns passiert, sondern wann."

Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly weiß noch nicht, ob er ebenfalls einen Wagen bauen wird, der sich mit den Fall "Charlie Hebdo" befasst. "Es gibt natürlich Überlegungen, aber bis Rosenmontag ist es noch etwas hin, und wir entscheiden immer sehr kurzfristig."

Die Polizei wird bei den Karnevalszügen besonders mit zivilen Kräften im Einsatz sein. Das Sicherheitskonzept für große Umzüge sieht unter anderem vor, dass alle zehn Meter entlang der Zugstrecke ein Beamter steht. Auch Balkone, Dächer und Büsche werden kontrolliert.

Für den Ernstfall stehen Spezialkräfte bereit. "Muss ein Wagen besonders geschützt werden, gehen Beamte nebenher oder fahren mit auf dem Wagen", erklärte Erich Rettinghaus, NRW-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Im Landtag riefen am Mittwoch alle Parteien dazu auf, nicht vor dem Terror zu weichen.

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