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CSD Köln 2022: Hunderttausende Zuschauer feiern Parade

Parade am Sonntag : Rund eine Million Menschen feiern CSD in Köln

Es ist eine große, schrille und laute Party – aber mit einem ernsten Hintergrund: Rund eine Million Zuschauer und Teilnehmer waren bei einer der größten CSD-Paraden in Europa dabei. Das Motto in Köln lautet: „Für Menschenrechte. Viele. Gemeinsam. Stark“.

Mit vielen Besuchern ist in Köln am Sonntag die Demonstration zum Christopher-Street-Day durch die Stadt gezogen. Rund 180 Gruppen - so viele wie noch nie - waren mit Wagen oder zu Fuß durch die Zuschauermenge in der Innenstadt unterwegs. Nach einer ersten Einschätzung der Polizei verfolgten rund eine Million Menschen den bunten Umzug mit politischem Hintergrund. „Es gibt einen sehr regen Zulauf“, sagte eine Polizeisprecherin am Mittag. Bis zum Nachmittag verlief alles störungsfrei. Der Verein Kölner Lesben- und Schwulentag hatte im Vorfeld mit rund 45.000 Teilnehmern und mehr als einer Million Zuschauern gerechnet. Ein Sprecher sagte am Sonntag, er sehe die Prognosen noch übertroffen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte zur Eröffnung, mit der Parade setze Köln „ein starkes Zeichen für Vielfalt, für Toleranz, gegen Hass und gegen Ausgrenzung“. Es war das erste Mal, dass ein NRW-Regierungschef den Umzug startete. Vorfälle wie jüngst in Oslo zeigten, dass es leider weiter nötig sei, solche Zeichen zu setzen, sagte Wüst. In Oslo hatte am vergangenen Wochenende ein Angreifer rund um eine beliebte Schwulen-Bar zwei Menschen erschossen und 21 verletzt.

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Lebensfreude gegen Homophobie

Viele der Teilnehmer des CSD in Köln sind fantasievoll gekleidet, viele haben Plakate mit politischen Botschaften dabei. Ralf und Uwe sind unter den Besuchern und haben sich in aufwändig-prächtige pinke und blaue Kostüme geworfen. „Mit meinem Outfit möchte ich Lebensfreude ausdrücken“, sagte Ralf. Zugleich wolle er damit auch im übertragenen Sinne sichtbar sein: „Es ist wichtig, angesichts von Homophobie und Extremismus Präsenz zu zeigen.“

Marcel aus dem Kreis Viersen freute sich nach eigenen Angaben wahnsinnig, dass er beim CSD endlich mal so sein kann, wie er ist: „Ich komme aus einem Dorf, da kann ich nicht so rumlaufen, wie ich will“, sagte er. „Wenn ich da Hand in Hand mit einem Mann über die Straße gehen würde, würde ich nur doof angestarrt und gemieden.“

Auch Politikerinnen und Politiker haben beim CSD Homophobie und Gewalt verurteilt. „Überall auf der Welt, und leider auch in Deutschland, sind Extremisten am Werk, die uns unsere Freiheit nicht gönnen wollen“, sagte der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne). „Das starke Signal aus Köln ist: Wir lassen uns diese Freiheit niemals nehmen“, so der Kölner Bundestagsabgeordnete.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) betonte, der CSD sei ein Tag der Menschenrechte und der Demokratie. Deshalb sei es auch und gerade vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs richtig, den CSD zu feiern. Die Veranstaltung solle Solidarität mit der queeren Community in der Ukraine zeigen, ebenso wie mit der in Oslo und in Istanbul.

Auch in Deutschland seien queere Menschen oft Opfer von Hass und Gewalt, sagte Jens Pielhau, Vorstand des Vereins Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), der den CSD veranstaltet. Der Druck durch homo- und transfeindliche Gruppierungen nehme zu. „Dagegen wollen wir friedlich und frei demonstrieren, und dabei feiern und zeigen, dass wir viele sind.“

Der Kölner CSD ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Europa. Wegen der Corona-Pandemie hatte die Veranstaltung in den vergangenen beiden Jahren nur in deutlich kleinerer Form stattgefunden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: CSD in Köln - eine schrille und bunte Demonstration

(top/dpa/afp)