Karneval 2018: Kölner Rosenmontagszug zwischen Frohsinn, Trauer und Entsetzen

Rosenmontagszug in Köln: Kölner Jecken zwischen Kamelle und Betroffenheit

Rosenmontag 2018: So feiert Köln den Höhepunkt des Karnevals

Rund eine Million Menschen haben am Rosenmontag in Köln den Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert. Viele Jecken legten Blumen an dem Ort in der Südstadt ab, wo am Freitagabend ein 32-Jähriger getötet worden war. Am Nachmittag wurden fünf Menschen verletzt, weil zwei Pferde einer Kutsche durchgegangen sind.

Rosenmontag in Köln — Tag Fünf im Karneval. So manchem Kostüm ist anzusehen, dass es im Dauereinsatz ist und schon durch etliche Kneipen geschleift wurde. In der Linie 15 steht am Morgen ein Flamingo, der bestimmt mal schön pink war. "Mittlerweile bin ich in der Mauser", sagt der Mann, der im schmutziggrauen Ganzkörperkostüm steckt. Immer wieder zieht er sich den riesigen Schnabel zurecht, der ihm ins Gesicht hängt. "Aber", sagt er und hebt den Zeigefinger. "Das Kostüm ist schön warm."

Das ist ein Argument, es sind nur wenige Grad über Null und der Tag kann lang werden. Einige Bierbuden verkaufen auch Glühwein.

Ab 10 Uhr schlängelt sich der Kölner Rosenmontagszug durch die Innenstadt, Motto: "Mer Kölsche danze us der Reih". Der Zugweg ist knapp 7,5 Kilometer lang und dauert etwa fünf Stunden. Wenn die ersten Fußgruppen und Mottowagen am Ziel in der Mohrenstraße angekommen sind, sind die letzten Gruppen noch gar nicht losgegangen.

Frauke, Linda und Nadine aus Leverkusen sind schon früh zum Chlodwigplatz in die Südstadt gekommen. Die ersten Wagen lassen sie an sich vorbeiziehen, erst mal Sekt trinken und warm singen. Die Sonne scheint und Linda liegt mit ihrem Kostüm im Trend: Sie geht als Skihase, in dieser Session sind viele in Skiklamotten unterwegs, Après-Ski nonstop. "Der Kölner Zug ist der einzig Wahre", sagt Linda. Aus den Lautsprechern eines Karnevalswagens tönt: "Ich kumm us dä Stadt met K, schalalala, schalalala".

Nur ein paar Meter entfernt haben die Feiernden ihre gefangenen Strüßjer an der Haltestelle Chlodwigplatz abgelegt, dort, wo am Freitagabend ein 32-jähriger Polizeibeamter gestorben ist. Es werden im Laufe des Tages immer mehr Blumen. Ein 44-jähriger Rechtsanwalt soll den Mann zwischen die Waggons einer Bahn gestoßen haben — was genau passiert ist, ist noch unklar. Er sitzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in Untersuchungshaft. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Ministerpräsident Armin Laschet gehen während des Zugs zur Haltestelle und halten dort einige Minuten inne.

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An den großen Straßen stehen wuchtige Spezialfahrzeuge eines Abschleppunternehmens. Sie sollen vor Terroranschlägen wie in Nizza und Berlin schützen. In der kompletten Innenstadt gilt ein Fahrverbot für Lastwagen mit mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht. 1500 Polizeibeamte sind an der Strecke und in der Stadt im Einsatz, das sind 200 weniger als im vergangenen Jahr. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir mit weniger auskommen", sagt ein Polizeisprecher.

Ralph hat sich mit seiner 16 Monate alten Tochter Emmi ins Getümmel gestürzt. Die beiden bringen viele zum Lachen, weil sie als Elefant und Maus verkleidet sind — und Ralph geschätzte zwei Meter groß ist. "Wir kommen aus Bielefeld und haben unser Au-Pair-Mädchen aus Kolumbien dabei", sagt der Familienvater.

Unten in der Zwischenebene der Haltestelle Rudolfplatz verkaufen Melissa und ihr Mann Artin palettenweise Dosenbier. "Wir sind eigentlich Banker", sagt Melissa. Der Kiosk an der Haltestelle gehört seit 20 Jahren ihrem Vater, an Großkampftagen wie Rosenmontag müssen alle mit anpacken. Hier unten ist vom Rosenmontagszug nichts zu hören, deshalb beschallt der Kiosk die komplette Haltestelle mit Kölsch-Rock.

Oben laufen zwei kleine Jungs mit riesigen Stofftaschen an der Aachener Straße auf zwei Polizisten zu. "Wo sollen wir denn hin?", fragt der eine völlig außer Atem. "Zum Kamelle fangen?", fragt der Polizist ihn. "Da seid ihr hier eigentlich richtig." Die Jungs sausen in Richtung der Mottowagen und verschwinden zwischen all den Menschen, die ihre Hände Richtung Himmel recken. Es regnet Gummibärchen, Tulpensträußchen und Schokolade.

Frauke, Linda und Nadine aus Leverkusen. Foto: Claudia Hauser

Die tolle Stimmung erfährt am Nachmittag einen Dämpfer, als bekannt wird, was am Appellhofplatz passiert ist: Gegen 14.30 Uhr gehen zwei Pferde eines Kutschen-Gespanns durch und laufen gegen eine provisorische Zuschauertribüne. Die Ursache ist unklar, fünf Menschen werden verletzt, der Zug für etwa Dreiviertelstunde gestoppt. Am Unfallort sind Schock und Entsetzen groß, doch am späten Nachmittag wird in der Stadt weiter gefeiert.

(ksr)