Identitäre Bewegung hängt Banner am Kölner Hauptbahnhof auf

Neue Rechte : Identitäre Bewegung hängt Banner am Kölner Hauptbahnhof auf

Mitglieder der Identitären Bewegung Deutschland haben am Mittwochnachmittag ein Banner vom Dach des Kölner Hauptbahnhofs entrollt. Damit wollten sie laut eines Facebookposts gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung protestieren.

Gegen 14.30 Uhr entrollten nach Angaben der Bundespolizei sieben Mitglieder der Bewegung vom Dach des Hauptbahnhofs aus ein Banner mit der Aufschrift: "Nie wieder Schande von Köln! #Remigration". Sieben weitere Personen seien in die Büros des Bahnhofsmanagements vorgedrungen. Alle 14 wurden in Gewahrsam genommen. Gegen sie wurden Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Nach Angaben der Bahn wurde das Transparent schnell wieder entfernt.

In einem Facebookpost verweist die Identitäre Bewegung auf die Geschehnisse der Silversternacht 2015 in Köln und fordert die "Remigration aller Illegalen und aller straffällig gewordenen Migranten". Bereits Ende August hatte die Gruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, auf sich aufmerksam gemacht, als Aktivisten aufs Brandenburger Tor kletterten und dort ebenfalls ein Banner entrollten. Immer wieder machen die Identitären durch Aktionen auf sich aufmerksam, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken verbreiten. Auf ihren Demos verkünden sie Slogans wie "Festung Europa — macht die Grenzen dicht" und "Heimat, Freiheit, Tradition, Multikulti Endstation".

Die "Identitäre Bewegung" kommt aus Frankreich und gehört zur so genannten Neuen Rechten. Diese berufen sich nicht auf den Nationalsozialismus, sondern auf konservative Denker aus der Weimarer Republik. Pluralismus, Liberalismus und die Idee von der Gleichheit aller Menschen lehnen sie ab. Dass Identitäre so häufig als Rassisten bezeichnet werden, hat vor allem mit der Weltanschauung zu tun, die sie propagieren: den Ethnopluralismus. Den begreifen Identitäre als Mittel, um die Vielfalt der Völker zu erhalten. Um das zu garantieren, sollten die Völker möglichst dort bleiben, wo sie historisch beheimatet sind. Kritiker sagen, das sei ein Rassismus ohne Rassen. Statt von Rassen sprächen die Identitären einfach von "Ethnie".

Update: In einer früheren Version dieses Textes war ein Facebook-Eintrag eingebettet, in dem unter anderem ein Spendenaufruf für die "Identitäre Bewegung" zu sehen war. Dies hat bei einigen Lesern Irritation ausgelöst, obwohl in dem Artikel ausführlich und kritisch geschildert wird, wer oder was die "Identitäre Bewegung" ist. Wir haben uns daher entschieden — um weitere Irritationen zu vermeiden — den Facebook-Eintrag zu entfernen.

(hpaw)