1. NRW
  2. Städte
  3. Köln

Kardinal Woelki reagiert auf Missbrauchsstudie mit wortloser Predigt - Fulda

Missbrauch in der Kirche : Kardinal Woelki schweigt bei Predigt fünf Minuten lang

Eine Studie über sexuellen Missbrauch erschüttert die katholische Kirche. Mit einer ungewöhnlichen Geste hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki jetzt darauf reagiert: Bei seiner Predigt sagte er fünf Minuten lang kein Wort.

"Damit wir nicht immer nur reden, werde ich die restlichen fünf Minuten meiner Predigt schweigen", sagte er am Mittwochmorgen in einem Gottesdienst in Fulda. Anschließend wurde in mehreren Fürbitten für die Missbrauchsopfer und deren Angehörige gebetet und an das Versagen der Kirche erinnert.

Er schweige, sagte Woelki, "damit wir alle in dieser Zeit in uns gehen können und unsere Reue und unseren Vorsatz im demütigen Gebet vor Gott und vor das ganze Volk Gottes tragen können".

Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Woelki die katholische Kirche zu Umkehr und Buße aufgerufen. Die Erkenntnisse aus der Missbrauchsstudie hätten "Fassungslosigkeit und Schamesröte ins Gesicht getrieben". Dass Vertreter der Kirche so etwas tun "und dass dies auch noch von der Institution Kirche so oft zugelassen wurde, macht fassungslos". Weiter betonte der Kardinal: "Wir haben das Vertrauen missbraucht - von Jugendlichen und Kindern, von deren Eltern und Familien."

Die katholischen Bischöfe setzen am heutigen Mittwoch ihre Beratungen bei der Herbstvollversammlung in Fulda fort. Nach der Vorstellung der Missbrauchsstudie gehen die Debatten über das Thema sexueller Missbrauch durch Geistliche weiter. Zum Abschluss der Tagung wollen die Bischöfe am Donnerstag erste Konsequenzen und weitere Schritte vorstellen.

Bei der Vorstellung der Studie am Dienstag hatten die Bischöfe um Entschuldigung gebeten und bekannt, man habe viel zu lange geleugnet, weggeschaut und vertuscht. Wissenschaftler, Politiker und Opferverbände forderten unter anderem eine Debatte über kirchliche Strukturen, die den Missbrauch begünstigen können.

(felt/kna/AFP)