Bombenentschärfung in Köln erfolgreich - Uniklinik war betroffen

Teile der Uniklinik geräumt : Bombe in Köln-Lindenthal erfolgreich entschärft

Die Bombe in Köln ist entschärft. Sie war auf dem Gelände der Uniklinik in Lindenthal entdeckt worden. Teile der Klinik mussten evakuiert und 500 Patienten in andere Gebäudeteile oder Krankenhäuser gebracht werden. Fast 6000 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen.

Die Zehn-Zentner Weltkriegsbombe in Köln-Lindenthal wurde um 16.08 Uhr erfolgreich von Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes entschärft, wie eine Stadtsprecherin mitteilte. Der Blindgänger werde nun abtransportiert. Sämtliche Sperrungen rund um den Fundort werden nach und nach wieder aufgehoben. Die Anwohner können in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Kranke oder gehbehinderte Personen werden mit Krankentransporten zurückgebracht.

Teile der Uniklinik mussten am Mittwochabend und am Donnerstagvormittag evakuiert werden. Fast 300 Patienten mussten transportiert werden. Für den Transport von zehn intensivmedizinpflichtigen Patienten wurden drei Spezialfahrzeuge mit besonderer medizinischer Ausstattung genutzt. Alle weiteren Patienten wurden in der Uniklinik intern verlegt.

Rund um die Uniklinik waren Straßen gesperrt. Etwa 5800 Anwohner mussten ihre Wohnungen in Lindenthal verlassen. Heribert Büth vom Kölner Ordnungsamt sagte am Mittag: „Es läuft gut, wir sind gerade beim zweiten Klingeldurchgang.“ Die Menschen reagierten verständnisvoll, nur in einem Fall habe ein Mann seine Wohnung nicht verlassen wollen. „Der war aber recht schnell zu überzeugen“, sagte Büth. Am Nachmittag teilte die Stadt mit, dass drei weitere Personen sich zunächst geweigert hätten, den abgesperrten Bereich zu verlassen. „Nach intensiven Gesprächen zeigten sie sich einsichtig“, hieß es.

140 Mitarbeiter des Ordungsamts waren im Einsatz, „alle, die heute im Dienst sind“, wie Büth sagte. Dazu kamen mehr als 300 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und verschiedener Hilfsorganisationen.

„Wir sind froh, dass wir das Ganze heute über die Bühne bringen werden“, sagte Büth am Mittag. „Das sah am Mittwochabend nicht so aus.“ Im Evakuierungsradius leben 1200 Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, 600 sind älter als 75, wie Büth sagt. „Wir hatten damit gerechnet, mehr Krankentransporte machen zu müssen, viele können ihre Wohnungen aber selbstständig verlassen.“

Die 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg war am Mittwoch bei Bauarbeiten entdeckt worden. Der Blindgänger liegt in fünf Metern Tiefe. Insgesamt 500 Patienten und 8000 Mitarbeiter der Uniklinik Köln waren betroffen. Schulen und Kindertagesstätten rund um den Fundort der Bombe blieben geschlossen. Eine Anlaufstelle für Anwohner hatte die Stadt im Apostelngymnasium eingerichtet. Am Nachmittag waren dort etwa 330 Personen, unter ihnen auch die Bewohner einer Senioreneinrichtung.

Die Inhaber des Lokals „Bagatelle“ an der Zülpicher Straße, posteten auf Facebook: „Liebe Anwohner und Patienten der Uniklinik, wenn ihr keine Lust auf Turnhalle oder Familie habt, wir öffnen bereits ab 14 Uhr drei Stunden früher für euch.“ Getränke gebe es zum halben Preis.

In Köln war bereits am Dienstag eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Rund 10.000 Beschäftigte mussten dafür sicherheitshalber ihre Arbeitsplätze verlassen. Auch der Zugverkehr kam durcheinander, weil unter anderem die Hohenzollernbrücke - ein Nadelöhr im Bahnverkehr auf dieser wichtigen Strecke im Rheinland - gesperrt wurde. Schiffe mussten stoppen und Flugzeuge zum Airport Köln/Bonn Ausweichrouten nehmen.

Und am Sonntag droht in Köln schon die nächste Bombenentschärfung. Dann könnte die Autobahn 3 gesperrt werden und die Evakuierung einer Klinik mit mehr als 450 Betten könnte notwendig werden. Fachleute müssen allerdings zunächst noch feststellen, ob es sich bei dem metallischen Gegenstand in der Erde überhaupt um eine Bombe handelt.

Blindgänger des Zweiten Weltkriegs werden die Kampfmittelräumdienste in Nordrhein-Westfalen noch jahrzehntelang beschäftigen. Fast jeden Tag wird in NRW statistisch gesehen eine größere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Etwa die Hälfte der Luftangriffe gegen Nazi-Deutschland konzentrierte sich auf das heutige NRW. Der Grund dafür war die damals überragende industrielle Bedeutung des Ruhrgebiets, aber auch einfach die geografische Nähe westdeutscher Städte zu England. Viele der Bomben zündeten nicht und schlummern deshalb bis heute im Boden. Experten für Kampfmittelräumung gehen davon aus, dass sie bislang nur etwa ein Fünftel bis ein Sechstel dieser Blindgänger entfernt haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kölner Uniklinik muss für Bombenentschärfung evakuiert werden

(mit Material der dpa)