Depeche Mode 2018 in Köln: Die Hohepriester der Dunkelheit rocken die Arena

Depeche Mode in Köln: Die Hohepriester der Dunkelheit rocken die Arena

Das letzte Konzert ist zwar erst wenige Monate her. Trotzdem kommen wieder 17.000 Fans in die Arena in Köln, um Depeche Mode zu sehen. Sie werden nicht enttäuscht.

Das Konzert von Depeche Mode beginnt am Montagabend mit einem Schrei von John Lennon. Es ist Schrei zu einem verzerrten E-Gitarren-Akkord, den der Beatle dem Song "Revolution" voranstellt. Zum ersten Mal sehen die 17.000 Fans in der ausverkauften Kölner Arena dazu die animierten dürren Beine in Stiefeln über die riesige Videowand laufen, die auch das Cover des aktuellen Albums "Spirit" zieren. Gegen Ende des Konzerts kehren sie zurück — als auch Depeche Mode mit einem der neuen Songs fragen: "Where's The Revolution" ("Wo ist die Revolution")?

Wo sich John Lennon allerdings klar gegen eine destruktive Entladung von Hass und Wut ausspricht, ist der Besucher bei Depeche Mode wie so oft gefangen in der Widersprüchlichkeit dieser Welt. Dave Gahans Worte klingen tatsächlich wie ein Aufruf zu revolutionärem Handeln, auf dem Schlagzeug von Christian Eigner prangt dazu gut sichtbar ein Peace-Zeichen — wie bei einer Hippie-Rockband.

Die Mitglieder von Depeche Mode sind allerdings keine Hippies, sie sind die Hohepriester der Dunkelheit — und seit den 1980er-Jahren eine der größten Rockbands der Welt. So groß, dass sie immer auf Tour gehen können und in ausverkauften Hallen aller Größenordnungen spielen. Die aktuellen Hallenkonzerte sind Teil der Verlängerung ihrer erfolgreichen Global-Spirit-Stadiontour. Die Konzerte im vergangenen Sommer wurden weltweit von rund drei Millionen Menschen besucht - allein in Köln kamen 43.000. Dabei hatten die Fans die Songs des neuen Albums "Spirit" eher gemischt aufgenommen. Zu düster, zu wenig synthie-poppig waren sie ihnen.

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Live spielen Depeche Mode deshalb vor allem die wenigen Stücke, mit denen sie an Großtaten wie "Enjoy The Silence", das wie immer kurz vor Schluss kommt, anknüpfen. "Going Backwards" oder "Where's The Revolution", deren dunkler, hypnotischer Beat eine magische Anziehungskraft ausübt.

Die meiste Zeit des rund zweistündigen Auftritts ist allerdings für Hits wie "Useless" oder "Precious" reserviert. Ein starker Höhepunkt ist das mit ungeheurer Dringlichkeit vorgetragene "Everything Counts", bei dem Dave Gahan das irrwitzige Zerrbild eines Superstars abgibt — ein Bild aus Schweiß, zerfledderten Klamotten und einem schmierigen Oberlippenbart. Doch nichts davon könnte seinen Status als Idol für die Massen zerstören. In seinem Solopart zeigt sich dann allerdings auch, wer der wahre Hohepriester von Dunkelheit und Melancholie in der Band ist: Martin Gore, der Haupt-Songwriter, der meist im Hintergrund agiert.

(mfk)