Ein Besuch in Köln-Mülheim: Für ehemalige Gemeindemitglieder ist Kardinal Woelki "der Rainer"

Ein Besuch in Köln-Mülheim : Für ehemalige Gemeindemitglieder ist Kardinal Woelki "der Rainer"

Zum Schluss wird es ganz kurz hektisch an diesem sonnigen Mittwochnachmittag im Pfarrheim der Kölner Gemeinde St. Bruder Klaus. "Kann jemand das Fässchen anschlagen? Er will jetzt ein Bier." Das Problem ist schnell behoben, der erste Kranz Kölsch macht die Runde und dann hält "er" sein Glas Päffgen in der Hand: Kardinal Rainer Maria Woelki. Kurz vor seinem offiziellen Amtsantritt am Samstag macht der künftige Erzbischof von Köln Station an dem Ort, wo sozusagen alles begann. Auf eigenen Wunsch, wie es heißt.

Hier, in der Bruder Klaus Siedlung im Kölner Stadtteil Mülheim, wuchs der heute 58-Jährige auf. Das Viertel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtet und ermöglichte Flüchtlingen, Heimatvertriebenen und Ausgebombten den Aufbau einer neue Existenz.

Die gleichnamige katholische Gemeinde hat Woelkis Biographie geprägt, wie er auch jetzt wieder betont. Und sie prägt bis heute das Leben in dem "gallischen Dorf", wie einige der 1.800 Einwohner ihr von Eisenbahnlinie, Schnellstraßen und Autobahn umschlossenes Veedel nennen.

Im "Kiosk Bahar" am Eingang zum Bruder-Klaus-Platz haben sie zwar von einem Kardinal nichts gehört. Aber das Pfarrheim ist den türkischen Besitzern ein Begriff. Kein Wunder, sagt Werner Spiller vom Gemeindevorstand: Zu Pfarrfesten oder den fünf Karnevalssitzungen im Jahr sei jeder willkommen. Feiern hat bei den "Kläuslern" Tradition, wie sich der Kardinal erinnert. Auch er selbst habe sich an den tollen Tagen einmal auf der Bühne probiert. Statt dem jecken Volk steht er nun aber einem ganzen Pulk von Journalisten gegenüber.

Die bedient er in inzwischen gewohnt ruhiger und bisweilen launiger Art mit einigen Erinnerungen aus Jugendtagen, die von den anwesenden Gemeindemitgliedern gelegentlich mit beiläufigem Nicken quittiert werden. 120 Kommunionkinder habe sein Jahrgang gezählt, mit 180 Messdienern habe die Pfarrei aufwarten können, erzählt Woelki.
Zwischendrin dann Fragen zu Flüchtlingen, ein Thema, das ihm erkennbar am Herzen liegt, oder seinem nicht immer unumstrittenen Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, denen er geschickt ausweicht. Er sei nun einmal ein Mann, der nach vorne und nicht zurück schaue, sagt Woelki.

Natürlich lässt sich bei einer solchen Gelegenheit die Vergangenheit nicht komplett ausblenden. Dafür sorgen schon die vielen Bekannten aus alten Tagen, die ebenfalls zu der Pressekonferenz gekommen sind und für das leibliche Wohl des Kardinals und der Gäste sorgen wollen.
Gerda Saalfeld, gleicher Jahrgang wie der Kardinal, erinnert sich an gemeinsame Feten. Die fanden allerdings nicht im Pfarrheim statt, sondern in den privaten Partykellern. Eine Spontanumfrage, welche Hits denn bei solchen Gelegenheiten angesagt waren, fördert zutage:
"Rivers of Babylon" von Boney M. und "Je t'aime" von Jane Birkin und Serge Gainsbourg.

Wie man den Besucher denn nun anspreche, darin sind sich alle altgedienten "Kläusler" einig. "Dat is für mich der Rainer." Familiär geht es zu, als dann das Kölsch gereicht wird. Werner Spillers Enkel Niklas bekommt ein Autogramm vom Kardinal. Und Gerda Saalfeld hat da noch eine Frage. Ob sich der künftige Kölner Erzbischof wohl vorstellen könne, ihre Tochter zu trauen? Ein Lächeln ist die Antwort. Von den vielen mitunter auch widerstreitenden Hoffnungen und Erwartungen, die in den kommenden Tagen und Wochen an den neuen Erzbischof in der Domstadt herangetragen werden, gehört Gerda Saalfelds Wunsch sicher zu den sympathischsten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kardinal Rainer Maria Woelki besucht Heimatgemeinde

(KNA)