Fridays for Future in Köln: Fünf Tage Demo in der Innenstadt

„Fridays for Future“ in Köln : „Ziviler Ungehorsam ist der einzige Weg, etwas zu ändern“

In Köln hat am Montag die erste mehrtägige Schüler-Demo für den Klimaschutz begonnen. Sie soll bis Freitag dauern und mit einem großen Demonstrationszug durch die Innenstadt schließen.

Initiator des Fünf-Tage-Streiks ist die „Fridays for Future“-Ortsgruppe Köln. Die Idee, in der letzten Woche vor Beginn der Sommerferien den Streik auf eine Woche auszuweiten, sei sehr spontan entstanden, sagt eine Organisatorin. Innerhalb einer Woche wurden Material, Workshops, Vorträge und sogar ein Schlafzelt organisiert. Denn der Streik soll auch nachts weitergehen. Sogar Mittag- und Abendessen haben die Initiatoren organisiert.

Zum Auftakt hat die Bewegung ihr Lager auf dem Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs aufgeschlagen, weil am eigentlichen Standort auf dem Alter Markt noch Abbauarbeiten nach der Christopher-Street-Day-Parade vom Sonntag stattfanden. Ab Dienstag streiken die Klima-Aktivisten dann in der Altstadt. Die öffentliche Aufmerksamkeit sei stark zurückgegangen, das sei laut Tara Cicchetti von der Ortsgruppe Köln der Grund für den Dauerstreik. „Darum haben wir uns entschieden, fünf Tage am Stück zu demonstrieren, damit wir unser Anliegen nochmal pushen können.“ So stehen auf den Bannern und in Kreidefarben auf dem Boden Sätze wie: „Das Leben ist zu schön zum Aussterben“ und „Weniger Asphalt mehr Wald“.

Die Klima-Aktivisten haben auch konkrete Forderungen an die Politik. „In dieser Woche sind unsere Kernforderungen, den Klimanotstand auszurufen und sich an das Pariser Abkommen zu halten“, sagt Lili Braun, Sprecherin der Ortsgruppe Köln. „Deutschland ist eines der Länder in Europa, die in keinster Weise ihre Klimaziele einhalten werden.“ Es müsse sich endlich etwas tun.

Doch beim Dauerstreik geht es nicht nur darum, Präsenz zu zeigen, um Druck auszuüben: Auch Workshops und Vorträge rund um die Themen alternative Energien, Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen auf dem Programm. „In der letzten Woche vor den Ferien wird sowieso nichts mehr gelernt“, sagt Tara Cicchetti. „Wir wollen hier ein alternatives Bildungsprogramm auf die Beine stellen. So können wir uns alle für wirklich relevante Dinge noch ein Stückchen weiterbilden.“

Während des Dauerstreiks sollen ständig etwa 30 bis 40 Klima-Aktivisten anwesend sein - auch nachts. Bundesweit reisen Schülerinnen und Schüler an - etwa aus Trier, Göttingen oder Magdeburg. Für sie wird ein Schlafzelt aufgebaut.

Seit etwa einem Jahr finden die „Fridays for Future“-Streiks in ganz Deutschland statt. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als hundert Ortsgruppen. Die 17-jährige Elly Wald hat die Kölner Ortsgruppe mitbegründet. Alles fing an mit ein paar Freunden, die sich für den Klimaschutz einsetzen wollten - mittlerweile besuchen jede Woche rund hundert Menschen die „Fridays for Future“-Pleni in Köln. Seit sechs Monaten streikt Elly jeden Freitag für ihre Zukunft. „Ziviler Ungehorsam ist der einzige Weg, etwas zu ändern“, sagt sie.

Dafür investieren die jungen Erwachsenen viel Zeit. Einige waren am Montag schon um sechs Uhr unterwegs, um Material zu besorgen und beim Aufbau zu helfen. Das funktioniere, weil die Aktivisten sehr gut vernetzt sind, vor allem über den Nachrichtendienst WhatsApp: „Ich bin in sehr, sehr vielen Gruppen“, sagt Elly.

Milena und Mia, beide 14 Jahre, gehören zu den jüngeren Klima-Aktivisten. Beide gehen auf ein Kölner Gymnasium und wollen zwei Tage dem Unterricht fernbleiben, um zu streiken. „Wie die Schule darauf reagiert, ist noch nicht ganz klar“, sagen sie. An „Fridays for Future“ haben sie bereits öfter teilgenommen, bislang habe ihr Fernbleiben keinerlei Konsequenzen gehabt. Ihre Lehrer würden sehr unterschiedlich zu den Klimastreiks stehen. „Manche finden es gut, was wir tun und unterstützen das, andere sind dagegen.“

Ein Lehrer, der hinter der Bewegung steht, ist Ludger Wiesmann. Er unterrichtet das Fach Technik an einer Euskirchener Gesamtschule und hat am Montag einen Vortrag über Solarthermie, eine erneuerbare Energie, gehalten. Der 61-Jährige wünscht sich, dass sich mehr Lehrer engagieren. „Ich habe schon das Gefühl, dass die meisten erfreut sind, dass endlich jemand das Heft in die Hand nimmt“, sagt er bezüglich der Stimmung im Lehrerzimmer. Der Grundtenor sei „wohlwollend“.

Auch nach einem Jahr „Fridays for Future“ sehen die Aktivisten noch kein Ende ihrer Streiks. „Es liegt an der Politik zu entscheiden, wie lange wir noch demonstrieren müssen“, sagt Lili Braun. „Wir werden zu unseren Forderungen stehen und dann werden wir sehen, wann endlich gehandelt wird.“ Am Anfang habe niemand die Bewegung so wirklich ernst genommen, es habe sich nichts getan. „Mittlerweile haben auch Landwirte erkannt, welche Auswirkungen der Klimawandel hat. Nur die Politiker haben den Schuss noch nicht gehört.“ Solange würden sie weiter streiken, sagt die 19-Jährige. „Wir werden konsequent bleiben, auch wenn es die Politik nie war.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: 5-Tage-Demo von „Fridays for Future“ in Köln

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