DLR-Sekretärin fälscht offenbar jahrelang Rechnungen

Catering-Trick flog auf: Kölner Sekretärin soll 800.000 Euro ergaunert haben

In Köln steht eine ehemalige Sekretärin vor Gericht, die für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt tätig war. Sie soll mehr als 800.000 Euro aus der Kasse abgezweigt haben - indem sie Catering abrechnete, das es nie gab.

Experimente in der Schwerelosigkeit, die Erforschung anderer Planeten und Beobachtungen der Erde aus dem All – das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) steht für wichtige Aufträge in der Weltraumforschung. 1500 Mitarbeiter beschäftigt das Zentrum in Köln, deutschlandweit sind es rund 8000. Eine Angestellte war Brigitte K. (Name geändert), 65 Jahre alt, in zweiter Ehe verheiratet, Mutter einer Tochter, bislang nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Als Vorstandssekretärin war sie auch dafür zuständig, die Bewirtung für Workshops, Fachausschüsse oder Management-Seminare zu organisieren.

Oft wurde in Restaurants gegessen, oder ein Lokal richtete eine Veranstaltung aus, eine Rechnung über mehrere hundert Euro war nicht ungewöhnlich. Irgendwann kam Brigitte K. offenbar auf die Idee, Rechnungen zu fälschen und sich das Geld auszahlen zu lassen, wofür sie teils angeblich in Vorkasse gegangen war. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass sie so über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren insgesamt 835.713, 95 Euro ergaunert hat. Wegen Betrugs und Urkundenfälschung steht die ehemalige Sekretärin nun vor dem Kölner Amtsgericht.

Mehr als 500 Fälle

Reglos hört sich Brigitte K. die Anklage an. Sie hat eine Kurzhaarfrisur, trägt einen dunkelblauen Pullover und ein weißes Halstuch mit blauem Blumenmuster. Der Vorstand des DLR vertraute ihr offenbar blind. Die 65-Jährige soll nicht nur Hunderte Rechnungen – die Anklage führt 549 Fälle auf –, sondern auch die Unterschriften ihrer Chefs gefälscht haben. Die Rechnungen ließ sie sich nach Überzeugung der Anklage dann auszahlen. Tatsächlich soll sie aber keines der Restaurants mit einem Catering beauftragt haben.

Im ersten Jahr soll sie auf diese Art etwa 64.000 Euro erlangt haben, 2011 soll sie schon Quittungen über 105.000 Euro eingereicht haben. Vor drei Jahren waren es sogar mehr als 200.000 Euro. Sie ließ sich laut Anklage in einigen Fällen einen Vorschuss von der Kasse des DLR geben, der als Verein auch von Steuergeldern finanziert wird. Als Veranstaltungen trug sie etwa "Arbeitskreis Raumfahrt" oder "Luftfahrt Meeting" ein.

Um ihren Betrug glaubhafter zu machen, zahlte sie manchmal kleinere Beträge aus angeblich zu viel gezahlten Vorschüssen für das Catering zurück, insgesamt 288 Euro.

Sie soll sich von dem Geld ein schönes Leben gemacht haben, vier bis fünfmal im Jahr große Urlaube mit ihrer Familie finanziert haben. "Das Geld ist jedenfalls weg", sagt ihr Verteidiger Frank Langen. Brigitte K. sagt an diesem ersten Verhandlungstag nichts.

Bei einem Rechtsgespräch verständigten sich der Amtsrichter, die Staatsanwältin und die Verteidigung darauf, dass Zeugen geladen werden sollen. Einer Mitarbeiterin der Vereinskasse waren die gefälschten Abrechnungen irgendwann aufgefallen, und sie hatte sich an die Chefs gewandt. Auch sie soll nun im Juni als Zeugin aussagen.

Bei der Polizei hat Brigitte K. bereits ein Geständnis abgelegt. Ihre Rente in Höhe von 1400 Euro wird gepfändet. Einige Mitarbeiter des DLR verfolgten den ersten Prozesstag als Zuschauer. Inzwischen sei das komplette Abrechnungssystem umgestellt worden, heißt es. Es sei ja immer um Veranstaltungen des Vorstands gegangen, sagt eine Mitarbeiterin am Rande des Prozesses. Da habe lange niemand nachgefragt.

(hsr)