Feuer an Obdachlosenschlafplatz am Bahnhof Ehrenfeld: Opfer sagte aus

Prozess um Feuer an Obdachlosenschlafplatz: "Er war mein Freund"

In Köln steht ein Obdachloser wegen versuchten Mordes vor Gericht. Er soll die Schlafstätte seines Kumpels in Brand gesteckt haben. Nun hat der Mann im Prozess ausgesagt.

Miro O. (Name geändert) legte sich am späten Abend des 30. Juli vergangenen Jahres zum Schlafen auf eine Matratze unter einem Gewölbebogen am Bahnhof Ehrenfeld und zog die Decke komplett über seinen Kopf. Irgendwann wurde der 48-Jährige wach. "Alles war voller Rauch und jemand schrie: Feuer, rette dich!", sagt O. am Dienstag in Saal 5 des Kölner Landgerichts. Er sei aufgesprungen, doch der Holzzaun habe schon lichterloh gebrannt. Über den fast zwei Meter hohen Zaun musste man klettern, um zu der versteckten Schlafstätte zu gelangen. "Ich bin irgendwo hochgeklettert und gesprungen, Polizisten haben mir dann geholfen." O. hatte Glück: Er war nahezu unverletzt.

Georg H., der das Feuer damals gelegt haben soll und nun wegen versuchten Mordes angeklagt ist, kennt er schon länger. Die beiden Bulgaren haben sich immer wieder auf dem sogenannten "Arbeiterstrich" an der Venloer Straße in Ehrenfeld getroffen. Als ungelernte Hilfskräfte haben sie darauf gehofft, dass ein Bauunternehmer sie für ein paar Tage braucht. "Zum Beispiel zum Laminat verlegen", sagt Miro O. 50 bis 60 Euro am Tag habe es dafür schwarz gegeben.

Am Tag des Feuers sei es zum Streit zwischen ihm und Georg H. gekommen, erzählt der Zeuge. Sie hätten einem Dealer 50 Euro gestohlen. "Davon habe ich für uns in einem Kiosk Tabak und Bier gekauft, es waren noch 16 Euro übrig", sagt O. Georg H. habe sich fürchterlich aufgeregt, weil er seinen Anteil von 25 Euro verlangte. "Die hatten wir doch aber schon ausgegeben."

Am Abend habe man mit mehreren Leuten zusammen gesessen auf Bänken unter dem Gewölbebogen. "Da hat er ein Feuerzeug genommen und so getan, als wollte er meine Haare anzünden", sagt O. Der 41-Jährige habe so etwas gesagt wie: "Ich werde dich abfackeln" oder "Ich zünde dich an".

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Georg H. hat im Prozess bisher geschwiegen. Bei der Polizei hat er die Tat abgestritten und behauptet, eine brennende Kippe von Miro O. hätte das Feuer womöglich verursacht.

Miro O. bestreitet, vor dem Schlafen geraucht zu haben. "Mir war schlecht an dem Abend, deshalb habe ich auf keinen Fall geraucht", sagt er. H. sei sein Freund gewesen. "Ich habe mir am Nachmittag bei unserem Streit vor Wut das eigene T-Shirt zerrissen, weil ich ihn nicht schlagen wollte", sagt er.

Ein Urteil wird für den 22. Februar erwartet.

(hsr)