Boris Reininghaus hat sich eine Insel in Kanada gekauft und darauf ein Haus gebaut

Tischler aus Pulheim baute Inselhaus in Kanada : Ein Zuhause im Nirgendwo

Boris Reininghaus hat sich einen Traum erfüllt, als er sich vor neun Jahren eine Insel in Kanada kaufte. Seit letztem Sommer steht nun ein einziges Haus auf der Insel. Der Tischlermeister aus Pulheim hat es selbst gebaut und jede einzelne Schraube per Boot hin transportiert. Die Mühe hat sich gelohnt.

Der Großstädter sieht vielleicht mal ein Eichhörnchen durch den Garten sausen oder eine Kohlmeise auf dem Sims sitzen — vor der Haustür von Boris Reininghaus sieht das anders aus: Da schwimmen Robben und Hummer. Die kann der Tischlermeister aus Stommeln in Pulheim immer dann beobachten, wenn er in seinem zweiten Zuhause ist, auf seiner eigenen Insel vor der Ostküste Kanadas. Sechseinhalb Hektar groß ist "Mark's Island", das sind ungefähr neun Fußballfelder. Es gibt ein Wäldchen, ein paar kleine Kiesel- und Steinstrände, ziemlich viel verwilderte Grasflächen — und seit diesem Sommer steht mitten auf der Insel ein Holzhaus, das schon von Weitem zu sehen ist, weil Boris Reininghaus‘ Frau Solveig es orange angestrichen hat.

Bis das Häuschen mit der 80 Quadratmeter großen Wohnfläche auf der Insel stand, war es ein weiter Weg. Denn Reininghaus hat es selbst gebaut und musste jede Schraube, jedes Brett, jede schwere Fensterscheibe und jeden Eimer Farbe mit einem kleinen Boot vom Festland zur Insel bringen.

Inselbesitzer Boris Reininghaus. Foto: Reininghaus

Dort gibt es kein Wasser und keinen Strom. "Wenn der Akkuschrauber nicht voll geladen war, konnte ich eben nicht weiterarbeiten", sagt der 41-Jährige. Inzwischen gibt es einen Generator und eine Wasseraufbereitungsanlage.

Der Weg zu seiner Insel ist weit: Reininghaus muss erst sechs bis sieben Stunden fliegen, dann noch 300 Kilometer mit dem Auto fahren. Noch einmal 20 Minuten dauert die Fahrt von der Küste bis zur Insel. Manchmal war Reininghaus zwei Wochen in Kanada und konnte kein einziges Mal rüber fahren, weil das Wetter zu schlecht war. "Dann kann man den Kutter nicht anlegen, es gibt keinen Steg, aber dass man vom Wetter abhängig ist, ist Teil des Spiels", sagt er. Wenn er anlegen konnte, musste er das Material noch etwa 200 Meter weit zum Bauplatz tragen.

"Wenn es fertig ist, ist es fertig"

Manchmal hat ein Freund ihm beim Hausbau geholfen. Mehr als hundert Mal hat er Material mit dem Boot rübergebracht, das Haus hat er komplett ohne Baumaschinen gebaut. "Das war für mich immer eine Baustelle ohne Stress und Druck. Ich wusste immer: Wenn es fertig ist, ist es fertig."

Vor neun Jahren hat Reininghaus die Insel entdeckt und sie für 60.000 Euro gekauft. Ein Immobilienmakler, der auf Inseln spezialisiert ist, hatte sie ihm gezeigt. Damals lebten ein paar Schafe darauf. Seine Frau kannte er damals noch nicht. Inzwischen hat das Paar zwei Kinder, Anna (7) und Paul (5). "Das Wichtigste war dann erstmal sowieso, dass wir Windeln und Milchpulver dabei hatten, wenn wir rüber geschippert sind."

Reininghaus ist ein sehr gelassener Mensch. Er wirkt, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen. In den acht Jahren des Hausbaus ging es ihm nie darum, möglichst schnell fertig zu werden. Wenn er nicht auf die Insel konnte, blieb er in einem kleinen Fischerhaus an der Küste, der Ort heißt Comeau's Hill. Die Insel gehört zu den Tusket Islands in der Lobster Bay in der Provinz Nova Scotia. Reininghaus kennt die Fischer und die Bewohner mittlerweile gut. "Sie haben schon einige erlebt, die hier heimisch werden wollten und ich glaube, sie finden es gut, dass ich es durchgezogen habe mit dem Hausbau — und dass ich ihre Heimat so wertschätze", sagt er.

Reininghaus träumte von einem Haus am Meer, seit er als Geselle mit 20 Jahren für ein Jahr in Maine war. "Aber ein Grundstück in Nordamerika war viel zu teuer, also musste ich meinen Radius vergrößern", sagt er. Mit 32 Jahren wurde er schließlich Inselbesitzer. Wenn man ihn fragt, warum er all die Mühe auf sich nimmt, sagt er: "Naja, die Ruhe auf der Insel ist unschlagbar." Manchmal kommt ein Fischer mit einem Boot vorbei. "Dann winken wir uns zu und er fährt weiter."

"Es ist eine intensive Zeit dort"

Das Gefühl, dass "viel Wasser zwischen seinem Haus und den Nachbarn ist, mag Reininghaus sehr. "Es gibt dort im Umkreis von 1000 Kilometern keine größere Stadt — und auf der Insel kein künstliches Licht. Der Sonnenaufgang, aber auch der Sternenhimmel sind deshalb unglaublich." Bisher hat er es geschafft, jedes Jahr drei bis vier Monate auf seiner Insel zu verbringen, seine Frau kann dort genauso abschalten vom Alltag in Deutschland wie er. "Und die Kinder sind nur einmal klein, ich will so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen."

Wenn er in Stommeln ist, nimmt er so viele Aufträge als Tischler an, wie er kann, um dann Geld und Zeit zu haben für eine Auszeit auf der Insel. "Unsere Zeit dort ist einfach sehr intensiv. Es gibt keinen Leistungsdruck, keine Termine, mich entschleunigt das total."

Da Tochter Anna nun bei Köln in die Schule geht, wird es schwieriger. Aber so oft die Familie kann, reist sie nach Kanada und macht Lagerfeuer vor ihrem orangefarbenen Häuschen mitten im Nirgendwo.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So ist das Inselhaus entstanden

(hsr)
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