Köln: Das Drunter und Drüber am Heumarkt

Köln : Das Drunter und Drüber am Heumarkt

Eine gemeinsame Ausstellung des Stadtmuseums und des Römisch-Germanischen Museums zeigt einen wichtigen Schauplatz der Kölner Stadtgeschichte, der seit dem Mittelalter einem großen Wandel unterlegen ist.

Es gibt nur wenige Plätze in Köln, die über eine derart bewegte Geschichte verfügen wie der Heumarkt. In der römischen Zeit lag die Fläche als Umschlagplatz des Hafens an der Westseite einer vorgelagerten Rheininsel. Im Mittelalter entwickelte sich der Heumarkt zum Wirtschaftszentrum der aufstrebenden Rheinmetropole.

Es ist Erzbischof Bruno, der das Potenzial des Heumarktgeländes erkennt und der 957 daraus einen 20.000 Quadratmeter großen Platz schaffen lässt. Damit soll der Alter Markt entlastet werden, der aus allen Nähten platzt. Im 11. Jahrhundert wird dort die Erzbischöfliche Münze platziert, wo das Geld für Köln geprägt wird. Schnell entwickelt sich das Viertel zum Ort, an dem Kaufleute und Gaffeln ihre Repräsentationsbauten errichten. Straßenamen wie "Salzgasse" oder "Hühnergasse" erinnern heute noch an die Handelsgüter des einstigen Marktplatzes, der allerdings auch Ort für Hinrichtungen war.

Im 19. Jahrhundert sind es dann die kleinen Leute, die dort leben, weil die Reichen ruhigere Viertel im Norden der Stadt bevorzugen. Unter den Preußen kommt das Reiterdenkmal von Kaiser Friedrich Wilhelm III. an seinen Ort, damals noch in der Platzmitte. Große Veränderungen bringt der Bau der Markthalle 1901 am Platz des heutigen Maritim-Hotels und vor allem die Schaffung einer Ost-West-Verkehrsachse in der NS-Zeit, die den Platz zerschneidet. Heute wird Kritik geübt, dass der Platz weitgehend leblos nur nach als Eventfläche an Weihnachten oder Karneval dient.

Aktuell steht der Heumarkt im Mittelpunkt einer gemeinsamen Sonderausstellung des Kölnischen Stadtmuseums und des Römisch-Germanischen Museums in der Reihe "Drunter und Drüber. Schauplatz Kölner Geschichte", die typisch kölsche Veedel in den Fokus nimmt. Die Schau ist von heute bis 1. Mai im Stadtmuseum zu sehen.

Das Drunter bezieht sich auf die Ausgrabungen während des Baus der Tiefgarage vor 20 Jahren, bei denen Sensationelles an Tageslicht kam. Die wichtigste Erkenntnis war, dass es zwischen römischen und der frühmittelalterlichen Frankenzeit keinen Bruch gab, sondern dass die neuen Herren die Stadt in ihrer Pracht weiterführten und wirtschaftlich weiter entwickelten.

Zu sehen sind einige der Funde in der Sonderausstellung. Dazu gehört auch das Porträt des Kaisers Domitian, das aus einem Bildnis von Kaiser Nero recycelt wurden. Ursprünglich hielt man den Fund für den Feldherrn Agrippina und später für Kaiser Claudius. Zu sehen ist der Fund direkt im Eingangsbereich der gut, unterhaltsam und informativ gemachten Schau, die sich über zwei Etagen erstreckt.

Ein Wunsch der Macher ist, dass mit der Ausstellung die Besucher auch zum Nachdenken über die Zukunft des Platzes angeregt werden. Zu den Projekten gehört auch der Plan der KVB die Ost-West-Achse der Stadtbahn im Bereich zwischen Deutzer Brücke und Rudolfplatz unter die Erde zu legen. Für die Gedanken der Gäste gibt es in der Schau extra eine Ideenwand.

Zurneuen Ausstellung ist ein reich bebilderter Begleitband erschienen: Mario Kramp/Marcus Trier (Hrsg.), Drunter und Drüber: Der Heumarkt. Schauplatz Kölner Geschichte 3, Bachem-Verlag, 16,95 Euro.

(RP)