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Köln: Verdächtiger wollte mit Bombe in Zug Druck bei Asylantrag machen

Nach Großeinsatz in Köln : Verdächtiger wollte mit Bombe in Zug Druck bei Asylantrag machen

Nach dem Fund einer nicht funktionsfähigen Bombe in einem abgestellten Zug in Köln vor wenigen Wochen sind neue Details zu dem Motiv des tatverdächtigen 21-Jährigen bekannt geworden.

Der syrische Flüchtling soll den vermeintlichen Sprengsatz in einem Zug-WC deponiert haben, weil er nach eigenen Angaben „mit der Bearbeitung seines Asylantrags und seinem derzeitigen ausländerrechtlichen Status unzufrieden“ war. Das geht aus einem Bericht des NRW-Innenministeriums an den Landtag in Düsseldorf hervor. Das Paket mit dem vermeintlichen Sprengsatz war bei Reinigungsarbeiten auf einem Abstellbahnhof in Köln-Deutz gefunden worden.

Wie das Ministerium dem Innenausschuss mitteilte, war das Paket mit Klebeband umwickelt und eine Zündschnur ragte heraus. „In dem Paket befand sich ein Explosivstoff (Schwarzpulverkügelchen/pyrotechnisches Pulver aus Silvesterraketen), zwei Knallkörper in einer Länge von etwa zwei bis drei Zentimetern, eine Glasfaserdämmung und beigemischte Metallkugeln, Nägel und Schrauben. Es handelte sich um eine selbstgebaute, nicht funktionsfähige Bombe“, so der Bericht.

Der Verdächtige habe nach seiner Einreise in die Bundesrepublik im September 2017 einen Asylantrag gestellt und im August 2020 eine Aufenthaltsgestattung bekommen. Im Verhör habe er angegeben, dass er davon ausgegangen sei, dass man das Paket sofort findet – und er so die Aufmerksamkeit „auf seine derzeitige Lebenssituation“ lenken könnte. Als das zunächst in einem Abfalleimer versteckte Paket nicht entdeckt worden sei, habe er sich auf der Zugfahrt von Lüdenscheid nach Engelskirchen nochmals zur Toilette begeben und es an eine augenfälligere Stelle gelegt.

Bislang war der Mann laut Ministerium völlig unbescholten. Nun wird gegen ihn wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten in Tateinheit mit Vortäuschen einer Straftat ermittelt.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte berichtet, dass die Ermittler den Täter auf einem Überwachungsvideo entdeckt hatten. Er sei allerdings maskiert gewesen. Wie die Ermittler auf den Verdächtigen gestoßen sind, wollte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nicht kommentieren. Auch zum möglichen Hintergrund des Mannes machte er keine Angaben.

Die Zentralstelle Terrorismusverfolgung der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft hatte den Fall wegen der Gesamtumstände übernommen. „Der Fund eines sprengstoffverdächtigen Gegenstandes in einem öffentlichen Verkehrsmittel“ sei Anlass „zur Prüfung einer terroristischen Motivation des Täters“. Da die Bombe aber nicht funktionstüchtig war, wurde zunächst wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt.

(mba/dpa)