Prozess in Köln: Motorrad-Fahrer nach illegalem Rennen vor Gericht

Prozess um illegales Motorradrennen in Köln : „Schöne Touren in die Eifel“

Fünf Motorradfahrer zwischen 29 und 47 Jahren sollen sich ein illegales Straßenrennen in Köln geliefert haben - doch vor dem Amtsgericht stellte sich ein Nachweis als schwierig heraus.

Von Tempo 160 in einer 70er-Zone war im Polizeibericht von Anfang Juli 2018 die Rede, von fünf Motorradfahrern, die sich auf dem Kölner Militärring laufend gegenseitig über beide Spuren hinweg überholten, mindestens ein Auto sollen sie dabei geschnitten und ausgebremst haben. Wegen eines illegalen Kraftfahrzeugrennens mussten sich die fünf Kölner nun vor einer Amtsrichterin verantworten.

Seit fast einem Jahr sind die Männer sowohl Führerscheine als auch Motorräder los, einer von ihnen ist Fahrlehrer. Der 47-Jährige musste nach dem Entzug des Führerscheins seine Fahrschule schließen und hat inzwischen Privatinsolvenz angemeldet. Er sagt: „Ich bin damals aus allen Wolken gefallen, als es hieß: Illegales Rennen.“ Er habe die Motorrad-Clique gerade deshalb geschätzt, weil „die alle tadellos fahren“.

Einer der Mitangeklagten (33) betont: „Wir sind kein Motorrad-Club, wir machen schöne Touren in die Eifel und ins Bergische, wollen ausdrücklich keine Raser haben in der Clique.“ Er habe bei der Polizeikontrolle sein Handy noch bereitwillig abgegeben, weil er sich gedacht habe: „Das entlastet uns, da war ja nichts Schlimmes drauf.“ Er habe geglaubt, dass die Polizei ihnen die Motorräder und die Handys nach ein paar Tagen zurückgeben würde, „und jetzt sitzen wir hier, elf Monate später“.

Die fünf Angeklagten sagen aus, sie seien in einer Kolonne gefahren, versetzt, mit einem gewissen Abstand zueinander. Es sollte zum Abendessen ins Burger-Restaurant gehen. Alle geben zwar zu, dass sie schneller waren als erlaubt – allerhöchstens hätte der Tacho aber streckenweise 100 angezeigt. Aber keiner habe einen anderen überholt - und schon gar nicht sei es um ein „Kräftemessen“ gegangen, was die Staatsanwaltschaft den Männern vorwirft.

Einer der Polizisten, der die Motorradfahrer gestoppt hat, sagt im Zeugenstand: „Die haben immer wieder beschleunigt und noch nicht mal auf unsere Lautsprecherdurchsagen gehört. Wir mussten die Kontrolle erzwingen, indem wir uns mit dem Streifenwagen vor sie gesetzt und sie ausgebremst haben.“ Der „Biker Club“ sei mehrfach mit Tempo 160 unterwegs gewesen.

Die Angeklagten behaupten, den Streifenwagen erst kurz vor der Kontrolle bemerkt zu haben. Allerdings gab einer von ihnen Gas und entzog sich der Kontrolle. Weil die Beamten sein Kennzeichen schon notiert hatten, nahmen sie ihm seine Sportmaschine, eine Benelli Tornado 900, am Abend zu Hause ab.

Die Polizisten zogen damals Kollegen der Ermittlungsgruppe „Rennen“ hinzu, die die Maschinen überprüften und eine Kawasaki wegen einiger Mängel komplett aus dem Verkehr zogen. Die anderen Motorräder beschlagnahmten sie.

Letztlich hat das Gericht zu große Zweifel daran, ob die Motorradfahrer tatsächlich ein illegales Straßenrennen gefahren sind. Seit 2017 gilt ein illegales Rennen nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Bei einer Verurteilung drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis. Die Polizisten konnten im Prozess aber nicht konkretisieren, welcher Fahrer was genau gemacht haben soll.

Die Amtsrichterin stellte das Verfahren ein. Die Kosten für das monatelange Unterstellen der Maschinen übernimmt nun die Staatskasse. Ihre Führerscheine bekamen die Männer noch im Gerichtssaal zurück.