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Bühne: Ein Vollprofi für alle Trennungen

Bühne : Ein Vollprofi für alle Trennungen

Im Theater am Dom stehen gerade Isabel Varell, Christian Maria Goebel und Timothy Peach mit einem etwas anderen Stück zum Thema Beziehungen auf der Bühne.

Dem Menschen, den man einmal geliebt hat, zu verkünden, dass man das Leben jetzt ohne ihn fortzusetzen gedenkt, ist nicht gerade einfach. Entweder gibt es Höllenärger oder das große Tränenmeer. Da verschwinden manche doch lieber klammheimlich oder trennen sich nur wenig charmant per SMS oder Mail. Da kann ein Profi in Sachen Trennung schon weiterhelfen.

In dessen Rolle schlüpft derzeit im Theater am Dom jeden Abend Christian Maria Goebel, bekannt unter anderem aus der TV-Serien "SK Kölsch" und "Das Büro". Er wird vom chaotisch veranlagten Freigeist Hyppolite (Timothy Peach) zur Hilfe gerufen, der seine Pauline (Isabel Varell) zwar liebt, aber sie trotzdem loswerden möchte, um all die anderen Frauen nicht zu verpassen.

Dumm nur, dass er nun gerade der Frau die Trennung verkünden soll, die ihn vor Jahren verlassen hat. An der Trennung fast zerbrochen, wählte er den "Profi-Trenner" als neuen Beruf für sich. "Die Verkündung gibt es in verschiedenen Varianten - von sanft und freundlich bis zu wüsten Beschimpfungen", erklärt Christian Maria Goebel seine Rolle. Zur Vorbereitung darauf habe er nach dem eigenen Spaß am Sadismus gesucht. "Aber es geht dabei um Professionalität: man trennt wie ein Chirurg."

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"Ich finde es feige, Schluss zu machen, und dem anderen dabei nicht ins Gesicht gucken zu können. Da ist es besser, einen Profi in Sachen Trennung zu holen, anstatt, ohne Gründe zu nennen, einfach wegzulaufen", erläutert lsabel Varell, warum sie den Job des Profi-Trenners auch im wahren Leben für sinnvoll erachten würde. Für Timothy Peach ist die Rolle des Kunden eines "Terminators" in Sachen Beziehungen reichlich spannend: "Hyppolite ist Lichtjahre von mir entfernt, er lebt total im Chaos und kann es sich einfach nicht vorstellen, mit nur einer Frau das Leben zu verbringen. Louis de Funes war mein Vorbild in dieser Rolle, die ich clownesk in der Tradition des französischen Boulevards spiele. Diese Tradition, die auf der Comedia dell'Arte beruht, scheint irgendwie verlorengegangen zu sein." In der Komödie sei er der Dumme August und sein Gegenpart der Weißclown.

Isabell Varell hat reichlich Spaß an ihrer Rolle zwischen diesen beiden grundverschiedenen Typen: "Ich freue mich, jeden Tag hierher zu kommen. Wir haben auf und hinter der Bühne reichlich Spaß. Toll ist, dass Pauline, anders als im klassischen Boulevard mit den beiden Männern auf Augenhöhe sein darf. Auch sie ist in Sachen Beziehungen ein absoluter Freigeist und steht beim Lügen den Herren in nichts nach. Und gerade mit der Lügerei haben wir die besten Lacher."

Passend zu dem Familienfest mit dem nachgewiesen größten Streitfaktor, spielt die turbulente Komödie am Weihnachtsabend. "Das ist das Familienfest der Abgründe - eine Feier des Wahnsinns", sagt Goebel. Er kommt nach 15 Jahren vom Film und Fernsehen zurück auf die Bühne. "Mir läuft bei dem Stück immer ein wohliger Schauer über den Rücken. Das ist gehobener, moderner Boulevard."

Auch Isabel Varell liebt das Genre: "Ich mag besonders dieses Kölner Theater, bei dem das Publikum um die Bühne herumsitzt und man als Schauspieler die Reaktionen ganz nah mitbekommt. Außerdem ist es toll direkt vor der eigenen Haustür zu spielen und für drei Monate die Koffer endlich mal in die Ecke stellen zu können."

Service: Vorstellungen gibt es bis zum 29. Januar dienstags bis freitags um 20 Uhr, sowie am Wochenende um 17 und/oder 20 Uhr. Karten: Tel. 0221/2580153, Mo-Fr 10-20, Sa 11-22 Uhr, So eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Stephan Eppinger

(RP)